Er ist einer der WM-Stars

Arjen Robben: Nie mehr "der Gläserne"

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Arjen Robben erzielte bislang drei Tore bei dieser WM.

Sao Paulo - Im WM-Finale 2010 war Arjen Robben die tragische Gestalt, in Brasilien der beste Spieler der Vorrunde. Der Bayern-Star hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich.

 Bei Real Madrid nannten sie Arjen Robben einst „el jugador de cristal“, den gläsernen Spieler. Eine zerbrechliche, dauerverletzte Diva schimpften sie den blitzschnellen Niederländer. Das war der alte Arjen Robben. Der neue agiert bei der WM in Brasilien auf dem Zenit seines Schaffens, war der bestimmende Akteur der Vorrunde - und lässt Oranje gar vom Titel träumen.

„Wie weit wir bei dieser WM kommen, hängt von Robben ab“, schrieb der Telegraaf. Und Englands Fußball-Idol Gary Lineker adelte den Bayern-Profi: „Robben ist fraglos der beste Spieler der Gruppenphase. Er war bislang absolut herausragend.“ Sein Arbeits-Nachweis untermauert dies eindrucksvoll.

Zwei Treffer beim 5:1 gegen Spanien, einer beim 3:2 gegen Australien, mit den entscheidenden Geistesblitzen beim 2:0 gegen Chile, zweimal Man of the Match. Die Auszeichnung nach dem Chile-Spiel nahm Robben mit blutigen Knien entgegen. So als wolle der 30-Jährige sagen: Seht, an mir ist nichts mehr gläsern. „Ich fühle mich in der Form meines Lebens“, sagte Robben: „Wenn ich frei von Verletzungen bin, kann ich gelöst aufspielen.“

Keine Allüren mehr

Vor allem hat er sämtliche Allüren abgelegt, die einst Trainer und Mitspieler in Klub wie Elftal zur Weißglut getrieben haben. Robben, gegen Chile Kapitän als Vertreter des gesperrten Robin van Persie, wollte kaum über seine Leistung gegen die Südamerikaner sprechen, gab das Lob brav an seine Teamkollegen zurück.

„Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Wir sind keinen Meter zurückgewichen, haben gekämpft wie die Löwen - orange Löwen“, sagte Robben. Vor der WM hatte kaum jemand einen Pfifferling auf die Niederländer gesetzt, jetzt will Robben alles: „Das darf noch nicht das Ende sein. Wir wollen so weit wie möglich kommen.“

In Brasilien kann Robben mit der WM seinen Frieden schließen: Im Finale 2010 gegen Spanien (0:1 n.V.) hatte er den möglichen Siegtreffer auf dem Fuß, scheiterte aber an Iker Casillas - und war hernach untröstlich. „Die Szene ist ein Film in meinem Kopf geworden. Einer, der sich immer und immer wieder abspielt“, sagte Robben. „Es sucht mich noch immer heim.“

Seine jüngste Entwicklung hatte sich derweil schon in den vergangenen zwölf Monaten beim FC Bayern vollzogen. Spätestens nach seinem Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dortmund strotzt Robben vor Selbstbewusstsein. In der abgelaufenen Saison spielte er herausragend, in 28 Bundesliga-Einsätzen kam er auf elf Tore und sechs Vorlagen.

„I“m in love with Arjen„, sagte Bayern-Coach Pep-Guardiola über den Rechtsaußen: `Es gibt kaum einen Spieler, der solch eine professionelle Einstellung hat.“ Das zahlt sich aus: 2012/13 verpasste er noch 13 Ligaspiele wegen immer neuer Muskelprobleme, in der abgelaufenen Saison waren es gerade zwei. Und so hat Robben am Ende einer langen Saison noch genug Kraft, die WM aufzumischen.

„Nur wenige Spieler achten derart auf ihren Körper“, sagt Bondscoach Louis van Gaal, der Robben 2009 von Real zu den Bayern holte: „Alles ist bei ihm darauf ausgerichtet, angefangen mit dem Aufwärmen. Ich finde das überragend.“

Van Gaal achtet auch selbst auf seinen Schlüsselspieler, gönnt ihm regelmäßig Ruhe, am Dienstag drehte Robben abseits der Mannschaft alleine lockere Runden. Sicher kein Bild mit Symbolkraft: In Brasilien ist der überragende Robben Hollands Dreh- und Angelpunkt.

sid

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