Redakteur warnt Eltern

"Bayern als Herzensklub nicht zu empfehlen!"

FC Bayern, Kinder, Fans
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Der FC Bayern übt eine Faszination auf junge Fans aus - doch ist das förderlich?

München - In einer Glosse hat ein Redakteur der "Welt" eine Warnung an Eltern ausgesprochen, ihren Kindern Trikots des FC Bayern zu schenken. Das würde dem Charakter schaden.

Klar, der FC Bayern polarisiert. Kein Wunder, denn kein deutscher Fußballverein fährt mehr Siege, mehr Meisterschaften, mehr Pokale ein. Die besten Spieler landen an der Säbener Straße, jährlich werden Rekordumsätze vermeldet. Das schafft einerseits Respekt, aber auch Neider und Missmut bei der Konkurrenz. Auch bei den Fußball-Fans gibt es eigentlich nur zwei Lager: Die Bayern-Fans und die Bayern-Gegner. Nun hat sich Lars Wallrodt, der leitende Fußball-Redakteur der "Welt" dem Thema angenommen und sich mit einer Glosse (satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag) gemeldet. Der Titel: "Lasst eure Kinder nicht Bayern-Fans werden!"

Der Zeitpunkt ist nicht ohne Hintergedanken gewählt, denn viele Kinder dürften auf ein Trikot des Rekordmeisters zu Heiligabend hoffen - und genau das greift der Welt-Redakteur auf. "Nichts prägt den Charakter mehr als die Wahl des Lieblingsvereins", schreibt er. "Darum ein Appell an alle Eltern: Wenn Ihre Kinder zu Weihnachten ein Trikot des FC Bayern haben möchten, ignorieren Sie den Wunsch!" Stichwort Trikot: Davon haben die Bayern im vergangenen Jahr mit 1,3 Millionen Exemplaren einen neuen Rekordabsatz erzielt.

Wallrodt gibt zwar zu, dass der FC Bayern "ein wunderbarer Verein, ein Leuchtturm der sportlichen Dominanz und der wirtschaftlichen Vernunft" seien, doch "als Herzensklub ist er nicht zu empfehlen. Denn wie sollen die Heranwachsenden etwas über das harte Leben lernen, wenn ihr Verein sie nicht fordert?" Das Hochgefühl eines Sieges nutze sich schnell ab, es werde zur Normalität. Rückschläge, wie eine Prügelei auf dem Pausenhof, eine nicht erwiderte Liebe oder einer Bewerbungsabsage - all das sei somit schwerer verkraftbar. "Das Leben ist nicht die Münchner Arena, es ändert seine Farben nicht auf Knopfdruck", so Wallrodt.

Die FC-Bayern-Trikots 2014/2015 - und ein historischer Streifzug

Die FC-Bayern-Trikots 2016/2017 - und ein historischer Streifzug

Der 1. FC Köln, Hannover 96 oder Arminia Bielefeld - das seien Teams, die den Charakter besser schulen sollen. "Also, liebe Eltern: Investieren Sie in die Zukunft Ihres Kindes, schenken Sie das Trikot eines Außenseiters!", fordert Wallrodt am Ende seines Textes. "Auch wenn Ihnen der Dank dafür zunächst verwehrt bleiben mag."

Gut möglich, dass sich Lars Wallrodt damit in der bayerischen Landeshauptstadt und auch anderen Landesteilen einige Feinde gemacht hat. Aber bitte, liebe Bayern-Fans, nicht vergessen: Es ist Satire!

fw

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