Rückholaktion à la Matthäus und Effenberg?

Der verlorene Sohn: Darum macht eine Hummels-Rückkehr Sinn

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Bayerische Gene: Mats Hummels (r.) ist ein Münchner Gewächs – auf diesem Foto erinnert er an Oliver Kahns legendäre Kung-Fu-Einlage.

München – Einst schickte der FC Bayern Mats Hummels weg – eine Kurskorrektur ist ein Draufzahlgeschäft, aber logisch. Macht es der FCB wie mit Lothar Matthäus und Stefan Effenberg?

Update vom 28. April 2016: Jetzt ist es offiziell: Wie Borussia Dortmund am Donnerstagnachmittag in einer Börsenmitteilung bestätigt, will Mats Hummels zum FC Bayern München wechseln.

Es gibt eine wunderbare Anekdote, die einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Karriere von Thomas Müller hatte. Eines von vielen Hirngespinsten während des insgesamt unheilvollen Treibens des kurzzeitigen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann war, das Offensivtalent nach Hoffenheim ziehen zu lassen. Da wurde es Hermann Gerland zu bunt. Er stapfte zu Uli Hoeneß. Ein Protestmarsch. „Hermann“, fragte der Manager den Ausbilder, „kannst du mir garantieren, dass dieser Bursche mal für uns in der Bundesliga spielt?“ Antwort: „Nein, das kann ich nicht. Ich garantiere dir aber eins: Dass er Tore schießen wird. Viele.“

Der Rest ist Geschichte.

Es gibt eine andere Anekdote von einer weiteren Prognose, die sich zwar auch wunderbar liest, der es aber an der Unfehlbarkeit von Gerlands Müller-These mangelt. In der Saison 2008/09 schnappte sich Hoeneß mal einen Reporter, der geschrieben hatte, es sei ein Fehler gewesen, das Talent Mats Hummels an die Dortmunder zu verscherbeln, der Junge hätte in München schon noch seinen Weg gemacht. Hoeneß schäumte, wie nur Hoeneß es kann: Wo, bitteschön, hätte der Innenverteidiger Hummels denn bei Bayern spielen sollen? „Von den weltbesten Innenverteidigern haben wir vier!“ Er hatte schon Recht, es war keine Planstelle frei. Nur das mit dem weltbesten Quartett relativierte sich recht bald. Er sprach von Lucio, Martin Demichelis, Daniel van Buyten und einem gewissen Breno.

Der Rest ist Geschichte.

Im Winter 2008 haben die Bayern den damals 20-jährigen Mats Hummels aus guten Gründen und mit schwerem Herzen ziehen lassen. Gerland sprang auch für ihn in die Bresche, nur in dem Fall erfolglos. Die Münchner kassierten vier Millionen Euro, doch der Transfer kam sie am Ende teuer zu stehen: Hummels reifte zu einer Dortmunder Führungsfigur, zwei Mal ließ der BVB die Bayern im Meister-Rennen hinter sich, düpierte sie zudem mal mit einem 5:2 im Pokal-Finale.

Es gibt wenige Spieler, denen die Münchner in ihrer Historie nachgeweint haben. Lothar Matthäus holten sie gerne zurück, auch Stefan Effenbergs Comeback machte sich bezahlt. Ansonsten aber war eine Trennung meist eine Trennung. Doch im Fall von Mats Hummels gelten andere Hintergründe. Er ist der verlorene Sohn. Er wurde weggeschickt, und ihn jetzt wieder zum FC Bayern zurückzulotsen, zu einem Verein, der sich wie kein anderer immerzu als Familie inszeniert, erscheint nur logisch. Seit dieser Woche lassen sich Aussagen des Nationalspielers wie auch von seinem Vater Hermann Hummels so auslegen, dass der Weg zurück nach München führen könnte.

Schon länger ist Hummels’ Zukunft offen. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, der BVB steht vor der großen Frage, ob er noch einmal Kasse macht, da der 27-Jährige eher dazu tendiert, sich sowieso verändern zu wollen. Der FC Barcelona soll angeklopft haben, auch Manchester City – doch ein Angebot des FC Bayern dürfte verlockender sein. Die Familie und seine Frau leben in München, er ist mit dem Verein bestens vertraut, beim Gehalt gibt es sicher Spielraum – und auch sportlich ist es reizvoll, an der Seite von Jerome Boateng das zentrale Abwehrduo zu bilden, wie es sich auch Joachim Löw bei der Nationalelf erträumt.

Die Transfergerüchte rund um den FC Bayern

Die Bayern wiederum suchen seit Jahren einen Innenverteidiger von allerhöchster Güteklasse. Diese Exemplare sind weltweit Mangelware, es kommt daher zu Fehleinkäufen wie Medhi Benatia, für den 28 Millionen Euro hingeblättert wurden. Der Marktwert von Hummels soll bei 30 Millionen liegen. Damit wäre eine Rückholaktion zwar ein sauteures Draufzahlgeschäft, dennoch wäre er noch immer weit kostengünstiger als der 21-jährige Aymeric Laporte, für den Athletic Bilbao Preise ab 50 Millionen aufruft. Und während der Baske zunächst ein Fremdkörper wäre, wäre Hummels hurtig integriert.

Gibt es Anlass zur Skepsis? Jein. Hummels’ Spielanlage und Stellungsspiel sind nicht frei von Fehlern. Bei der EM 2012 wurde das Aus gegen Italien zurecht ihm angelastet, und nach der WM 2014 fiel er in ein erschreckend tiefes Loch. Im Kollektiv des FC Bayern kann so ein Mann allerdings auch noch ein paar Prozente mehr abrufen. Thomas Müller hat sich jedenfalls top entwickelt. Und bei Hummels scheint es Zeit für eine Münchner Kurskorrektur.

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