tz-Kolumne Nachspiel

Warum Bayern-Fans heute Gladbach die Daumen drücken sollten

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Oscar Wendt.

München - In seiner tz-Kolumne Nachspiel schreibt Rainer Kalb heute über Borussia Mönchengladbach in der Champions League und die Fünfjahreswertung.

Es ist an der Zeit, die Fußballfans unter den doch überwiegend bayerischen Lesern der tz heute Abend einmal um Unterstützung für den ehemaligen Erzrivalen Borussia Mönchengladbach zu bitten. Denn es geht zwar nicht um die Zukunft des FC Bayern, aber um die des deutschen Fußballs.

Die Situation ist nämlich die: Die UEFA hat in ihrer unendlichen Weisheit, unbeeinflusst von Skandalen, Skandälchen, Vereinsinteressen, Geldmacherei ein „sportliches“ Kriterium eingeführt, um zu bestimmen, wer an der Champions League teilnehmen darf. Das nennt sich Fünfjahreswertung. Sollte Mönchengladbach gegen Bern gewinnen, gibt das einen Punkt. Sollte die Borussia dadurch in die Champions League rutschen, in der Bayern, die andere Borussia und Bayer sich bereits befinden, gibt das weitere vier Bonuspunkte.

Für die Mathematiker unter den Lesern: Die Zahl der erreichten Punkte, zwei pro Sieg in der Gruppenphase, einer bei Unentschieden, wird zur Ermittlung der UEFA-Rangliste durch die Zahl der Starter geteilt. Ein Sieg von Mönchengladbach heute Abend (Qualifikationsspiele zählen nur die Hälfte; es gilt die frühere Zwei-Punkte-Regelung) wäre also 1:7, demnach 0,142 Punkte für die Bundesliga wert – die Quali für die CL allerdings (4:7) brächte 0,571.

Wie der Name Fünfjahreswertung schon besagt: Irgendwann wird ein Jahr gestrichen. Dieses Mal ist es die Saison 2011/12, die in Vergessenheit gerät, mathematisch gesehen. Deutschland, noch Zweiter (vor England, hinter Spanien), verliert 15,250 Punkte, der Vierte Italien aber nur 11,357. Und ab dem Abrutschen auf Platz vier geht ein Startplatz in der Champions League flöten. Deshalb wären die 0,571 Punkte der Gladbacher nicht für den ewigen Meister Bayern, aber für die Bundesliga an sich so wichtig.

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Dies auch, weil die Punkte pro Runde durch die Zahl der ursprünglich gestarteten Vereine dividiert werden. Da Hertha BSC Berlin bereits rausgeflogen ist, können die sechs verbliebenen Europacup-Teilnehmer selbst bei sechs Siegen in der Gruppenphase bei der UEFA nur 1,714 Punkte gutmachen (12:7) und eben – ohne Hertha-Siege – nicht 2,000. Da aber nicht alle die Champions-und Europaleague durchfliegen werden, wären die Bonuspunkte von Mönchengladbach so wichtig.

Die European Club Association unter Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge hat übrigens schon eine Reform der europäischen Klubwettbewerbe auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung im September gesetzt. Da soll es nicht um eine Abspaltung (Superliga Europa) gehen, sondern um eine mathematische Vereinfachung – also um’s Geld.

tz-Kolumnisten vertreten ihre von der Redaktion unabhängige Meinung. Rainer Kalb im Internet unter www.gazetta24.de

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