Rückblick auf 2007

Uli Hoeneß: Das war seine legendäre Wutrede bei der JHV

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Da war er stinksauer: Uli Hoeneß bei seiner Wutrede während der Jahreshauptversammlung 2007 des FC Bayern München.

München - Uli Hoeneß lieferte bei der JHV 2007 des FC Bayern München eine aufsehenerregende Wutrede. Wir dokumentieren die legendäre Rede in Wortlaut und Video.

Update vom 24. November 2016: Nur noch einmal Schlafen, dann findet die Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters statt. Wir verraten Ihnen, wie Sie die JHV des FC Bayern im Live-Stream sehen und im Live-Ticker verfolgen können. Und: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Rückkehr von Uli Hoeneß beim FC Bayern.

Update vom 22. November 2016: Er ist wieder zurück. Uli Hoeneß wird am Freitag auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern zum neuen Präsidenten gekührt. Doch es gibt noch mehr zu verkünden. Alle Informationen zur Jahreshauptversammlung des FC Bayern, erfahren Sie in unserer Übersicht.

JHV 2016: Bei diesem Tagesordnungspunkt könnte es den Bossen des FC Bayern München mulmig werden

Der letzte Tagesordnungspunkt mit den „Wortmeldungen“ ist eigentlich der folkloristische Teil Jahreshauptversammlung, der nette Ausklang des Abends. Nach der Verkündung der offiziellen Geschäftszahlen sieht die Tagesordnung vor, dass sich die Mitglieder zu Wort melden können.

Edmund Stoiber fand diese Termine immer wunderbar. „Als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats bin ich oft bis zum Schluss geblieben“, erinnert sich der ehemalige bayerische Ministerpräsident im „Münchner Merkur“ an die Jahreshauptversammlungen seines FC Bayern. Der letzte Punkt der Tagesordnung ist immer der unterhaltsamste. Da dürfen die ganz normalen Mitglieder reden. Für einen Politiker ist es Studium der Volksseele.

2008 war es Edmund Stoibers Lieblingsszene, als eines der Bayern-Mitglieder auf den Trainer Klinsmann einging: „Jürgen, i mog di net. Aber wenn’d weiter g’winnst, hob i di doch liab.“

Allerdings kann es auch mal ordentlich zur Sache gehen, wenn über „Verschiedenes“ gesprochen wird. So geschehen am 13. November 2007. Bei der damaligen JHV, die noch im Paulaner auf dem Nockherberg stattfand, moderierte Präsident Franz Beckenbauer gewohnt launig, las von einem gereichten Zettel ab: „Eine Wortmeldung haben wir noch. Da soll es um die Stimmung in der Allianz Arena gehen.“

Was dann kam, war der Auslöser für einen Eklat  In seiner Rede thematisierte ein gewisser Ralph Seeliger. ein „Identitätsproblem“ des FC Bayern. Tenor: zu viele VIPs in der Allianz Arena, zu wenig echte Fans. Er sei kein „Fan“ mehr monierte Seeliger, sondern nur noch ein „Kunde“. Und dann die Stimmung: Er habe vor kurzem mitgestoppt, sagte Seeliger: Im Liga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt nur sechs, im UEFA Cup gegen Bolton Wanderers acht gerade einmal acht Minuten Fan-Gesänge. In den VIP-Logen werde ohnehin nur Hummer verzehrt, aber nicht angefeuert. Die Stimmung sei ziemlich mau. „Ich muss es leider sagen: Bei den Blauen ist sie besser.“ Er ließ erkennen, dass er sich gelegentlich zurücksehne in Zeiten, „als die Eintrittskarten noch nicht auf Ebay gehandelt wurden und als weniger Zuschauer da waren“. Dafür erhielt Seeliger anhaltenden Applaus.

Der damalige Manager Uli Hoeneß explodierte und startete seine legendäre Wutrede. In einer Lautstärke, die die in der Südkurve locker übertraf. Er schrie: „Das ist populistische Scheiße.“ – „Für die Scheiß-Stimmung seid ihr verantwortlich, nicht wir.“ – „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Wir reißen uns für euch den Arsch auf. Dafür lassen wir uns nicht an die Wand stellen.“ – „Das Stadion hat 350 Millionen gekostet – das ist mit 7 Euro Eintritt nicht zu finanzieren.“ – „Bei 1860 soll alles so toll sein? Der Verein ist mehr oder weniger pleite, wir halten ihn am Leben.“ – „Ihr wollt Ribéry und Toni, aber keinen Champagner in den Logen. Wir sollen die Champions League gewinnen, aber es darf nichts kosten.“

Wumms! Buhrufe der Fans. Und eine tagelange Diskussion in den Medien über die Wutrede von Uli Hoeneß.

Seitdem dürfte es den Bossen des FC Bayern immer etwas mulmig zumute sein, wenn ein Fan beim Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ das Mikrofon in die Hand nimmt. Da sind sie dann immer froh, wenn Kult-Fans wie Hias Hammerl das Wort ergreifen, die eh immer nur erzählen, dass der FC Bayern sowieso der allerbeste Verein der Welt ist.

