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Uli Hoeneß: Fragen und Antworten zur Rückkehr beim FC Bayern München

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Uli Hoeneß will wieder als Präsident des FC Bayern München kandidieren.

München - Uli Hoeneß kehrt heute bei der JHV 2016 als Präsident des FC Bayern München zurück. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu seinem Comeback.

  • Uli Hoeneß kandidiert heute auf der Jahreshauptversammlung 2016 (ab 19.00 Uhr) im Audi Dome in München wieder als Präsident des FC Bayern München.
  • Juristisch gibt es keine Gründe, die gegen seine Wiederwahl sprechen. 
  • Noch-Präsident Karl Hopfner wird sich nicht mehr zur Wahl stellen.
Update vom 22. November 2016: Mehr Umsatz, mehr Mitglieder: Der FC Bayern präsentiert auf der Jahreshauptversammlung jedes Jahr neue Rekordzahlen. Wir verraten Ihnen, was Sie zur JHV des FC Bayern wissen müssen.

Seit Montag, 8. August 2016 ist es offiziell: Wie der FC Bayern in einer kurzen Pressemitteilung verkündete, will Uli Hoeneß als Präsident zurückkehren:

"Uli Hoeneß wird für das Amt des Präsidenten des FC Bayern München eV kandidieren. Die Präsidiumswahl findet turnusgemäß im Rahmen der nächsten Jahreshauptversammlung des FC Bayern München eV im November 2016 durch die anwesenden wahlberechtigten Vereinsmitglieder statt.

Karl Hopfner wird nicht mehr für ein Amt im Präsidium kandidieren. Dies haben Karl Hopfner und Uli Hoeneß bei sehr angenehmen Gesprächen einvernehmlich so vereinbart."

Noch ist allerdings unklar, ob Uli Hoeneß wieder das wichtige Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden übernimmt (siehe unten). 

"Das war’s noch nicht", versprach Uli Hoeneß im Mai 2014 bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Präsident und Aufsichtsratvorsitzender des FC Bayern. Damals war Hoeneß zurückgetreten, da seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung anstand. „Mehr als zwei Jahre sind seit dieser Ankündigung auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung vergangen. Dazwischen liegen über eineinhalb Jahre Haft und (seit Janaur 2015) eine Tätigkeit als "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team" im Nachwuchsbereich des FC Bayern. Am 29. Februar 2016 wurde Uli Hoeneß auf Bewährung aus der Haft entlassen. 

Noch ist Karl Hopfner Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern in Personalunion. Diese Ära endet aller Vorraussicht nach am heutigen Freitag - indem Hopfner den Weg für Hoeneß freimacht. 

Uli Hoeneß will wieder Präsident des FC Bayern werden: FCB-Größen dafür

Schon in den Wochen und Monaten bevor der FC Bayern Anfang August die Kandidatur ankündigte, mehrten sich die Stimmen von Bayern-Größen, die sich für eine Hoeneß-Rückkehr aussprachen. "Uli ist für den Verein sowas von wichtig. Ohne ihn wäre der FC Bayern nicht da, wo er jetzt steht“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm (der demnächst vermutlich selbst zu den Bayern-Bossen gehört) in einem Pressegespräch.

Über die "Bild"-Zeitung gab auch Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer seinem Kumpel Uli Rückendeckung: "Der FC Bayern braucht Uli Hoeneß – und Uli Hoeneß den FC Bayern." Auch in einem so funktionierenden und erfolgreichen Verein sollte man nicht auf die Erfahrung von Uli verzichten. Er ist immer mit Herzblut bei der Sache. Ich würde mich freuen über seine Rückkehr.“  

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bekräftigte bereits Ende Mai: "Wenn Uli Hoeneß wieder Präsident werden will, wird ihn der FC Bayern willkommen heißen."

Auch der neue Trainer Carlo Ancelotti durfte gleich in seiner ersten Pressenkonferenz die besondere Bedeutung des Mannes hervorheben, mit dem er wohl bald in der Vereinsführung zusammenarbeiten muss: "Ich weiß, dass Uli eine Legende des Vereins ist." Über einen möglichen Entschluss von Hoeneß wisse er aber noch nichts, fügte er sogleich hinzu. Bekanntlich hielten sich jene Bayern-Trainer nicht allzu lange, die ein problematisches Verhältnis zu Uli Hoeneß hatten. Genannt seien hier vor allem die Namen Louis van Gaal und Jürgen Klinsmann, denen Hoeneß nach dem Rauswurf in Interviews noch hinterhertrat.  

Der Verein gibt also grünes Licht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Hoeneß-Comeback als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern.

Warum darf der vorbestrafte Uli Hoeneß beim FC Bayern heute wieder Präsidenrt werden? 

Im Hinblick auf ein mögliches Hoeneß-Comeback und dessen Anstellung im Rahmen einer Resozialisierung beschloss der FC Bayern bei der JHV im November 2014 eine Satzungsänderung. Bis dato hieß es in Artikel 7, als Mitglied können nur unbescholtene Personen aufgenommen werden. Seit der Änderung lautet der Passus folgendermaßen: "Mitglied kann jede natürliche Person werden, die die Ziele des Klubs unterstützt."

