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Bayern-Gegner VfL ein Scherbenhaufen: „Einer hat es auf die Spitze getrieben“

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Von: Sven Westerschulze

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Wolfsburg - Die Situation beim VfL Wolfsburg ist angespannt. Vom Vizemeister entwickelte sich der Klub zum Abstiegskandidaten. Der tiefe Fall der Wölfe:

Der Blick auf die Bundesliga? Tabellen-15.! Europacup? Gibt es in Wolfsburg in diesem Jahr gar nicht. Und der DFB-Pokal? Da hat es der VfL immerhin bis ins Achtelfinale geschafft, doch viel weiter dürfte die Reise der Mannschaft von Valerien Ismael nicht gehen – sofern der 41-Jährige Anfang Februar überhaupt noch Trainer der Wölfe ist. Da treten sie beim FC Bayern an. Und auf das, was ihnen da blüht, bekommen sie Samstagnachmittag bereits einen Vorgeschmack.

In ihrer derzeitigen Verfassung sind die Wolfsburger nicht einmal annähernd ein ernsthafter Gegner für die Roten. Dass der VfL 2015 noch Vizemeister und Pokalsieger war, ist nur noch auf dem Papier zu erkennen – auf dem Platz schon längst nicht mehr. Das Problem: Nicht nur sportlich überschlagen sich in letzter Zeit die Negativ-Schlagzeilen in der Autostadt. Immer wieder machen Gerüchte die Runde, dass Sponsor VW sein finanzielles Engagement zurückschrauben will. Und dann wäre da noch die Personalie Julian Draxler und der Umgang mit ihr.

„Auf dem Weg zum Chaos-Club“, titelte die vereinsnahe Wolfsburger Allgemeine Zeitung zuletzt. Ehemalige Spieler wie Dante haben sogar Mitleid. „Mir tut es sehr weh, was beim VfL passiert“, sagte der inzwischen in Nizza kickende Ex-Bayer dem kicker. Dazu kommt die neu aufkeimende Trainer-Diskussion, obwohl Ismael vor gerade mal vier Wochen erst zum Chefcoach ernannt wurde. Und auch Manager Klaus Allofs ist längst nicht mehr unumstritten. Intern kommt sein Vertrauen zu Ismael nicht gut an. Sorgen über Sorgen – der VfL Wolfsburg ist im Winter 2016 ein einziger Scherbenhaufen.

Der Fall Draxler: Mit seinem „Ich will weg“-Interview im Sommer hat Draxler sämtliche Sympathien verspielt. Den Wechsel verbot Allofs ihm – was Draxler davon hält, zeigt er Woche für Woche auf dem Rasen. Null Tore und null Vorlagen stehen für ihn in dieser Saison zu Buche, eine Trennung im Winter rückt immer näher. „Einige Spieler wie Luiz Gustavo oder Ricardo Rodriguez haben im Sommer mit einem Wechsel geliebäugelt“, sagt Lorenz-Günter Köstner der tz. „Doch einer hat es auf die Spitze getrieben. Das bringt nicht nur Unruhe in den Verein, sondern ist auch für das Teamgefüge alles andere als förderlich“, meint der 64-Jährige, der von 2009 bis 2013 für die VfL-Amateure zuständig war und in der Zeit zweimal als Interimstrainer der Profis agierte.

Die sportliche Situation: Nach sechs Punkten aus sieben Spielen und Rang 14 trennte sich der VfL vom langjährigen Trainer Dieter Hecking. Nicht aus Angst vor dem Abstieg, sondern weil das Saisonziel Europapokal aus den Augen zu geraten drohte. Gebessert hat sich unter dem Franzosen Ismael nichts. Sechs Spiele und einen Sieg später steht der VfL auf Platz 15. „Jetzt ist die Lage noch schlimmer. Der VfL muss aufpassen, dass er nicht auf einem Abstiegsplatz überwintert“, warnt Köstner angesichts des Restprogramms mit dem FCB, den starken Frankfurtern und Gladbach.

Die finanzielle Lage: Zuletzt wurde spekuliert, ob VW sein 80 bis 90 Millionen Euro schweres Budget pro Jahr für den VfL um bis zu 30 Prozent einkürzen wolle. „Selbst das ist nicht wenig. So dramatisch ist die Lage also nicht“, sieht Köstner zumindest in finanzieller Hinsicht keine große Baustelle. Schließlich sei nur von einer Einschränkung, nicht von einer Beendigung des Sponsorings die Rede. „Wenn VW kränkelt, hat die ganze Region Grippe“, verdeutlicht Köstner gegenüber der tz die Bedeutung des Automobil-Riesen für die Stadt und den Verein.

Das Umfeld: „Wolfsburg ist eine Arbeiterstadt, der VfL zählt zur großen VW-Familie“, weiß Köstner. „Und dazu gehören auch die VW-Mitarbeiter, von denen viele VfL-Fans sind. Wenn die spüren, dass die Spieler auf dem Rasen alles geben, verzeihen sie auch Niederlagen. Doch wenn sie sehen, dass millionenschwere Stars sich hängen lassen, während sie selbst hart für den Konzern arbeiten, dann werden sie sauer.“ Das zeigt, wie das Umfeld in Wolfsburg tickt. Vielleicht hätte das Draxler mal jemand vor dessen Wechsel sagen sollen.

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