Die Wutrede von Uli Hoeneß bei der JHV 2007 des FC Bayern München im Wortlaut

Falls es bei der JHV 2016 nichts wird mit einer Wutrede: Das ist die legendäre Wutrede von Uli Hoeneß im Jahr 2007 im Wortlaut:

Uli Hoeneß: „So etwa, so etwa kann ich mir vorstellen, als es vor zehn Jahren bei den Sechz’gern um das Grünwalder-Stadion ging. Da wurde auch diese alte, schöne Welt... Lieber geh‘ ich wieder in die Regionalliga und ich geh lieber nach Weinheim und ich will doch nicht mehr gegen Chelsea spielen. Dann gehen wir doch wieder da hin. Dann müsst ihr euch aber einen neuen Vorstand holen! Mit uns eben nicht!“

Zwischenruf: „Und die Scheiß-Stimmung?“

Hoeneß: „Eure Scheiß-Stimmung? Da seid ihr doch für verantwortlich und nicht wir!“

Buhrufe im Publikum.

Hoeneß: „Das ist doch unglaublich. Was glaubt ihr eigentlich was wir das ganze Jahr über machen? Damit wir euch für sieben Euro in die Südkurve gehen lassen können. Was glaubt ihr eigentlich, wer euch das alles finanziert? Die Leute in den Logen, denen wir die Gelder aus der Tasche ziehen. Ohne die hätten wir nämlich keine Allianz Arena. Da würdet ihr nämlich jetzt wieder... Da würdet ihr nämlich jetzt wieder im Schnee und Eis spielen. Dann würden wir gegen Bolton Wanderers 12.000 Zuschauer haben.“

Buhrufe und vereinzelter Applaus im Publikum.

Hoeneß: „Dann müsst ihr euch diesen Verein suchen, der demnächst vielleicht in der dritten Liga spielt. Wenn ich dann höre, bei 1860 ist das alles so toll. Da ist gar nichts toll. Der Verein ist mehr oder weniger Pleite und... und... und wir haben ihn am Leben erhalten. Und... und... und wer ist Schuld daran? Fans, die im Gestern leben.  Ihr und wir, wir werden Ebay nicht verändern. Ja, das muss ich euch mal sagen: Ich brauche Ebay auch nicht und Google auch nicht. Und trotzdem werd‘ ich‘s nicht verhindern.“

Franz Beckenbauer spricht ins Mikrofon: „Also ich, ich...“

Hoeneß: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid.“

Beckenbauer spricht abermals zögerlich ins Mikro: „Ja, ,ja....“

Hoeneß: „Es kann doch nicht sein, dass wir hier kritisiert werden, dafür dass wir uns seit vielen Jahren den Arsch aufreißen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren.“

Applaus im Publikum!

So kommentierte Uli Hoeneß seine Wutrede bei der JHV 2007 des FC Bayern München

„Ich bin der Meinung, dass ich hier sicher sehr emotional, vielleicht auch etwas überzogen reagiert habe – auf Kritik, dass wir uns zu wenig um die Fans kümmern und die Fans nur als Kunden betrachten würden“, sagte der Manager des FC Bayern wenige Tage nach der Wutrede im Interview mit dem „Münchner Merkur“ und erläuterte ausführlich, warum ihm damals der Kragen platzte: „Gerade ich! Ich habe mich total angesprochen gefühlt, denn gerade ich habe immer ein offenes Ohr und würde das allerletzte Hemd für die Fans hergeben. Und ich habe ja auch klar gemacht, dass das, was ich gesagt habe, nicht pauschal für alle Fans gilt. Das ist ja immer nur eine kleine Gruppe, die speziell in München sitzt, und die sowieso immer die Chance hat, sich zu beschweren, wenn irgendetwas nicht läuft. In all den Vorwürfen gibt’s ja nie Vorschläge, wie man’s besser machen kann. Die Logen zu schließen und keine Business-Class-Seats mehr zu verkaufen, das kann ja kein Vorschlag sein. Und deshalb habe ich mich wahnsinnig aufgeregt und bin am Montag ziemlich ausgeflippt.“

Auch mit ein paar Tagen Abstand zum Eklat bei der JHV 2007 verteidigte Hoeneß seine Aussagen: „Natürlich stehe ich dazu. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben. Den Schuh, dass wir uns mehr um die Allianz Arena als um unsere Fans kümmern und die Fans nur als Kunden betrachten, ziehe ich mir nicht an. Ich maße mir an zu behaupten, dass ich allzeit bereit bin, mich mit Fans auseinander zu setzen und mich um alle ihre Belange zu kümmern. Deswegen habe ich diese Vorwürfe für völlig unbegründet betrachtet.“

Hoeneß betonte gegenüber dem „Münchner Merkur“ außerdem, dass ihm die Kritik an der schlechten Stimmung in der Allianz Arena angesichts des sonstigen Top-Zustandes des FC Bayern ziemlich geärgert habe: „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, und bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt, als ich diese Vorwürfe in einem Umfeld hörte, das eigentlich total in Ordnung ist. Wir sind Tabellenführer, wir haben ein grundsolides Wirtschaftsjahr hingelegt, und dann muss man sich von immer wieder denselben Leuten vorhalten lassen, dass die Stimmung schlecht sei, für die nicht die Vorstände, sondern die Fans selber zuständig sind.“

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