Bald am Trainingsgelände?

Freigänger! Hoeneß muss nur noch nachts in Haft

Uli Hoeneß
+
Uli Hoeneß auf einem Archivfoto.

München - Das neue Jahr beginnt für Deutschlands prominentesten Häftling erfreulich: Uli Hoeneß ist ab sofort Freigänger. Es wird erwartet, dass er jetzt bei seinem einstigen Arbeitgeber FC Bayern im Jugendbereich arbeitet.

Genau sieben Monate nach Haftantritt darf Uli Hoeneß das Gefängnis wieder regelmäßig verlassen. Hoeneß wurde am Freitag Freigänger, wie ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums der Deutschen Presse-Agentur in München auf Anfrage bestätigte. Der ehemalige Präsident des FC Bayern München kann somit tagsüber einer geregelten Arbeit außerhalb der Haftanstalt nachgehen - voraussichtlich in der Jugendabteilung des Fußball-Rekordmeisters. Nur zum Schlafen muss Hoeneß wieder hinter Gitter.

Sein Anwalt Tobias Pretsch von der Kanzlei Ufer-Knauer teilte auf Anfrage mit, dass der FC Bayern München als Arbeitgeber des 62-Jährigen eine Erklärung abgeben wolle. Die Verantwortlichen des europäischen Spitzenclubs hatten zuvor mehrfach gesagt, dass Hoeneß im Nachwuchsbereich des Vereins arbeiten werde.

Dass Hoeneß bereits jetzt Freigänger wurde, deutet darauf hin, dass die Strafvollstreckungsbehörden die Hälfte seiner Haft zur Bewährung aussetzen könnten. In diesem Falle wäre der einstige Fußball-Spitzenmanager im Frühjahr 2016 ein freier Mann.

Hoeneß, der am 5. Januar 63 Jahre alt wird, war am 2. Juni ins Gefängnis nach Landsberg am Lech gegangen. Am 13. März hatte ihn das Landgericht München wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der einstige Bratwurstfabrikant hatte an Weihnachten und Silvester schon zweimal Hafturlaub erhalten. Er durfte das Gefängnis in dieser Zeit auch zum Schlafen verlassen und verbrachte die Feiertage mit seiner Familie in seinem Haus in Bad Wiessee am Tegernsee. Schon zuvor war ihm einige Male tagsüber Ausgang genehmigt worden.

FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte erst kürzlich im Fernsehen über die Zukunft von Hoeneß gesagt: „Ab Anfang Januar kommt er zum ersten Mal her, wird dann im Nachwuchs tätig sein.“ Und Vereinspräsident Karl Hopfner ergänzte: „Es war sein eigener Wunsch, im Nachwuchsbereich zu arbeiten.“

Der jüngere Bruder von Uli Hoeneß, Dieter Hoeneß, äußerte sich zufrieden über den Freigang. „Wir wissen das schon ein paar Tage und sind natürlich froh und erleichtert, dass es jetzt ganz langsam, aber sicher etwas aufwärtsgeht“, sagte der 61 Jahre alte frühere Geschäftsführer des VfL Wolfsburg SPORT1. „Uli hat jetzt wieder eine Perspektive und da freuen wir uns in der Familie natürlich sehr.“

Allerdings habe sein Bruder noch eine lange Wegstrecke zu bewältigen. „Es ist jetzt sehr schön, dass Uli Freigänger ist, aber es werden noch viele harte Monate sein, bis wieder ein normaler Zustand erreicht ist.“ Eine Vorzugsbehandlung seines Bruders sieht Dieter Hoeneß nicht. „Von Promi-Bonus kann da gar keine Rede sein.“

Hafterleichterungen richten sich nach einem Vollzugsplan, den das Gefängnis für jeden Häftling erstellt. Der begleitete oder unbegleitete Ausgang ist eine der unteren Stufen. Hafturlaub kommt nach frühestens sechs Monaten geschlossenem Vollzug als weitere Erleichterung in Betracht. Der Freigang ist eine der oberen Stufen.

Unter bestimmten Voraussetzungen wird ein Teil der Haftstrafe von Gefangenen zur Bewährung ausgesetzt. In vielen Fällen ist dies das letzte Drittel der Haft. Bei Ersttätern wie Hoeneß kommt auch infrage, dass die Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

dpa

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

auch interessant

Meistgelesen

So sehen Sie das Spiel SpVgg Landshut gegen den FC Bayern München live im Stream
So sehen Sie das Spiel SpVgg Landshut gegen den FC Bayern München live im Stream
tz-Kommentar zu Götze: Win-Win - und eine Warnung
tz-Kommentar zu Götze: Win-Win - und eine Warnung
Ciao Pep, wir sehen uns in Cardiff wieder!
Ciao Pep, wir sehen uns in Cardiff wieder!
Das ist Guardiolas größte Herausforderung bei City
Das ist Guardiolas größte Herausforderung bei City

Kommentare