Neue Saison wird zum Charaktertest

Wörle: "Nur wegen des Worts Meisterschaft spielen wir kein Prozent besser"

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Trainer Wörle schwärmt von den Qualitäten seiner Spielführerin Melanie Behringer.

FC Bayern München (Frauen) - So sehr er sich für seine Spielerinnen gefreut hat – Thomas Wörle hat Olympia in Rio schon auch mit Sorge verfolgt. Simone Laudehr verletzte sich gleich im Auftaktspiel, die restlichen vier Abgesandten vom FC Bayern spielten zentrale Rollen.

Sie kehrten unversehrt und sogar mit Gold dekoriert zurück, geschlaucht gehen sie dennoch in die Saison, die am heutigen Samstag mit dem Heimspiel im Grünwalder Stadion gegen Freiburg (16 Uhr) startet. Das neue Spieljahr wird generell ein Härtetest, ein Charaktertest für die Titelverteidigerinnen. Zwei Mal in Serie wurde man Meister, „da ist die Frage, ob die Spielerinnen nachlassen, legitim“, sagt Trainer Wörle. „Es ist doch menschlich: Erst erreichst du etwas, dann bestätigst du was – und jetzt?“ Es wird die große Aufgabe in dieser Saison, die Motivation hochzuhalten.

Die goldenen Meriten sind passé – der graue Liga-Alltag muss nun wieder seriös angegangen werden, und Wörle ist sich klar, dass das selbst für seine ehrgeizigen und professionellen Spielerinnen keine leichte Aufgabe wird. „Da spielst du vor 60 000 in Maracana – und jetzt wieder vor ein paar Tausend in der Liga, da ist klar ein Unterschied“, sagt er, „aber da müssen wir den Hebel ansetzen: Jede Einzelne bei uns muss sich dieser Aufgabe stellen.“ Denn die Liga ist entscheidend für die Bayern, deren Saisonziel erneute Qualifikation für die Champions League lautet. Es ist zwar nicht verboten, von der Meisterschaft zu reden, so Wörle, „aber nur wegen dieses Worts spielen wir nicht ein Prozent besser“.

Der Coach möchte wie in den letzten Jahren wieder inhaltlich, Schritt für Schritt, arbeiten, allein die „zerrissene Vorbereitung“ sorgt schon dafür, „dass wir momentan nicht so als Mannschaft auftreten können, wie wir wollen“. Wörle hat genau nachgeblättert, Resultat: „Wir hatten bei gerade mal drei Trainingseinheiten alle verfügbaren Spielerinnen am Start.“

Der Kader ist kleiner als in der vergangenen Saison, 25 statt 27, und mit Simone Laudehr, Sarah Romert, Vanessa Bürki, Lena Lotzen sowie Katharina Baunach ist die Verletztenliste bereits beachtlich. Die Qualität wurde aber trotzdem erhöht, in Simone Laudehr, Verena Faißt und Stefanie van der Gragt kamen erfahrene Spielerinnen, dazu in der 18-jährigen Anna Gerhardt ein großes Sturmtalent. Sie gewann soeben die silberne Fritz-Walter-Medaille als zweitbeste deutsche Nachwuchsspielerin. „In der Breite“, sagt Wörle, „sind wir sicher stärker geworden.“

In der Spitze auch – was ja auch nötig ist, denn der Bayern-Trainer erwartet eine Liga, die enger zusammengerückt ist. „Wolfsburg ist nach wie vor die Nummer 1, dabei bleibe ich. Dazu wird sich der 1. FFC Frankfurt wieder fangen, ebenso Potsdam, und dahinter bin ich auf Freiburg, Essen, Hoffenheim und Sand gespannt. Allen ist viel zuzutrauen.“ Vor allem den Auftakt-Gegner hat er auf dem Zettel: „Freiburg wurde in der letzten Saison Vierter, und sie wurden noch besser – da müssen wir höllisch aufpassen, zumal wir gerade erst bei 80, 85 Prozent sein können.“

Die Richtung angeben soll weiterhin Kapitänin Melanie Behringer, die in Rio Spielerin des Turniers wurde. „Sie ist ein Phänomen, wird mit jedem Jahr besser“, sagt Wörle. Dass die 30-Jährige nach dem Gold-Coup von Maracana ihre DFB-Karriere beendet hat, war „das beste Timing“, findet er, „sie ist voller Motivation für uns, das weiß ich, sie wird nicht weniger machen.“ Auch nicht im grauen Alltag, trotz goldener Erinnerungen.

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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