Sportvorstand redet Tacheles

Sammer: "Gegen den FC Bayern wird gezündelt"

München - Eigentlich sollte Neuzugang Serdar Tasci beim FC Bayern mit Matthias Sammer vorgestellt werden. Doch der Spieler fehlte kurioserweise bei seiner eigenen Vorstellung - aus Verletzungsgründen. Unterhaltsam war die Pressekonferenz trotzdem.

Die Pressekonferenz ist beendet. Ein beeindruckender Auftritt von Matthias Sammer, der gegen die Journalisten die Verbalkeule rausgeholt hat. Er selbst behauptet zwar, sachlich und ruhig gewesen zu sein. Die Vehemenz seiner Aussagen war aber sehr stark. Eigentlich sollte ja Serdar Tasci vorgestellt werden, doch der Neuzugang hat sich gleich in seinem ersten Training verletzt und fällt wohl mehrere Tage aus. Da es sich um eine leichte Gehirnerschütterung handelt, war Tasci nicht bei der Pressekonferenz zugegen. Hier können Sie die wichtigsten Aussagen nachlesen:

Sammer über seine Aufgabe in der Zusammenarbeit mit Pep: "Es geht darum, dem FC Bayern zu dienen und sich selber dabei manchmal zurückzunehmen. Wir brauchen Spirit und Geist. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Näschen, dass ich fühlen kann, was atmosphärisch und sportlich inhaltlich notwendig ist, um erfolgreich zu arbeiten. Wenn mal ein Spieler seine Unzufriedenheit geäußert hat oder was auch immer: das gab es immer. Es gibt immer unterschiedliche Phasen in einer Saison. Manchmal knistert es eben, so auch bei uns derzeit. Das sind gewisse Reizpunkte, die man eben auch braucht. Wir müssen in Leverkusen noch eine Schippe drauflegen. Jeder muss immer alles dem Erfolg unterordnen."

Sammer über den Umgang mit den Themen: "Es wird alles wie ein Kaugummi Tag für Tag weiter gekaut. Ich will doch gar nicht verhehlen, dass es auch mal Gespräche gibt, in dem ein Spieler seine Unzufriedenheit kund tut. Ich fand das alles nicht so dramatisch.

So lange ich hier bin, ob das nun 20 oder zwei Jahre sind: Wenn jemand von uns angegriffen wird, dann verteidige ich ihn. Bei uns ist nicht alles super, aber auch nicht alles schlecht."

Sammer über seine Kritik an den Journalisten: "Das ist kein Rundumschlag. Ich habe das Gefühl, dass es derzeit ein kleines Zündeln gibt. Ich spüre das, mir fällt das auf. Bitte nicht nur austeilen, man muss auch mal einstecken können", sagt er in Richtung der Journalisten. "Ist bei Ihnen in der Arbeit immer alles super, immer eine super Stimmung? Dann beneide ich Sie."

Sammer über die Kritik von Pep an der Mannschaft: "Es ist normal, dass ein Trainer gewisse Themen - wir können Geschichte schreiben im deutschen Fußball mit der magischen Vier (vier deutsche Meistertitel in Folge), das ist unser Ziel, das treibt uns, anspricht." 

Sammer weiter über Vidal: "Wir haben mit dem Spieler und mit seinem Berater gesprochen, er wird auch auf seinem persönlichen Account etwas dazu sagen. Der Spieler hat bestätigt, dass die Geschichte nicht stimmt. Die Geschichte ist unwahr."

Sammer über Arturo Vidal: "Arturo Vidal ist in einer sehr, sehr guten Verfassung. Ich war sehr überrascht über das, was ich jetzt gelesen habe. Das stimmt nicht, und das ist die Unwahrheit. Damit das klar ist. Wir haben ein sehr enges Verhältnis zu Arturo und seinem Berater. Er selber hat auch gesagt, dass da nichts dran ist. Wir werden gegen diese Geschichte vorgehen, mit allen rechtlichen Mitteln. Es wird etwas gezündelt gegen den FC Bayern, vielleicht um Spannung in der Liga herzustellen. Sie erreichen damit aber das Gegenteil. Wir werden noch enger zusammenrücken. Wir werden das nicht zulassen. Unser Trainer wird derzeit für alles verantwortlich gemacht, das werden wir nicht akzeptieren. Was mit unserem Trainer derzeit passiert, ist nicht korrekt. Ich arbeite seit zweieinhalb Jahren mit Pep zusammen - so einen Fußballverrückten habe ich noch nie erlebt. Ich bin beeindruckt, mit welcher Intensität er Fußball lebt und liebt.

