tz beantwortet wichtige Fragen

Verpasster Dopingtest: Darum blieb Thiago ohne Strafe

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War für die Doping-Jäger nicht aufzufinden: Thiago kam um einen unangekündigten Test herum.

München - Thiago entging vor zwei Jahren einem Dopingtest, weil er nicht aufzufinden war. Dennoch kam der Bayern-Star ohne Strafe davon. Die tz beantwortet Fragen zum Vorgehen.

Thiago oder nix! Das inzwischen geflügelte Wort von Pep Guardiola hat nun noch eine zweite Bedeutung. Thiago! Oder nix? Das spanische Mittelfeld-Ass des FC Bayern wurde 2014 bei einem Dopingkontrollversuch durch die Nationale Anti-Dopingagentur NADA nicht angetroffen, das berichtet ARD-Radio-Recherche Sport. Bestraft wurde aber weder Thiago Alcantara noch der FC Bayern. Eine Extrawurst für Fußballer? Die tz klärt auf:

Warum keine Strafe? Während sich der FCB und das Thiago-Management gegenüber der ARD ausschweigen, konnte man der NADA glaubhaft versichern, dass es nicht Thiagos Schuld war, dass man ihn weder in München noch in der Klinik des spanischen Arztes Ramon Cugat in Barcelona, bei dem sich Thiago am Knie operieren ließ, vorgefunden hat. Zudem stellte die NADA gegenüber der tz klar, dass kein Meldeversäumnis vorlag. Aber Transparenz? Darüber wird im Fußball noch nicht wirklich nachgedacht.

Was muss Thiago angeben? Im Gegensatz zu deutschen Nationalspielern unterliegt der 25-Jährige nicht dem deutschen Anti-Doping Administration & Management System (ADAMS). Thomas Müller & Co. gehören dagegen zum Nationalen Testpool (NTP), sind daher im ADAMS-System meldepflichtig und müssen jeden (!) Tag Zeit und Ort angeben, wo sie für eine mögliche Kontrolle anzutreffen sind. Thiago muss das nicht persönlich, er ist über die Angabe seines Vereins abgesichert. Aber: Der FC Bayern muss ihn bei der NADA abmelden, wenn er sich nicht im FCB-Alltag bewegt. Das haben die Münchner getan.

Doping-Kontrolleure.

Was sagt Spanien? Als spanischer Nationalspieler unterliegt Thiago dem spanischen ADAMS-System, die spanische NADA, die nach aktuellem WADA-Code als non-compliant (nicht konform) eingestuft wird, interessierte sich nicht für den Fall. Cugat, der Arzt, dem Thiago, die Spieler des FC Barcelona und andere Sportler vertrauen, ist nicht unumstritten. Im Fall Thiago wurde ihm eine Wachstumshormon-Behandlung vorgeworfen.

Welche Rolle spielt der DFB? Auch der DFB ist für die Regelung des Sachverhalts zuständig. Laut dem Beitrag von ARD-Radio-Recherche Sport nahm der DFB nicht in "angemessener Frist" Stellung. Der DFB widersprach dem und veröffentlichte eine lange Stellungnahme, in der man darauf hinwies, dass sich weder der FCB noch Thiago schuldhaft verhielten. Pikant: Erstmals forderte die ARD die Stellungnahme vor ein paar Wochen. Am Dienstag erfolgte eine weitere Nachfrage, man gewährte dem DFB eine 48-Stunden-Frist. Diese ließ er verstreichen und antwortete erst am späten Donnerstagnachmittag, als der ARD-Beitrag bereits in Produktion war - ohne Vorwarnung.

Wie viele Fälle dieser Art gibt es? Viele, meist werden diese Fälle aber nicht weiter verfolgt, weil es eine Erklärung gibt. Und wenn der Name des Athleten nicht ­Thiago lautet, werden sie nicht öffentlich. Eine Lücke im System will die NADA nicht erkennen: "Immerhin haben wir die Möglichkeit nach Spanien zu fliegen." Auch Thiago wurde später noch kontrolliert.

Wie sind die Reaktionen? "Wir leben in zwei unterschiedlichen Welten", twitterte Radprofi Marcel Kittel, der wie die Fußball-Nationalspieler dem ADAMS-System unterliegt. Anti-Doping-Kämpfer Fritz Sörgel sagte der tz: "Ein weltweit gleiches System der Dopingverfolgung zu entwickeln ist utopisch" und ergänzte: "Die Würde des Fußballs ist unantastbar."

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