TV-Produzent über Quoten und Altstars in der US-Liga

"Schweinsteiger bei LA Galaxy – das wäre perfekt!"

+
„Im Schnitt sehen sich 100 000 Menschen die Bundesliga an“, sagt Heyman.

Chicago - TV-Produzent Jeff Heyman spricht im tz-Interview über die Fußball-Quoten der Bundesliga in den Staaten, die Zugkraft von Bayern und Dortmund, Shows und Altstars in der US-Liga.

Mister Heyman, Sie sind Bundesliga-Produzent bei Fox Sports. Mögen Sie denn Fußball?

TV-Produzent Jeff Heyman.

Jeff Heyman: Und wie! Allerdings nicht von Kindesbeinen an, da damals noch kein Fußball im US-Fernsehen lief. Ich bin in New Jersey aufgewachsen und habe dort viel gekickt. Unsere High-School-Mannschaft war richtig stark, sie haben um die regionale Meisterschaft gespielt. Bei uns waren aber alle Baseball-Fans, niemand wusste ja, dass es Fußball auch als professionelle Sportart gibt. Die WM 2002 hat mir dann aber die Augen geöffnet. Seitdem bin ich infiziert.

Und welche Mannschaft hat es Ihnen angetan?

Heyman: LA Galaxy! Ich war bei jedem Spiel auf der Tribüne und mein kleiner Sohn besitzt selbstverständlich die gesamte Ausstattung des Vereins. Mein Vater hat mir auch mal einen Schal von Nottingham Forest aus England mitgebracht, worauf mir auch diese Mannschaft ein wenig ans Herz gewachsen ist.

Fiebern Sie auch mit einem Bundesliga-Verein mit?

Heyman: Bevor wir bei Fox vor einem Jahr mit der Übertragung der Bundesliga begonnen haben, waren mir eigentlich nur die Bayern und der BVB ein Begriff. Ich kannte sie aus der Champions League, besonders in Erinnerung ist mir das Finale 2013 geblieben, bei dem ich live vor Ort war. Und ich muss gestehen, dass es mir der BVB schon angetan hat. Der Arbeiterverein, die gelbe Wand, der Underdog – das ist schon klasse.

Wie läuft denn eine ganz normale Bundesliga-Übertragung bei Fox Sports ab?

Heyman: Los geht’s 30 Minuten vor Anpfiff, ab dann sind wir on air. Das heißt gegen 6.00 Uhr morgens Ortszeit in Los Angeles. Um halb sieben morgens ist dann Anstoß und gute zehn Minuten nach Abpfiff sind wir durch mit der Sendung. Unser Set ist dasselbe wie bei den Vorberichten für die NFL, was schon nicht schlecht ist, außerdem haben wir auch vier großartige Experten in unserem Team. Da wären Ian Joy, ein in Schottland aufgewachsener Amerikaner, der mal bei St. Pauli gespielt hat und ein dementsprechend dickes Pauli-Tattoo auf dem Rücken hat. Der Ex-Bochumer Eric Wynalda ist ebenfalls in unserem Team wie auch der Ex-BVBler Jovan Kirovski und Thomas Hitzlsperger, der teilweise auch kommentiert und uns eine Menge Kontakte liefern konnte.

Und wie kommt die Bundesliga bei den amerikanischen Zuschauern an?

Heyman: Gut, sie befindet sich aber nach wie vor im Wachstum. Wir haben jetzt unsere erste Saison hinter uns und die Quoten spiegeln den Wachstum wider. Im Schnitt sehen sich 100.000 Menschen die Spiele an, bei einem Spiel haben wir aber auch schon mal an der Millionen-Marke gekratzt. Dennoch ist die Premier League noch ein ganzes Stück weg, wenn man bedenkt, dass die Quote hier bei 400.000 im Schnitt liegt. Englischer Fußball hat aber nun mal auch die größere Tradition im US-Fernsehen und wird bereits seit gut 15 Jahren übertragen. Die Bundesliga macht aber große Fortschritte, und mal im Ernst: Hat der Amerikaner die Wahl zwischen Stoke gegen West Brom und Gladbach gegen Bremen, wird er sich für die Bundesliga entscheiden, weil das Gesamtpaket einfach spannender ist. Mehr Tore, mehr Fans, mehr Spannung – genau das versuchen wir dem amerikanischen Publikum zu verkaufen. Aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Heyman: Das Problem ist die Sprachbarriere. Sagen Sie mal einem Amerikaner, dass er Mönchengladbach aussprechen soll. Ich habe einen Monat dafür gebraucht. Auf der anderen Seite spielen mehr Amerikaner in der Bundesliga. Und Chicharito. Das zieht enorm, gerade die Leverkusen-Spiele, die wegen Chicharito bei unserem spanischsprachigen Sender laufen und im Schnitt 200.000 Zuschauer haben.

Und was muss die Bundesliga tun, um noch mehr US-Zuschauer anzuziehen?

