In Europa weht ein anderer Wind

tz-Kommentar zu Bayern: Die Folgen der Unterforderung

José Carlos Menzel Lopez.

München - Bayern-Reporter José Carlos Menzel Lopez hat sich Gedanken zur Niederlage des FC Bayern bei Atletico Madrid gemacht. In seinem Kommentar meint er, einen der Gründe für die Pleite ausgemacht zu haben.

Was uns die 0:1-Pleite des FC Bayern im Vicente Calderón lehrt? Einiges. Zum Beispiel, dass der FCB auch in diesem Jahr weiterhin eine konteranfällige Truppe ist, die gegen gut verteidigende Mannschaften nicht immer Lösungen aufbietet. Auch, dass Atlético Madrid einmal mehr sämtliche Karten in der Hand hält, um sehr weit zu kommen. Vor allem aber, dass der Unterschied zwischen der Bundesliga und LaLiga aktuell größer ist denn je. Manch einer wird an dieser Stelle auf das gern zitierte UEFA-Ranking verweisen, bei dem die höchste deutsche Spielklasse in der Tat zweite Kraft hinter der spanischen ist. Die Wahrheit ist aber: Es sind Meilen dazwischen.

Wieder nix! Bayern verliert bei Atlético: Fünf 5er, eine 2

Selbst Philipp Lahm blieb während der Pressekonferenz vor dem Spiel im Calderón nichts anderes übrig, als genau das zuzugeben. Und ein Blick auf die bisherigen Resultate unterstreicht die These. Der Saisonstart des FC Bayern: traumhaft. Bremen, Schalke, Ingolstadt, Hertha, HSV – fünf Spiele, fünf Siege, dazu das fast schon lächerliche Torverhältnis von 15:1 Toren. Was wurden Ancelottis Super-Bayern dafür gefeiert, in Wahrheit lautet die Frage aber: Ist der Rekordmeister so gut oder die Konkurrenz einfach nur miserabel? Sie können sich die Antwort wohl denken. Wenn nicht, reicht auch ein Blick auf die Punktedifferenz der Münchner in den vergangenen Spielzeiten auf Platz drei und vier.

Bayern und Dortmund. Mehr nicht. Der Rest: Fallobst, das dem FCB teilweise die Punkte schenkt und seine wichtigen Spieler für „lösbare“ Aufgaben schont. Doch was geschieht, wenn ein Verein in der heimischen Liga unterfordert ist? Genau: In Europa ist er schnell mal überfordert. So wie die Münchner am Mittwoch im Calderón, wo sie zum ersten Mal in dieser Saison auf eine Mannschaft stießen, die ihnen nicht die drei Punkte schenkte, sondern bis zum Umfallen kämpfte und keinen Ball verloren gab. Der Grund dafür: Atlético ist aus LaLiga nichts anderes gewohnt. Barça, Real Madrid, Sevilla, Villareal, Bilbao – alles Mannschaften, gegen die Hacke, Spitze, Einszweidrei eben nicht reichen. Selbst Aufsteiger wie Alaves (2:1-Sieg im Camp Nou) oder Las Palmas (2:2 gegen Real) sind in Spanien nicht zu unterschätzen.

"Terror für Europa" - Das sagt die Presse zur Bayern-Niederlage

Das Ergebnis spiegelt sich auf europäischer Ebene wider. Die CL-Sieger der vergangenen drei Jahre: Real, Barça, Real. Die EL-Sieger der vergangenen drei Jahre: Sevilla, Sevilla, Sevilla. Oder in der Summe: sechsmal Spanien. All das ist die Folge einer Liga, deren Titelkampf zwar auch eine Angelegenheit von zwei Mannschaften (in einem guten Jahr von dreien) ist, die in der Tiefe aber über mehr Qualität verfügt. Was nützt es einer Mannschaft, bereits nach 20 Spieltagen als Meister festzustehen, wenn sie dann just in der heißen Phase der Saison die Zügel schleifen lassen kann? Richtig: nichts! Zumindest nicht in Europa.

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