Der FCB-Kapitän über seine Stiftung

tz-Interview mit Philipp Lahm: Das sind meine größten Vorbilder

Philipp Lahm im Gespräch mit tz-Reporter Manuel Bonke.

München - Wie immer gut gelaunt und überhaupt nicht erschöpft von der USA-Reise stellt sich Philipp Lahm den Fragen unseres tz-Reporters zu seinem sozialen Engagement und sein Verhältnis zu Ancelotti.

Jetlag? Nicht mit Philipp Lahm! Am ersten Morgen nach der USA-Reise des FC Bayern musste der FCB-Kapitän schon wieder früh aus den Federn! Um 9 Uhr stand ein Besuch des Sommercamps seiner Stiftung auf dem Programm. Lahm gesellte sich trotz strömenden Regens gut gelaunt zu den 80 Teilnehmern des Sommercamps im Schloss Maxhofen bei Bruckmühl. Danach sprach er mit der tz über soziales Engagement, Freundschaften innerhalb der Mannschaft und sein Verhältnis zu Trainern.

Herr Lahm, Sie sind am Donnerstag mit dem FC Bayern aus den USA zurückgekommen – Jetlag?

Lahm: Ich hatte eine gute Taktik muss ich sagen! Wenig Schlaf im Flieger, damit man abends gut schlafen kann. Mal schauen, wie ich die nächsten Tage überstehe. Aber an sich ist meine Takitk gut aufgegangen.

Haben Sie sich nach der Fast-Food-Flut in den USA gleich Weißwürst im Bräustüberl am Tegernsee bestellt?

Lahm (lacht): Wir hatten wieder unseren eigenen Köche dabei, darum gab es während der USA-Reise nicht wirklich Fast-Food für uns. Ich bin am Donnerstag dann gleich zu meiner Familie heim und am Abend gab’s eine bayerische Brotzeit: ­Obazda mit Wurstsalat und Fleischpflanzerl. Mein Kleiner und meine Frau haben sich auch mal wieder gefreut, nach zehn Tagen wieder einen Papa beziehungsweise Ehemann daheim zu haben.

Wie schaffen Sie es, Familie, Fußball und Ihre Stiftung unter einen Hut zu bringen?

Lahm: Spaß haben! Ich denke, wenn man mit Spaß dabei ist, findet man auch immer die Zeit. Wenn ich zum Beispiel eines meiner Sommercamps besuche, dann sehe ich, wie das den Kindern große Freude bereitet. Dann ist es nicht das Problem, wenn man einen Tag davor aus Amerika zurück gekommen ist und am Samstag gleich wieder Training auf dem Programm steht.

Ihre Stiftung gibt es nun seit neun Jahren. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Lahm: Ich habe mehr Erfahrung bei den Stiftungs-Projekten, dadurch wird alles professioneller. Die Stiftung selbst ist ebenfalls gewachsen: Erst hatten wir nur ein Sommercamp, jetzt haben wir sie drei Wochen in Folge.

„Thomas Müller ist ein guter Freund!“

Was ist Ihnen nach wie vor an den Sommercamps wichtig?

Lahm: Das Drei-Säulen-Prinzip! Ernährung, Bewegung und Persönlichkeitsentwicklung. Das hat sich nicht geändert, weil mich das meine ganze Fußball-Karriere und privat geprägt hat.

Die Kinder hier sollen sich in einem Workshop einen besten Freund basteln. Wie würde ihr bester Freund aussehen – eher ein Thomas Müller oder ein Arjen Robben?

Lahm: Ich verstehe mich mit den meisten meiner Mitspielern gut. Mit Thomas Müller verstehe ich mich super. Fußballerisch brauchen wir über ihn nicht zu reden. Generell braucht man über die fußballerische Qualität beim FC Bayern nicht zu diskutieren.

Und privat?

Lahm: Thomas Müller ist überhaupt ein guter Freund. Wir unternehmen auch privat oft was – und das kommt nicht mit so vielen Spielern vor.

Was kann ein Weltmeister-Kapitän von Kindern lernen?

Lahm: Dankbarkeit! Uns besuchen regelmäßig Kinder mit Laukämie im Camp. Da wird einem immer deutlicher bewusst, wie froh man sein muss, dass die Familie und man selbst gesund ist.

„Ancelotti weiß, wie er mit Spielern umgeht.“

Wer war früher Ihr Vorbild, abgesehen von Pierre Littbarski auf dem Platz?

Lahm: Ich habe mich immer an meiner Familie orientiert! Meine Schwester und ich sind bei meinen Eltern groß geworden und unter uns haben Oma und Opa gewohnt. Wir waren immer eine große Familie und oft zusammen. Mein Papa und mein Opa waren für mich als Kind ganz klar die großen Vorbilder!

Carlo Ancelotti ist ebenfalls ein Familienmensch. Versteht man sich deswegen besonders gut?

Lahm: Ich habe mich mit sämtlichen Trainern gut verstanden, weil ich professionelle bin – das kann ich von mir behaupten. Carlo Ancelotti weiß, wie man mit Spielern umgeht. Egal,ob sie erfahren oder jung sind. Deswegen ist das Miteinander bis jetzt sehr angenehm…

Aber?

Lahm: Nichts aber! Es klingt halt immer so, dass es früher nicht so war. Ich hatte auch zu Pep Guardiola und seinem Team ein sehr gutes Verhältnis.

Ihr Sohn Julian wird jetzt bald vier. Steht auch ihm eine große Fußball-Karriere bevor?

Lahm: Er kickt ganz gerne, das war am Anfang gar nicht so. Wir sind aber noch weit davon entfernt, ihn in einen Verein zu stecken. Aber warten wir mal ab. Ich weiß noch von der FT Gern, dass es mit fünf Jahren losgehen kann.

Sie drängen Julian also nicht ins Probetraining?

Lahm: Nein! Es ist wichtig, die Kinder zu unterstützen und sie nicht zu irgendetwas zu zwingen. Eltern sollen Ansprechpartner sein. Dann entwickeln sich Kinder von ganz alleine in die richtige Richtung.

Werden Sie nach Ihrer Spielerkarriere mehr Zeit für Ihre Stiftung haben? Oder übernehmen Sie einen Posten, sodass dann wieder weniger Zeit für die Stiftung ist?

Lahm: Für mich wird es nach meiner Spielerkarriere so sein, dass ich noch mehr Zeit für meine Stiftung habe. Eine Stiftung gründet man ja auch nicht nur für seine aktive Karriere!

Interview: Manuel Bonke

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