"Das hilft keinem weiter"

Müller: Darum zog er auf der Bank kein Gesicht

+
Als Thomas Müller dann gegen Atlético spielen durfte, konnte er nicht mehr viel ausrichten.

München - Thomas Müller durfte für den FC Bayern gegen Atlético erst nach 70 Minuten ran. Dennoch verbreitete er keine schlechte Stimmung auf der Bank. Aus gutem Grund.

Ein gewisser Louis van Gaal hat es vor einigen Jahren ziemlich genau auf den Punkt gebracht. „Müller spielt immer“, hatte der Tulpengeneral über seinen Schützling gesagt, wohl wissend, dass ein genialer Moment des Instinktfußballers ein Spiel entscheiden kann. Gerne auch ein Champions-League-Halbfinale. Doch bei Pep Guardiola ticken die Uhren anders, wie man am Mittwoch einmal mehr feststellen konnte. Kaum war die Aufstellung der Münchner gegen Atlético bekannt, hieß es: Finde den Fehler! Er lag bei Müller, denn der saß zunächst nur auf der Bank.

Guardiola erklärte seinen Schachzug wie so oft, wenn er auf Personalentscheidungen angesprochen wird. Er wolle mehr Spieler im Zentrum, so der Spanier, sein Plan ging aber gehörig schief. Und zwar nicht nur, weil die Bayern im Calderón 0:1 verloren, mit Müller beraubte sich Pep ausgerechnet dieses einen Spielers, der die Münchner in dieser Saison bereits des Öfteren gerettet hatte. Beispiele gefällig? Seine 31 Saisontore, acht davon in der Königsklasse, dürften reichen.

Und dennoch: Beschwerden gab es von Müller hernach keine zu hören. Der 26-Jährige ging mit der Entscheidung um, wie ein Teamplayer das eben so macht: sportlich fair und immer die Mannschaft im Vordergrund bewahrend. „Man ist nicht glücklich“, gab er in den Katakomben des Calderón zwar zu, fügte aber an: „Wenn man als Team erfolgreich sein will, ist für Enttäuschung in dem Moment wenig Platz. Wir sollten da schauen, dass wir unsere Emotionen im Griff haben, denn es können nur elf spielen.“ Und weiter: „Wenn alle sieben, die auf der Bank sitzen, mit so einem Gesicht draußen sitzen, hilft das keinem weiter.“ Sahen seine Mitspieler genauso. Von Kapitän Philipp Lahm bis hin zu Manuel Neuer verwiesen alle Roten darauf, dass nun mal „nur elf spielen“ können und das allein „die Entscheidung des Trainers“ sei.

"0:1-Pleite: SAULcooles Solo schockt Bayern"

"0:1-Pleite: SAULcooles Solo schockt Bayern"

Nur Ottmar Hitzfeld sah das Ganze ein wenig anders. Der Trainer, der die Bayern 2001 zum Henkelpott in San Siro geführt hatte, war ebenfalls einigermaßen überrascht über Peps Personalpolitik und machte bei Sky auch absolut keinen Hehl daraus. „Für mich ist das eine riesige Überraschung“, kommentierte Hitzfeld die Startelf des Rekordmeisters. „Müller ist für Bayern wie Messi für Barcelona. In ganz wichtigen Spielen sind sie fast nicht zu ersetzen. Aber Guardiola ist ein mutiger Trainer.“ Mutig? Möglich! Die Frage ist nur, wer beim Müller-Dilemma nun falsch liegt: Hitzfeld? Van Gaal? Oder doch Guardiola, der ihn erst in der 70. für den erneut blassen Thiago brachte? Das Spiel im Calderón dürfte die Antwort einmal mehr geliefert haben. Aber ein Müller steckt nicht auf. Lahm: „Er macht schon noch ein Tor im Halbfinale.“ Wer den Mann aus Pähl kennt, weiß, dass er recht haben könnte…

auch interessant

Meistgelesen

FC Bayern München: Die möglichen Gegner im Achtelfinale der Champions League
FC Bayern München: Die möglichen Gegner im Achtelfinale der Champions League
Boateng: Eine gute und eine weniger gute Nachricht
Boateng: Eine gute und eine weniger gute Nachricht
Gute Nachrichten von Boateng - schlechte von Hummels 
Gute Nachrichten von Boateng - schlechte von Hummels 
Bayerns Rückkehr zum 4-3-3: Darum ist Vidal der Schlüsselspieler
Bayerns Rückkehr zum 4-3-3: Darum ist Vidal der Schlüsselspieler

Kommentare