Im Zusammenhang mit der Satzungsänderung betonte der 2. Vizepräsident Prof. Dieter Mayer bei der JHV 2014: "Teile der Presse vermuten, dass wir mit der Änderung der Satzung die Rückkehr von Uli Hoeneß vorbereiten würden. Unser Präsident sagte bereits, dass das hanebüchen ist. Ich sage: Uli Hoeneß ist bereits seit Jahrzehnten Mitglied des Klubs und wird das auch lange bleiben." Der neue Passus beteffe lediglich Neu-Mitgliedschaften.

Stimmt schon. Aber: Wie sähe es eigentlich aus, wenn der FC Bayern einem einfachen Vorbestraften die Mitgliedschaft verweigert - und dann wird ein ehemaliger Knacki Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender?

Auch der renommierte Rechtsanwalt Sascha Kuhn (Partner der Kanzlei Simmons & Simmons und spezialisiert auf Compliance - Regeltreue, Anm. d. Red.) erklärt in der tz, dass es keine rechtliche Gründe gibt, die gegen die Wiederwahl sprechen. „Juristisch ist da nichts einzuwenden, es gibt kein Gesetz, das verbietet, dass Vorbestrafte Präsident eines Vereins werden dürfen.“ Auch in seiner Handlungsfähigkeit ist Hoeneß nicht eingeschränkt, er kann schalten und walten wie vor seiner Verurteilung.

„Bei wirtschaftlichen Unternehmen wäre ein ähnlicher Vorgang äußerst schwierig, zumindest nach einer so kurzen Zeitspanne zwischen Verurteilung und Wiederbeschäftigung", erklärt Anwalt Kuhn". "Besonders bei Unternehmen mit Kundenkontakt wäre man sehr vorsichtig,da man negative Auswirkungen wegen schlechter Presse fürchten würde.“ Hoeneß wurde im März 2014 verurteilt, rund zweieinhalb Jahre später kehrt er zurück. „Tendenziell werden solche Themen im Sport anders wahrgenommen. Warum das so ist, ist eher eine interessante soziologische Frage“, so Kuhn. „Vielleicht denkt ein Fan oder Vereinsmitglied anders als ein Kunde“.

Grundsätzlich zielt das deutsche Strafrecht auch auf Resozialisierung ab, erklärt Kuhn: „Für einen Straftäter, der seine Tat verbüßt und in Form von Haft oder einer Geldzahlung ableistet bzw. abgeleistet hat, gibt es das Bestreben des Staates, diesen Menschen zu resozialisieren, also ihn zu bessern und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.“ Hoeneß ist für diesen Vorgang ein Paradebeispiel, auch weil ihm, selbst während der Verhandlung, viele Sympathien entgegengebracht wurden.

Wie der Medienberater und frühere Wahlkampf-Manager des FC-Bayern-Aufsichtsrates Edmund Stoiber, Michael Spreng, kritisierte, legten die AG-Mitglieder ohnehin eine ziemliche Doppelmoral hin, als das Steuer-Verfahren gegen Uli Hoeneß lief. Trotz der strengen Compliance-Richtlinien in ihren Unternehmen stellten sie sich im Vorfeld des Prozesses ganz klar hinter den damaligen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden. Nach dem Urteil im Steuer-Prozess schrieb Spreng: "Eine besonders schallende Ohrfeige ist das Urteil für die Bosse von Adidas, VW, Telekom und Audi, die unter Hoeneß im Aufsichtsrat der FC Bayern AG sitzen. Und über die Hoeneß offenbar bis heute Macht hat. Sie verstießen seit mehr als einem Jahr gegen alle Ethik-Regeln, die in ihren Unternehmen gelten. Ihr Verhalten offenbart eine klassische Doppelmoral. Was in ihren Unternehmen gilt, galt nicht für den Freund des von ihnen mit Millionen gesponserten Fußballvereins."

Übrigens sitzen noch immer dieselben Bosse von Adidas, Telekom und Audi im Aufsichtsrat der FC Bayern AG. Ebenso ein gewisser Prof. Martin Winterkorn. Gegen den im Zuge des Abgas-Skandals zurückgetretenen VW-Boss ermittelt der Staatsanwalt aktuell wegen Marktmanipulation.

Fragt sich da wirklich noch jemand, ob die Steuer-Geschichte einer Rückkehr von Uli Hoeneß an die Spitze des FC Bayern im Weg steht?

Gibt es neben Uli Hoeneß noch andere Kandidaten für das Präsidenten-Amt des FC Bayern München?

Nein. Hoeneß ist der einzige Kandidat, seine Wahl gilt als sicher. Dieter Mayer und Walter Mennekes sollen als Vizepräsidenten fungieren. Karl Hopfner, der Hoeneß nach dessen Verurteilung abgelöst hatte will nicht als "Vize" weitermachen.

