Er ist wieder da!

„Ich habe geweint wie ein Schlosshund“: Die Hoeneß-Rede im Wortlaut

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Hoeneß‘ Rede war eine Mischung aus Reue, Nachdenklichkeit und Angriff.

München - Die Rede von Uli Hoeneß auf der JHV war eine Mischung aus Reue, Nachdenklichkeit und auch Attacke. Zuvor allerdings gab es warme Worte von vielen Seiten.

Der erste Schritt von Uli Hoeneß auf das Parkett des Audi-Domes reichte aus, damit sich die Anwesenden der FCB-Jahreshauptversammlung für Standing-Ovations erhoben. Bevor Hoeneß seine Rede hielt, hatte Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender das Wort. 

“Ich gönne dir die Rückkehr als Präsident von ganzem Herzen”, sagte Rummenigge. Der FCB-Boss werde nie vergessen, wie Hoeneß am 2. Januar 2015 an die Säbener Straße zurückgekehrt ist. “Man hat gesehen, welch schwere Zeiten du durchgemacht hast”. Für das künftige Miteinander wünsche er sich eine vertrauensvolle, loyale, respektvolle und harmonische Zusammenarbeit. “Es wurde immer gefragt: ‚Wie kommen zwei Alphatiere miteinander aus?‘ Die Antwort werden wir geben müssen. Dem FC Bayern muss man dienen, das wird unsere gemeinsame Aufgabe in der Zukunft sein. Ich wünsche dir eine schöne, emotionale und erfolgreiche Rückkehr ins Präsidentenamt”, sagte Rummenigge souverän.

Die Hoeneß-Rede im Wortlaut

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, vor gut zweieinhalb Jahren war ich auch hier gestanden und wusste nicht, was aus mir wird. Dass ich heute hier bin, habe ich verschiedenen Faktoren zu verdanken: Meinen Freunden und meinen zwei Familien. Die eine ist meine private. Meine Frau, die gekämpft hat wie eine Löwin, meine Kinder, mein Schwiegersohn, meine Schwiegertochter und meine vier Enkel. Wir haben vier, nicht drei, wie ich immer lesen muss.

Und dann die Familie des FC Bayern. Als ich zur Versammlung kam, in der Karl Hopfner zum Präsidenten gewählt wurde, habe ich mich gefragt, ob ich kommen sollte. Ich war wegen der Steuersache zurückgetreten, habe mich aber doch entschlossen zu kommen. Und als ich die Emotionen und die Unterstützung gespürt habe, habe ich diesen Satz gesagt („Das war’s noch nicht“, d.Red.). Ich war so überwältigt von der Unterstützung, Liebe und Freundschaft – das hat mich die ganze Zeit in der Haft angetrieben: Zu diesen Leuten zurückzukommen. Ich habe in der Zeit in Haft über 5500 Briefe bekommen, auch von Mitgliedern und Fans des FC Bayern. Und immer dann, wenn ich nicht mehr weiter wusste – meistens an Sonntagen, weil man unter der Woche eingeschlossen war – habe ich diese Briefe gelesen und wie ein Schlosshund geweint. Denn ich habe nicht verstanden, dass Leute, die ich nicht kenne, mir schreiben und mir die Kraft geben, es zu packen. Das hat dazu beigetragen, dass ich diese Zeit gut überstanden habe.

Ich habe einen großen Fehler begangen und respektiere jeden, der mir seine Stimme wegen dieses Fehlverhaltens nicht gibt. Ich bin Demokrat. Aber ich habe alles getan, um diesen Fehler wiedergutzumachen. Ich habe meine Steuerschulden inklusive Zinsen und Zinsenzinsen und der Kirchensteuer bis auf den letzten Cent bezahlt. Ich habe mich im Gefängnis wie ein Häftling verhalten, der es nicht besser machen kann. Die Beurteilung der Chefin in Landsberg hat dazu beigetragen, dass ich eine Halbstrafe erhalten habe, was in Bayern nicht selbstverständlich ist. Man muss alles zu hundert Prozent erfüllen, um die Chance auf eine Halbstrafe zu erhalten. Und ich habe es geschafft. Und jetzt bin ich hier. Ich bin glücklich, dass der Verwaltungsbeirat einstimmig darüber abgestimmt hat, mich als Präsident für diesen großartigen Verein zu nominieren. Ich bitte Sie um eine zweite Chance und ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, um Ihre Erwartungen zu erfüllen.

Ich bin keiner, der auf die Uhr schaut, wenn er zum Arbeiten geht. Ich habe immer bis zum Ende durchgezogen, und wenn es mal sieben Tage die Woche waren, dann war ich sieben Tage arbeiten. Dafür muss meine Frau Verständnis haben. Ich möchte ein Bindeglied sein. Zwischen den Mitgliedern, ihnen, denen 75 Prozent des Vereins gehören. Zwischen Vorstand unf Aufsichtsrat, zwischen Verwaltungsbeirat und dem Präsidium. Ich möchte ein Kümmerer sein, ein Ratgeber für alle Mitarbeiter in diesem Klub, für die Spieler im Basketball wie im Fußball, und für die da sein, die mich brauchen. Auch Trainer können zu mir kommen, wenn sie Rat suchen. Ich denke, dass man am Ende einer Zeit oft nachdenklich wird, aber der Verein hat mir diese Kraft zurückgegeben.

Ich bedanke mich auch bei Karl-Heinz Rummenigge für die Möglichkeit, in meiner Freigängerzeit für den FC Bayern gearbeitet haben zu können. Das hat mir den Blick geöffnet für einige Dinge, die ich zukünftig gebrauchen kann. Ich werde mich auch darum kümmern, dass der FC Bayern seiner ungeheuren sozialen Verantwortung wie bisher gerecht wird. Das ist mir ein wichtiges Anliegen, denn der Fußball ist das Eine, die Gesellschaft aber das Andere. Der FC Bayern ist ein wichtiger Teil davon und hat wichtige Aufgaben. Und die Fähigkeit, in einer klaren Sprache Probleme anzusprechen, ist mir nicht verlorengegangen. Sie schläft nicht, sie ruht nur und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen. Und ich möchte Sie nun bitten, mir Ihr Vertrauen zu schenken und mir bei der Wahl dieses großartigen Klubs Ihre Stimme zu geben. Vielen Dank.“

Warmer Empfang für Hoeneß und Ancelotti - Bilder

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