Heyman: Mehr Amerikaner unter Vertrag nehmen! Spaß beiseite: Die Bundesliga ist auf einem guten Weg, da sie spannende Spiele bietet und für den Durchschnittsamerikaner ein netter Zeitvertreib an einem Samstagmorgen ist. Und die Zeit sehe ich da gar nicht mal als Problem an, da die Premier-League-Spiele ja noch früher beginnen. So gegen vier Uhr früh in Los Angeles. In New York ist es schon besser, da beginnen die Bundesliga-Spiele um halb zehn Uhr morgens und um halb zwölf Uhr vormittags.

Würde ein Supercup-Finale in den Staaten für mehr Popularität sorgen?

Heyman: Auf jeden Fall. Was wir versuchen, ist erst mal dem amerikanischen Zuschauer das Gesamtpaket Bundesliga näherzubringen. Geografischer Kontext, Klubgeschichte, Stadtkultur – all das liefern wir, damit der US-Zuschauer sich immer mehr mit den Mannschaften identifizieren kann. Was die Bundesliga tun kann? Nicht viel, denke ich. Im Endeffekt geht es darum, wie man sie den Zuschauern verkauft. Wenn auf einmal ein besseres Produkt auf den Markt kommt, werden sie das der Bundesliga vorziehen. Es kommt also auch ein Stück weit auf uns an.

Hilft es den Bayern, dass die Amerikaner mit Motiven wie Lederhosen, Oktoberfest oder Bier vertraut sind, um populärer zu werden?

Heyman: Absolut. Sehen Sie: Wenn Sie plötzlich auf die Idee kämen, Baseball verfolgen zu wollen – welches Team würden Sie sich herauspicken? Sie würden schauen, wer erfolgreich ist, wer gut ist, das ist immer sexy. Oder Sie suchen nach etwas Vertrautem, was Sie persönlich anzieht. Im Falle der USA und Fußball landen Sie in beiden Punkten schnell beim FC Bayern. Wir versuchen in unserer Berichterstattung auch, den Leuten hier die Kultur, die Städte der anderen Bundesligisten näherzubringen. Weil man so eine gewisse Nähe erzeugen kann.

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sind in den USA bereits bekannte Marken. Welcher Spieler in der Bundesliga ist den Amerikanern am ehesten ein Begriff?

Heyman: Robert Lewandowski. Also abgesehen von John Brooks bei Hertha. Ich hoffe demnächst auch auf Christian Pulisic bei Dortmund. Aber es ist Lewandowski. Seine fünf Tore in einem Spiel letztes Jahr gegen Wolfsburg sind in den USA ein großer Hit gewesen. Das ist genau so etwas, was die Amerikaner fasziniert: Außergewöhnliches.

Die US-Amerikaner lieben ja die Show. Muss die Bundesliga eventuell Inszenierungen aus den Staaten übernehmen, um interessant zu werden?

„Schweinsteiger bei Galaxy, das wäre perfekt. Wir hätten einen Weltmeister, und natürlich würde es die Bundesliga bekannter machen“, weiß Experte Heyman.

Heyman: Nein. Die DFL macht einen guten Job, und es ist eher das Gegenteil der Fall: Wir wollen den Amerikanern lieber die europäische Kultur näherbringen. Nur so kann etwas wachsen, nicht, wenn da etwas künstlich vermixt wird. Ich denke zum Beispiel nicht, dass so eine Veranstaltung wie unser Super Bowl die Europäer so faszinieren würde. Das Wichtigste ist: guten Sport zu bieten. Die höchsten Einschaltquoten haben wir bei Bayern – weil sie den schönsten Fußball spielen. Sonst stehst du nicht in der Früh auf, um zu schauen. Und ich für meinen Teil liebe die europäische Kultur – ich möchte sie meinen Landsleuten verkaufen, und nicht unsere exportieren. Ein typischer Fußball-fan ist auch Fan der europäischen Kultur.

Wäre es dann hilfreich, wenn die Nationalelf eine US-Tour machen würde?

Heyman: Auf jeden Fall. Gerade jetzt als Weltmeister. Dass Deutschland Weltmeister wurde – und das auf eine beachtliche Art – haben die Amerikaner schon wahrgenommen. Auf solche Stempel reagieren wir: Weltmeister, Weltbeste, das imponiert uns. Sie würden die Stadien füllen.

Sie sagten vorher, die Bundesliga sollte mehr Spieler aus den USA einstellen, um populärer zu werden. Wie sieht es im Umkehrschluss aus? Steven Gerrard oder Andrea Pirlo spielen in der Major League Soccer – wäre ein Bastian Schweinsteiger in der Liga ein Beschleuniger?

Heyman: Sicher. Schweinsteiger bei LA Galaxy, das wäre perfekt. Wir hätten einen Weltmeister in der Liga, er wäre bei uns absolut willkommen. Und natürlich würde es die Bundesliga bekannter machen.

auch interessant

Meistgelesen

FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Biographie über Müller: Parade-Bayer und Phänomen zugleich
Biographie über Müller: Parade-Bayer und Phänomen zugleich
Bayerns begehrter Weihnachts-Pulli
Bayerns begehrter Weihnachts-Pulli

Kommentare