Ex-FCB-Coach Bauermann im Interview

"Das wird ein Leckerbissen"

+
Dirk Bauermann

Teheran - Mit ihm begann das Basketball-Projekt des FC Bayern: Dirk Bauermann führte die FCB-Baskets 2011 von der ProA in die Erstklassigkeit, trainierte die Mannschaft bis 2012. Derzeit trainiert der neunmalige BBL-Meistercoach die iranische Nationalmannschaft. Im Interview spricht er über die BBL-Playoffs und seine neue Aufgabe.

Mit ihm begann das Basketball-Projekt des FC Bayern: Dirk Bauermann führte die FCB-Baskets 2011 von der ProA in die Erstklassigkeit, trainierte die Mannschaft bis 2012. Derzeit trainiert der neunmalige BBL-Meistercoach (Leverkusen und Bamberg) die iranische Nationalmannschaft. Die tz sprach mit dem 58-Jährigen über seine neue Aufgabe, das Leben im Iran und die bevorstehenden BBL-Playoffs.

Herr Bauermann, verfolgen Sie die deutsche Liga?

Bauermann: Natürlich! Ich verfolge die deutsche Liga sehr intensiv. Genauso wie die Euroleague und den Eurocup. Es ist ein gutes Zeichen für die BBL, wie sich die deutschen Mannschaften auf europäischem Parkett präsentiert haben.

Am Samstag beginnen die BBL-Playoffs. Wen sehen Sie vorn?

Bauermann: Bamberg ist aufgrund der starken Saison insgesamt und des Heimvorteils klarer Favorit. Oldenburg und Frankfurt haben eine Riesensaison gespielt, Frankfurt sogar einen internationalen Triumph feiern können. Beide werden wohl im Halbfinale aufeinandertreffen. Und auch wenn der Saisonverlauf der Bayern nicht den Erwartungen entsprochen hat, sind sie für mich die Einzigen, die die Bamberger in einer Serie schlagen können. Das wird ein riesen Halbfinale, ein echter Leckerbissen.

Sie bereiten die iranische Nationalmannschaft auf die Quali für die Olympischen Spiele in Rio vor. Wie läuft es?

Bauermann: Ich bin seit Anfang des Jahres hier. Vor zwei Wochen ist die Mannschaft das erste Mal komplett zusammengekommen und hat gemeinsam trainiert. Im Juli beginnt die Qualifikationsphase.

Wie sehen Sie die Chancen für Ihr Team?

Bauermann: Es gibt drei Qualifikationsturniere, der jeweils Erste qualifiziert sich für Rio. Unseres findet in Italien statt, Gegner sind Griechenland, Mexiko, Kroatien, Italien und Tunesien. In diesem Turnier sind wir Außenseiter. Das langfristige Ziel meiner Arbeit hier ist der Worldcup in China 2019. Da wollen wir ins Achtelfinale.

Welchen Stellenwert hat Basketball im Iran?

Bauermann: Ballsportarten haben insgesamt einen sehr hohen Stellenwert. Fußball ist auch im Iran die Volkssportart Nummer eins, dicht gefolgt von Volleyball. Zu den Derbys der beiden Fußballmannschaften in Teheran kommen 100 000 Menschen ins Stadion. An dritter Stelle steht Basketball.

Wie ist das Niveau?

Bauermann: Die iranischen Spieler haben eine ähnliche Qualität wie die deutschen. Die BBL ist insgesamt deutlich professioneller, ansonsten sind die Ligen schwer vergleichbar, weil im Iran nur zwei Ausländer auf dem Feld stehen dürfen.

Wie ist das Leben im Iran?

Bauermann: In Deutschland glauben viele, dass es ganz anders ist als in den westlichen Ländern. Das ist aber gar nicht der Fall. Natürlich sieht man immer wieder Frauen, die verschleiert sind – aber das sind etwa 10 bis 15 Prozent. Der Rest trägt Jeans und Turnschuhe. Aber ich bin als Basketballtrainer hier und versuche mich, auf den Sport zu konzentrieren. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich mich nicht sicher fühlen würde. Ganz im Gegenteil! Und ich wurde sehr warmherzig und mit großem Interesse begrüßt. Die Mentalität der Menschen ist vergleichbar mit der der Südeuropäer.

Leben Sie in Teheran?

Bauermann: Mir wurde eine Stadtwohnung in Teheran angeboten, aber das habe ich nicht angenommen. Ich wohne in einem Apartment direkt auf dem Olympischen Trainingsgelände. Das macht für mich am meisten Sinn, weil ich bei allen Einheiten auch der jüngeren Landesauswahlen dabei sein will.

Sie haben Ihren Vertrag als Nationaltrainer gerade bis 2019 verlängert, oder?

Bauermann: Richtig. Es reizt mich, diese Mannschaft über längere Zeit zu begleiten.

Das heißt, bis dahin sehen wir Sie nicht als Trainer in der BBL?

Bauermann: Man sollte nie nie sagen. Es gibt zwar eine Ausstiegsklausel, aber im Moment konzentriere ich mich total auf die Olympiaquali und den Neuaufbau. Mir macht die Arbeit große Freude.

Interview: L. Meyer

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Fehlersuche nach der zweiten Niederlage
Fehlersuche nach der zweiten Niederlage
Die Steuertricks der Superstars: Fußball wieder im Zwielicht
Die Steuertricks der Superstars: Fußball wieder im Zwielicht
Bayern verlieren in Bonn!
Bayern verlieren in Bonn!
Bayern-Basketballer gewinnen Topspiel - Korner: „Klassenunterschied“
Bayern-Basketballer gewinnen Topspiel - Korner: „Klassenunterschied“

Kommentare