Im Fußball spricht man manchmal von Reizklima. Wir haben ja auch wichtige Aufgaben vor uns. Ich bitte um mehr Respekt gegenüber Pep Guardiola, weil er so viel geleistet hat und für den FC Bayern. Es geht mir zu sehr ins Persönliche."

Sammer über Guardiolas Rolle bei der Tasci-Verpflichtung: "Pep will immer alles wissen und involviert werden. Er ist froh, dass wir eine weitere Alternative haben."

Sammer über die Planungen mit Tasci: "Es liegt auch an ihm. Es geht um die Leistung, die er bringen soll und muss. Und dann wird man sehen, ob er zum Beispiel weiter ist als Joshua. Er ist als Innenverteidiger eingeplant. Und je besser er ist, desto häufiger wird er spielen. Wenn er noch etwas länger braucht, dann werden die Alternativen spielen."

Sammer über das Gerücht, dass man Benatia an den AS Rom abgeben wollte: "Das ist eine Lüge. Momentan lese ich einiges, was mich verwundert und mich zum Schmunzeln bringt. Der Spieler ist ja verletzt und nur ein geisteskranker Verein denkt über so eine Aktion nach."

Sammer über das vermeintliche Interesse an Berlins Brooks: "Das stimmt einfach nicht."

Sammer über Tasci: "Ein erfahrener Spieler, der immer auf dem Sprung stand, in eine wichtige Rolle reinzuwachsen, auch in der Nationalmannschaft. Ein Spieler, der einfach viele Qualitäten mitbringt. Er ist 28, aber ich hoffe, er will diese Chance nutzen. Auch die Gespräche waren gut, er war unglaublich heiß auf die Aufgabe und er hat uns vermittelt, dass er das unbedingt möchte. Seine sportliche Aussage und seine charakterlichen Fähigkeiten sind beeindruckend."

Sammer über den Transfer: "Wir haben den Markt immer beobachtet. Wir haben gemerkt, dass es schwierig ist und dass wir nicht die einzigen sind, die Verteidiger suchen. Wir hatten ständig zwei bis drei Überlegungen, über die wir gesprochen haben. Aber wir haben das immer sehr passiv gehandhabt. Wir haben uns also bis zum Ende die Option belassen. Wir mussten uns auch die Frage stellen, ob 15 bis 16 Spieler ausreichen, bei dem Wochenrhythmus, in dem wir sind. Und das ist einfach unkontrollierbar. Deshalb sind wir zu der Entscheidung gekommen, dass er uns mit seiner Qualität und Erfahrung helfen kann."

+++ Serdar Tasci ist nicht bei seiner eigenen Vorstellung dabei! Matthias Sammer sagt, dass sich der Spieler in seinem ersten Training verletzt hat. Es gab wohl einen Zusammenstoß mit einem Kollegen - Verdacht auf Gehirnerschütterung. Sammer: "Er wird vielleicht zwei oder drei Tage ausfallen, das ist nicht so schlimm."

+++ Das Podium ist noch leer. Aber da heute Pep Guardiola, der die Journalisten ja immer gerne bis zu 15 Minuten warten lässt, nicht dabei ist, rechnen wir mit deutscher Pünktlichkeit - vertreten sind heute ja Sportvorstand Matthias Sammer und Serdar Tasci.

Es ist sein erster offizieller Arbeitstag an der Säbener Straße. Für Serdar Tasci steht am Mittwoch die erste Trainingseinheit mit seinen neuen Teamkollegen des FC Bayern an, kurz darauf wird die Leihgabe von Spartak Moskau offiziell beim Rekordmeister vorgestellt. Dann spricht der 28-Jährige über die neue Herausforderung in München, seine Ziele - und ob er sich so vielleicht noch einmal für die Nationalmannschaft empfehlen will. 

Sicher werden er sowie Sportvorstand Matthias Sammer auch mit der Frage konfrontiert, ob der ehemalige Stuttgarter nach den Verletzungen von Jerome Boateng und Javier Martinez mehr als nur eine Notlösung sei - hatte doch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge einen Tag vor der Verpflichtung des Innenverteidigers erklärt, dass "keine Qualität" auf dem Markt vorhanden sei.

Wir berichten von der Vorstellung des Neu-Münchners Serdar Tasci ab 14 Uhr im Live-Ticker.

Rubriklistenbild: © dpa

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