Stimmen aus Politik und Sport

Uli-Hoeneß-Urteil: Seehofer ist "betroffen"

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat auf die menschliche Dimension der Verurteilung von Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung hingewiesen.

Berlin - Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast, hält das Urteil im Prozess gegen Uli Hoeneß für richtig. Heribert Bruchhagen äußert Mitgefühl - und Horst Seehofer ist "menschlich betroffen": die Reaktionen.

„Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden“, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag. Der Präsident des FC Bayern München war zuvor vom Münchner Landgericht wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. „Vor dem Gesetz sind alle gleich. Trotz des ungeheuren Rummels, das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt“, sagte Künast. "Es ist ein richtiges, ein wichtiges, ein gerechtes Urteil", ergänzte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bei N24.

Uli-Hoeneß-Prozess: Live-Ticker am Tag nach dem Urteil

SPD-Finanzexperte Poß: Urteil mit Augenmaß

SPD-Finanz- und Steuerexperte Joachim Poß hat die Strafe gegen den Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß als ein „Urteil mit Augenmaß“ beurteilt. „Das Urteil nimmt, glaube ich, das Rechtsempfinden der Menschen ernst“, sagte Poß am Donnerstag im Fernsehsender Phoenix in einer ersten Reaktion auf das Urteil gegen Aufsichtsratschef des FC Bayern München. Poß plädierte zugleich dafür, weiterhin Steuer-CDs anzukaufen.

Prokop: „Nicht überraschend“

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, kann als Jurist und Direktor des Amtsgerichts Regensburg das Urteil gegen Uli Hoeneß nachvollziehen: „Angesichts der im Raum stehenden Höhe der hinterzogenen Steuern ist das Urteil nicht überraschend. Eine Haftstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird, war von Tag zu Tag unwahrscheinlicher geworden“, sagte Prokop der Nachrichtenagentur dpa.

Bruchhagen: "Ich bin traurig"

Es gibt auch Mitgefühl für Hoeneß - etwa aus der Fußballwelt. "Ich bin traurig. Es tut mir unendlich leid für Uli. Ich habe das Ganze eben im Fersehen verfolgt. Das Strafmaß kann ich nicht beurteilen. Ich war im Vorfeld völlig verunsichert nach den ganzen Prognosen der Experten. Ich glaube aber nicht, dass sich das jetzt negativ auf den Fußball auswirkt.", so Heribert Bruchhagen Vorstandsboss des Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Daum wünscht Hoeneß "viel Kraft"

Der alte Intimfeind Christoph Daum hat dem wegen Steuerhinterziehung verurteilten Uli Hoeneß sein Mitgefühl ausgesprochen. „Ich denke nur an den Menschen Uli Hoeneß und seine Familie. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft. Die werden sie nun brauchen, um diese schwierige Zeit gemeinsam gut durchzustehen“, sagte der derzeitige Trainer des türkischen Fußball-Erstligisten Bursaspor dem SID.

„Ich gehe davon aus, dass die akribische juristische Aufarbeitung und die Bewertung seiner Fehler zu diesem Urteil geführt haben“, sagte Daum (60). Spekulationen über Hoeneß' Zukunft in dessen Ämtern beim FC Bayern wollte er nicht anstellen. „Das ist für mich völlig unerheblich. Das ist jetzt eine Zäsur im Leben, die man aufarbeiten muss. Dafür wünsche ich ihm alles Gute“, sagte der frühere Trainer der Bundesligisten 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart und zuletzt Eintracht Frankfurt.

Rauball: Verdienste von Hoeneß bleiben unberührt

Reinhard Rauball hat sich zurückhaltend zum Urteil gegen Uli Hoeneß geäußert, aber an dessen Verdienste für den deutschen Fußball erinnert. „Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen“, sagte der Präsident von Borussia Dortmund am Donnerstag in einer von der Deutschen Fußball Liga (DFL) übermittelten Stellungnahme. „Die Verdienste von Uli Hoeneß um den deutschen Fußball bleiben trotz seines von ihm selbst eingestandenen Fehlverhaltens unberührt.“

Der Rechtsweg erlaube es, dass das Urteil mit der Revision zum Bundesgerichtshof angegriffen werden kann. „Im Übrigen liegt es ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Club zu bewerten und damit umzugehen“, so Rauball weiter.

Aktionärsschützer: Hoeneß' Rücktritt bei Bayern überfällig

Nach der Verurteilung von Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung fordern Aktionärsschützer den sofortigen Rücktritt des Fußballmanagers als Präsident des FC Bayern. „Das Urteil zeigt, wie überfällig die Entscheidung bereits ist“, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. „Für die im Aufsichtsrat des FC Bayern engagierten Unternehmen kann es jetzt eigentlich kein ,Weiter so' mehr geben.“ Bereits mit der Zulassung des Strafverfahrens durch das Gericht wäre eigentlich ein Rücktritt angesagt gewesen, sagte der Aktionärsschützer. Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel sei bereits vier Tage nach den bloßen Medienberichten über ein Steuer-Ermittlungsverfahren gegen ihn zurückgetreten.