Warum ist es so entscheidend, ob Uli Hoeneß auch wieder als Aufsichtsratvorsitzender zurückkehrt?

Weil er damit einen weitaus höheren Gestaltungsspielraum im Profibereich des FC Bayern besitzt.

Wichtig: Einen Termin für eine mögliche Wahl von Uli Hoeneß zum Aufsichtsratsvorsitzenden gibt es noch nicht. 

Der frühere Präsident Franz Beckenbauer scherzte vor Jahren über die relative Machtlosigkeit des Amtes, als er sich als "Präsident der Schachspieler und Basketballer" seines Vereins bezeichnete. Weil dieser nur dem Hauptverein vorsteht, nicht aber der für den Profifußball zuständigen FC Bayern AG.

Der Aufsichtsrat wiederum ist ein zwingend vorgeschriebenes Überwachungsorgan in einer Aktiengesellschaft wie der FC Bayern AG. Und an der Spitze des Aufsichtsrates (der beim FC Bayern neun Mitglieder umfasst) steht der Aufsichtsratsvorsitzende. Darum wäre es für die Machtposition von Uli Hoeneß so wichtig, die Ämter des Präsidenten und des Aufsichtsratsvorsitzenden in Personalunion zu übernehmen.

Die Satzung des FC Bayern München sieht vor, dass der Präsident automatisch einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Dieser kontrolliert die AG unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge. Bislang war der Präsident auch stets zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt worden.

Uli Hoeneß hat beim FC Bayern nicht nur für seine bevorstehende Rückkehr auf den Präsidenten-Posten die Unterstützung von Karl-Heinz Rummenigge – sondern auch für sein Comeback als Aufsichtsratsvorsitzender. „Der Aufsichtsrat wählt seinen Vorsitzenden selbst, und eine Lösung mit Uli an der Spitze wäre keine Überraschung“, sagte der Vorstandschef im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Auch der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern, geht im Interview mit der "Zeit" davon aus, dass Uli Hoeneß auch an die Spitze des Kontrollgremiums zurückkehren wird und mahnt: "Aber es wird nun die Aufgabe der beiden Großen sein, Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden und Hoeneß wohl als Präsidenten und Vorsitzenden des Aufsichtsrates, den gemeinsamen Weg weiterzugehen."

Wie wird sich der FC Bayern München unter Uli Hoeneß ändern?

Uli Hoeneß will nach seiner erwarteten Rückkehr ins Präsidentenamt beim FC Bayern München wieder die „Abteilung Attacke“ bilden. „Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern“, sagte Hoeneß dem kicker.

Außerdem will sich der 64-Jährige „noch viel stärker für die Kleinen einsetzen“, wie er betonte: „Darin wird die entscheidende Veränderung des Uli Hoeneß bestehen.“ So habe er unter anderem vor, sich für den Erhalt der ersten DFB-Pokalrunde in der aktuellen Form einzusetzen. Beim FC Bayern will Hoeneß gemäß seiner Ankündigung, für das „Herz“ zu stehen, „das Familiäre leben“.

Allerdings will sich Hoeneß „nicht sieben Tage die Woche 24 Stunden lang“ in die Klubzentrale an der Säbener Straße setzen. Als Bürotage hat er montags, mittwochs, freitags vorgesehen, zudem möchte er bei den Spielen der Bayern im Stadion präsent sein.

Ordnet Hoeneß nach seiner Rückkehr das Führungspersonal beim FC Bayern neu?

Nach dem Weggang von Matthias Sammer als Sportdirektor ist zumindest diese Position aktuell vakant. Vorstandsboss Rummenigge betonte zwar in einer Pressemitteilung: Sammers Posten soll bis auf Weiteres nicht nachbesetzt werden. Was natürlich heißen könnte: Bis November nicht. Dann könnte der neue Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Uli Hoeneß über die Neubesetzung mitentscheiden. Als möglicher Sammer-Nachfolger wurde zeitweise Max Eberl von Borussia Mönchengladbach gehandelt. Eberl dementierte diese Spekulationen bereits unmissverständlich: "Karl-Heinz Rummenigge will die Position bei Bayern erst einmal nicht neu besetzen, ich stehe bei Borussia bis 2020 unter Vertrag. Mehr muss man nicht sagen."

Ein weiterer Kandidat für den Posten könnte Philipp Lahm sein. Der Kapitän wird seine Karriere 2018 beenden und soll dem FC Bayern in anderer Funktion erhalten bleiben. Möglich, dass Uli Hoeneß ihn dann unter seine Fittiche nimmt.

Durch den Weggang von Matthias Sammer haben sich mögliche Konflikte bei einem Hoeneß-Comeback bereits im Vorfeld erledigt. Sammer hatte eine Hoeneß-Aussage zum früheren Trainer Pep Guardiola öffentlich als "dummes Zeug" gegeißelt.

Uli Hoeneß: Seine Abschiedsrede im Video

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