Vor Basketball-Duell

Gießen-Coach: „Bayern kann einem weh tun“

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Einsamer Tonangeber: Denis Wucherer.

München - Die Bayern Basketballer sind erfolgreich in die neue Saison gestartet. Jetzt wartet das Überraschungsteam Gießen. Coach Denis Wucherer spricht über das Duell.

In diesen Tagen wird auch Denis Wucherer mal wieder von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. Natürlich werden beim Duell seiner Gießener Basketballer am Samstag (20.30 Uhr) gegen den FC Bayern auch die Erinnerungen an die Zeit hochkommen, als er selbst noch auf der anderen Seite gestanden war. Die Münchner Premierensaison in der BBL hatte er als Assistent mitmachen dürfen, und musste dann doch, noch ehe die zweite begann, mit seinem Chef Dirk Bauermann gehen. „Das Ende war vielleicht nicht so prickelnd und hat auch weh getan“, sagte der 43-Jährige, „aber das sind Erfahrungen, von denen ich irgendwann profitieren werde.“

Profitiert hat der 123-malige Nationalspieler immerhin schon einmal so weit, dass ihm das Engagement in München den Weg zum Chefcoach ebnete. Der in die zweite Liga gestrauchelte Traditionsklub aus Gießen legte den Neuaufbau auf Wucherers Schultern. Was für ihn schon einem kleinen Kulturschock gleichgekommen sein dürfte. Vom straff durchorganisierten Münchner Profibetrieb ins hessische Basketball-Provinzunternehmen mit ziemlich minimalistischen Strukturen.

Wucherer ist Chefcoach und Sportchef

Wucherer ist Chefcoach und Sportchef in Personalunion. Wo man in München das Personal inzwischen aus Topligen wie Spanien rekrutiert, blickt der gebürtige Mainzer auf der Suche nach Personal des kleinen Geldbeutels wegen nach Österreich, Schweden oder Zypern. Oder eben ins Unterhaus – vor dieser Saison holte sich Wucherer aus Gotha mit Marco Völler, Sohn von Fußball-Ikone Rudi Völler, immerhin die prominenteste Personalie an Bord. Der Erfolg spricht für sich. Bereits im zweiten Jahr führte Wucherer Gießen wieder auf die Bundesliga-Landkarte. Im vergangenen Jahr mischte man als Neuling die BBL auf, brachte sogar den alles beherrschenden Bambergern eine ihrer spärlichen Niederlagen bei und verfehlte hinreißend knapp die Playoffs.

Und auch wenn es für sein runderneuertes Team mit zwei Siegen aus den ersten drei Spielen schon wieder bestens losging, stellt sich Wucherer auf holprigere Zeiten ein. „Im letzten Jahr ist es gemessen an unseren Mitteln absolut perfekt gelaufen“, sagte er, „aber das wird nicht immer funktionieren. In Gießen wird es immer erst mal darum gehen, dass man nicht absteigt.“

“Schere geht immer weiter auf“

Natürlich träumt auch Dennis Wucherer von mehr, dass er irgendwann auch auf höherer Ebene als Chef Fuß fassen könnte. Doch nach Bamberg oder auch zum alten Arbeitgeber nach München blickt er ohne Neid. „Ich finde es toll, dass es möglich ist, so etwas hier in Deutschland zu schaffen“, betonte er, „auch wenn die Schere zwischen den immer weiter aufgeht.“ Was auch er mit seinen Profis am Samstag durchaus zu spüren bekommen könnte. „Eine Mannschaft wie Bayern hat immer das Potenzial, dich schlecht aussehen zu lassen“, sagte er.

In diesem Jahr vielleicht mehr denn je. Was Wucherer bis jetzt in dieser noch jungen Saison von seinem Ex-Klub gesehen hat, das hat ihn schwer beeindruckt. Die neuen Bayern seien tiefer, athletische – das Ganze garniert mit frischem Wind auf der Trainerbank von Aleksandar Djordjevic, einem Mann, der einmal selbst ein absoluter Weltklassespieler war. „Da ist in sehr vielen Bereichen schon sehr viel richtig gemacht worden“, sagte er, „davor kann man nur den Hut ziehen.“

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