Wolfsburgs Lehrstunde für den Meister

Wörle: "Und dann zeigen sie ihre unfassbare Qualität"

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Bayern-Coach Thomas Wörle war beeindruckt vom Auftritt der Wolfsburgerinnen.

FC Bayern München (Frauen) - Der VfL Wolfsburg zeigt den Bayern-Frauen auf, was noch zu einem echten Top-Team fehlt: Effizienz und Erfahrung.

Unmittelbar nach dem Abpfiff zum 1:2 des Frauen-Teams des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg spielte die Regie im Grünwalder Stadion „If I were sorry“ ein. In dem Lied, mit dem sich der schwedische Sänger „Frans“ beim Eurovision Song Contest heuer auf Platz fünf trällerte, heißt es „ich würde auf Händen und Knien durch die Wüste krabbeln, unter Wasser schwimmen, bis meine Lungen explodieren, ins Feuer gehen . . . wenn es mir leidtäte“. Passte ganz gut. Denn auch die Bayern mussten gestern nicht wirklich ernsthaft Abbitte leisten. Es war eine verdiente Niederlage, ganz klar – aber auch eine überfällige.

 

Seit dreieinhalb Jahren hat der Branchenführer gegen die Münchnerinnen nicht mehr gewonnen, es war klar, dass das nicht ewig so gehen würde, sagte Melanie Behringer. „Für uns ist das überhaupt gar kein Beinbruch, gegen eine solche Mannschaft zu verlieren“, so die Kapitänin, „gegen Wolfsburg kann man verlieren. Ich fürchte da jetzt keinen großen Knacks bei uns.“

Das Spiel hatten die Bayern in der ersten Halbzeit verloren. „Da hätten wir viel mutiger sein müssen, definitiv. Wir wissen ja eigentlich, was wir können“, analysierte Melanie Behringer, „da standen wir zu tief, Wolfsburg hatte mehr Spielanteile – aber dennoch weniger Chancen.“ Und genau das war gestern der Unterschied: Während die Gastgeberinnen ein paar passable Möglichkeiten sausen ließen, in Führung zu gehen, schlug der VfL zu, als die Münchner Defensive mal kurz unsortiert gewesen ist. Und auch in der zweiten Hälfte gab es eine Lehrstunde in Sachen Effizienz für den Meister. Nach dem Ausgleich durch Vivianne Miedema in der 70. Minute „drücken wir und drücken – ich hatte das Gefühl, Wolfsburg baut ab, findet nicht zurück ins Spiel – und dann zeigen sie ihre unfassbare Qualität“, so Bayern-Trainer Thomas Wörle. Anja Mittag, eingewechselt, vollendete einen Konter zum 2:1-Sieg.

Er habe seiner Mannschaft später in der Kabine gesagt, dass das genau der Punkt sei, „den wir aus diesem Spiel herausarbeiten müssen – diese Effizienz haben wir noch nicht“, erzählte Wörle. Wolfsburg stehe „ja quasi jedes Jahr im Champions League-Finale – diese Erfahrung können wir noch nicht haben“, erinnerte Melanie Behringer, „auch wenn es keiner hören will: Es fehlt noch einiges zu Wolfsburg. Es macht eine Top-Mannschaft aus, dass sie aus ihren wenigen Chancen Tore macht. Da wollen wir hin.“

„Wir haben diese Qualität nicht in der Masse“, sagte Wörle, „die erste VfL-Elf ist Wahnsinn – und auf der Bank sitzt auch internationale Spitze.“ Die Bayern stehen nun mit vier Punkten auf Platz sieben, fünf Zähler Rückstand auf den Tabellenführer Turbine Potsdam. „Wir sind jetzt ein bisschen abgeschlagen, aber das gibt uns auch mal etwas Ruhe“, so Wörle. Vor der Länderspielpause geht es nun noch gegen Leverkusen und zum Champions League-Start gegen Hibernian Edinburgh.

„Wir müssen unsere Aufgaben erledigen und uns in der Liga Spiel für Spiel heranpirschen“, formuliert Wörle die Zielsetzung. Dass die Strapazen der Olympia-Saison noch in den Knochen stecken, verneinte Melanie Behringer: „Im Training sind wir spritzig. Das müssen wir auf den Platz bringen, dann geht es bergauf.“ Und dann erklingen auch wieder lustigere Lieder.

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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