Niersbach: Dimension im Hoeneß-Prozess hat auch DFB überrascht

Der Deutsche Fußball-Bund hält sich mit einer öffentlichen Bewertung des Urteils im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß zurück. „Die Dimension des gesamten Vorgangs, wie er in den letzten Tagen publik wurde, hat auch uns als DFB überrascht“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Donnerstag und betonte: „Die großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball bleiben unabhängig von diesem Prozess bestehen. Die juristische Beurteilung können in einem solchen Fall aber ausschließlich die Gerichte vornehmen, und da muss für Uli Hoeneß das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten.“

Transparency Deutschland: Hoeneß als Bayern-Chef nicht haltbar

Der Geschäftsführer von Transparency Deutschland, Christian Humborg, hat die Ablösung von Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern München gefordert. „Jetzt kommt es zum Lackmustest der Compliancekultur in Deutschland“, sagte Humborg der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag) und ergänzte: „Wie soll ein Straftäter als Vorstandschef eines mittelständischen Unternehmens glaubwürdig seinen Mitarbeitern - zum Beispiel den Spielern des FC Bayern - vermitteln, dass sie sich sauber und rechtstreu verhalten sollen?“ Hoeneß wurde am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

„Ein Spielsüchtiger, der nicht verantwortlich damit umgeht, kann als Präsident eines populären Sportvereins nicht die Vorbildfunktion erfüllen, wie es hier - auch im Hinblick auf junge Menschen - notwendig ist“, sagte Humborg.

Seehofer: Menschlich betroffen vom Urteil

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat auf die menschliche Dimension der Verurteilung von Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung hingewiesen. „Ich bin zuallerst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist“, sagte Seehofer am Donnerstag am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Als Politiker und Ministerpräsident habe er das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Prozesses zu respektieren. Auf die Frage, ob Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef von Bayern München noch tragbar sei, betonte Seehofer, nun werde der Verein erst einmal selbst diskutieren und entscheiden. „Ich möchte das als Ministerpräsident nicht begleiten.“

Wirtschaftsminister Gabriel begrüßt Urteil

Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat das Urteil im Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß begrüßt. „Der Rechtsstaat funktioniert. Ich hoffe, dass wir jetzt im Kampf gegen Steuerhinterziehung eine neue Qualität erreichen, sagte der SPD-Vorsitzende der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag-Ausgabe). Bayern-Präsident Hoeneß war am Freitag vom Münchner Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Dass Millionen-Gewinne aus Spekulationsgeschäften in die Schweiz verschoben und nicht versteuert würden, sei zu einem regelrechten Geschäftsmodell geworden, klagte Gabriel. Man müsse die Schweizer Banken deshalb zwingen, alles offen zu legen. Noch besser wäre es, wenn „einige der Bankvorstände, die derartige Beihilfe zur millionenfachen Steuerhinterziehung leisten, genauso vor Gericht stehen würden“, erklärte Gabriel.

Weitere Reaktionen im Wortlaut

Michael Meister (parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, CDU, zur Rheinischen Post): „Das Urteil gegen Hoeneß wird die Steuermoral der Bürger stärken. Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen. Wenn man die strafbefreiende Selbstanzeige wählt, muss man sie ordentlich machen. Wir appellieren an jeden, der glaubt, ein Steuerhinterziehungsproblem zu haben, die Selbstanzeige rechtzeitig und voll umfassend vorzulegen.“

Toni Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Grüne im Bundestag in der Rheinischen Post): „Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist. Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus für Hoeneß. 27 Millionen Euro zu hinterziehen, ist kein Kavaliersdelikt. Hoeneß wird als Bayern-Präsident jetzt zurücktreten müssen.“

Eberhard Gienger (ehemaliger Turn-Weltmeister und sportpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion): „Auf der einen Seite dürfte es für Uli Hoeneß eine Erleichterung darstellen, die Thematik vom Leib zu haben. Andererseits musste er damit rechnen, dass es zu Konsequenzen kommt. Und die Konsequenzen sind die dreieinhalb Jahre. Es wird sich jetzt zeigen, ob das Urteil Bestand hat. Wenn es eine `Lex Hoeneß“ gegeben hätte, wäre das eine Unterminierung des Rechts gewesen. Das kann nicht im Sinne des Rechtsstasts sein.„

dpa/sid/tz

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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