Heimlich eingerückt

Anwälte: Uli Hoeneß sitzt schon im Knast

+
Fotografen warteten am Montag außerhalb der JVA, um ein Bild von Uli Hoeneß zu machen.

Landsberg  - Uli Hoeneß hat nach Angaben seiner Anwälte am heutigen Montag seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in der JVA Landsberg angetreten.

Der wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Ex-Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat seine Gefängnisstrafe angetreten. „Ulrich Hoeneß hat heute die gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe in der JVA Landsberg angetreten“, teilten seine Anwälte am Montag in München mit. Die Nachrichtenagentur dpa, sowie die Bild-Zeitung und der TV-Sender N24 hatten zuvor bereits entsprechend darüber berichtet. Der 62-Jährige Hoeneß wurde im März zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Angeblich verzichtet er vorerst auf einen Antrag als Freigänger.

Zuletzt hatte Hoeneß seine Anwälte noch versuchen lassen, dass er woanders als in Landsberg einsitzen muss. Sein Antrag war jedoch laut der "Rheinischen Post" abgelehnt worden. Weil bei einem Medientermin im Landsberger Gefängnis sogar Zellen gezeigt wurden, sah er seine Privatsphäre verletzt und wollte in ein anderes Gefängnis gehen.

Uli Hoeneß ein Jahr nach Triple-Feier im Knast

Genau ein Jahr bemisst die Zeitspanne, die bei Uli Hoeneß zwischen der Feier des größten Triumphs und der schwärzesten Stunde liegt: Am 2. Juni 2013 ließ er sich als Präsident des FC Bayern München von tausenden Fans auf dem Münchner Marienplatz für das gerade gewonnene Triple bejubeln - am 2. Juni 2014 wurde der 62-Jährige zum Häftling.

Zunächst muss Hoeneß seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haftende. Hoeneß könnte bei guter Führung nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016.

Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeneß bereits nach rund 10 Monaten geschlossenem Vollzug, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen. Ausgang, Urlaub und Freigang würden dazugehören. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.

Letzter Hoeneß-Auftritt am 11. Mai

Hoeneß letzter Auftritt in der Öffentlichkeit datiert vom 11. Mai. Dort feierte mit den Fußballern die Meisterschaft auf dem Münchner Marienplatz und schaute im Audi Dome bei den Basketballern vorbei. Für Schlagzeilen sorgte auch ein Erpressungsversuch zwei Tage später. Ein ehemaliger Häftling drohte Hoeneß mit "Problemen" in der Haft. Der Täter wurde innerhalb eines Tages festgenommen.

Justizbeamter: Kein Promibonus für Uli Hoeneß

Uli Hoeneß kann im Gefängnis nicht auf einen Promibonus hoffen. Die Haftbedingungen seien „für jeden gleich“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Anton Bachl, der Nachrichtenagentur dpa. „In der Haft werden die Größten handsam, da ist man in einer anderen Welt.“

Der Ex-Präsident des FC Bayern trat am Montag seine Haft im Gefängnis von Landsberg am Lech an. Wenn die Tür hinter einem zugehe und man keinen Schlüssel habe für einen Haftraum, der noch dazu nicht sehr groß ist, „ist das sicher beeindruckend“, sagte Bachl. „Das ist für einen Millionär nicht viel anders als für einen armen Bergbauern.“ Der Justizbeamte ergänzte: „Da waren schon ganz andere inhaftiert, die viel, viel mehr Geld haben als der Herr Hoeneß.“

Das darf Uli Hoeneß im Knast behalten

Am ersten Tag der Haft musste Hoeneß wie alle Gefangenen seine persönlichen Gegenstände abgeben. Nur eine Armbanduhr und ein persönliches Schmuckstück wie etwa den Ehering darf ein Häftling behalten. Die Anstaltskleidung sei eine Art „blaue Monteurskombi“, erläuterte Bachl. Nach einigen Tagen des Aufnahmeverfahrens komme jeder Häftling „normalerweise in den Haftraum, wo er für längere Zeit verbleibt“.

Das Landgericht München verurteilte Uli Hoeneß am 13. März wegen der Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern. Der langjährige Kopf des FC Bayern akzeptierte seine Haftstrafe und verzichtete auf eine Revision.

Kritik an Medientag in JVA Landsberg

Nach Verkündigung des Urteils wegen Steuerhinterziehung gegen Uli Hoeneß lud die JVA Landsberg im März Journalisten zu einem offiziellen Medientag ein. 157 akkreditierte Reporter besichtigten bei einer Führung Ende März zweieinhalb Stunden lang Gänge und Zellen im Gefangenentrakt sowie die Kapelle, die KFZ-Werkstatt und die Turnhalle. Das sorgte für Ärger - unter anderem bei Karl Hopfner, dem neuen Präsidenten des FC Bayern, der die JVA Landsberg bei der Mitgliederversammlung kritisierte

Der Fall Uli Hoeneß: Eine Chronologie

Die Steueraffäre von Uli Hoeneß hat für viel Wirbel gesorgt. Eine Chronologie:

2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013: Uli Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013: Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013: Uli Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013: Uli Hoeneß zeigt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013: Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013: Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Uli Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013: Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013: Uli Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014: Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“. Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014: Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll mehr als 27 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014: Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014: Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014: Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

17. März 2014: Auch die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision. Damit erlangt das Urteil Rechtskraft.

13. Mai 2014: Genau zwei Monate nach der Verurteilung von Uli Hoeneß wird bekannt, dass ein Ex-Häftling 215 000 Euro von dem prominenten Steuersünder erpressen wollte. Andernfalls gebe es schwerwiegende Konsequenzen in der Haft. Bei der geplanten Geldübergabe in München wird der 50-Jährige gefasst.

2. Juni 2014: Uli Hoeneß soll seine Haft im Gefängnis in Landsberg am Lech antreten.

Rundgang durch Hoeneß-Gefängnis: Bilder

Rundgang durch Hoeneß-Gefängnis: Bilder

tz/dpa/AFP

 

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
Doppelpacker Lewandowski schreibt in Mainz Bundesliga-Geschichte
Doppelpacker Lewandowski schreibt in Mainz Bundesliga-Geschichte
Nach Gala in Mainz: Das sagt Robben zu seiner Zukunft
Nach Gala in Mainz: Das sagt Robben zu seiner Zukunft
FC Bayern siegt - Neues System bringt neue Hoffnung
FC Bayern siegt - Neues System bringt neue Hoffnung

Kommentare