Aufenthalt in Privat-Klinik

Rechtsexperte schimpft über Hoeneß' Vorzugsbehandlung

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Uli Hoeneß.

Starnberg - Ein bekannter Rechtsexperte hat sich zur Verlegung von Uli Hoeneß in eine Privat-Klinik geäußert. Für Christian Lukas-Altenburg ist die "Vorzugsbehandlung" von Uli Hoeneß "einmalig in der deutschen Justiz!"

Frühstück mit Croissants, Truthahnkeule zum Mittagessen - angeblich wird Uli Hoeneß sein derzeitiger Aufenthalt in einer Starnberger Privat-Klinik so angenehm wie möglich gestaltet. Der Ex-Präsident des FC Bayern ist wegen Herz-Problemen in der Schön Klinik in Starnberg einquartiert und somit dem täglichen Knastleben in der JVA Landsberg nicht ausgesetzt. Ein bekannter Rechtsexperte hat jetzt in einem Interview sein Unverständnis über die angebliche Sonderbehandlung von Hoeneß geäußert. Buchautor Christian Lukas-Altenburg, der zu den gefragtesten Experten was Strafvollzug und Sicherheitsverwahrung betrifft, zählt, sagt bei welt.de: "Von einem Häftling, der so privilegiert behandelt wird wie Herr Hoeneß, habe ich noch nie gehört."

In erster Linie stört sich Lukas-Altenburg daran, dass Hoeneß wegen seiner Herzprobleme in eine Privat- und nicht in eine öffentliche Klinik verlegt wurde. "Der Freistaat Bayern ist während der Haftzeit dafür zuständig, die Gesundheit seiner Häftlinge zu gewährleisten. Wenn der Eingriff so kompliziert ist, dass der Gefängnisarzt ihn lieber an eine externe Einrichtung weiterreicht, was durchaus vorkommen kann, dann müsste Herr Hoeneß jetzt in einer öffentlichen Klinik liegen. Die Staatskasse kommt nämlich für die Behandlungskosten auf, ist also an Preisökonomie interessiert. Dem Vernehmen nach liegt Herr Hoeneß aber in einer Privatklinik am Starnberger See. So etwas ist in diesem Zusammenhang absolut außergewöhnlich. Wer trägt denn da die Kosten?", fragt sich der Experte.

Auch die Tatsache, dass Hoeneß überhaupt aus der Krankenstation der JVA Landsberg in eine Klinik überwiesen wurde, findet Lukas-Altenburg seltsam. "Die Gefängnisse im Freistaat Bayern verfügen über hervorragende Krankenstationen. Deswegen habe ich mich gewundert, als ich von der Verlegung erfahren habe."

Tatsächlich ist es in Hoeneß' Fall so, dass in der JVA Landsberg Allgemein-Mediziner arbeiten, die für spezielle und komplizierte Behandlungen wie die von Hoeneß nicht die notwendigen Qualifikationen haben sollen. Die Überweisung in eine Klinik wurde nach Angaben der "Bild"-Zeitung vom bayerischen Justizministerium offiziell genehmigt.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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Lukas-Altenburg sieht den Fall dennoch kritisch, zeigt sich gleichzeitig aber wenig überrascht. "Im Fall Hoeneß wundert mich gar nichts mehr. All dieses Gerede darüber, er sei kein Häftling erster Klasse, halte ich – mit Verlaub – für dummes Geschwätz. Von Anfang an war klar, dass seine Haft nicht mit der von normalen Verurteilten zu vergleichen sein würde."

Im Steuerfall Hoeneß habe es seit der Verurteilung schon zu viele Dinge gegeben, die mit dem "normalen" Verlauf einer Inhaftierung wenig gemein haben. Lukas-Altenburg erinnert dabei an die von Ministerpräsident Horst Seehofer nicht beantwortete Anfrage der Grünen bezüglich der Informationen über Hoeneß' Geldanlage in der Schweiz. Oder den lange Zeit unklaren Zeitpunkt des Haftantritts von Uli Hoeneß. Schließlich auch die Tatsache, dass Uli Hoeneß vom ersten Tag an im Gefängnis krank geschrieben war. Für Lukas-Altenburg ist klar: "Diese Vorzugsbehandlung ist einmalig in der deutschen Justiz!"

Gregory Straub

Gregory Straub

E-Mail:gregory.straub@tz.de

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