Der neue Lenker des FC Bayern

Der Bessermacher aus Arizona

Nick Johnson war der absolute Wunschkandidat von Bayern-Trainer Sasa Djordjevic. Das Talent kommt beim US-Boy nicht von ungefähr - er hat einen prominenten Verwandten. 

München – Die Härten der neuen Zeit hat Nick Johnson schon kennengelernt. Das nasskalte München macht dem Neuzugang der Basketballer des FC Bayern noch sichtbar zu schaffen. „Ich habe immer in warmen Gegenden wie Arizona gelebt“, sagt der US-Boy und reibt sich die fröstelnden Arme, „das ist definitiv das Härteste.“

So gesehen ist es vermutlich ganz gut, dass sich Johnson über die äußeren Bedingungen in nächster Zeit nicht viele Gedanken machen muss. Der Mann muss sich mit den sportlichen Realitäten bei den Bayern vertraut machen. Und schon bald soll er es lenken, das Spiel des Teams von Trainer Aleksandar Djordjevic. Der Serbe hatte die Latte für die letzte offene Personalie schon zum Saisonbeginn hoch gelegt. Wen man hole, „das wird ein Schlüssel für diese Saison sein“, hatte Djordjevic erklärt. Dafür, wie weit die Münchner es in dieser Spielzeit wirklich bringen können.

Das klingt nach viel Ballast für einen 23-Jährigen, für den der FC Bayern die erste Profistation in Europa ist. Doch Ballast ist er gewohnt, der Mann, der sich 2014/15 im Trikot der Houston Rockets für 28 Partien in der NBA versuchen durfte. Sein inzwischen verstorbener Onkel Dennis Johnson ist eine der Legenden der besten Liga der Welt, dreimal brachte er es zum Champion. Auch sein Vater verdiente seine Brötchen als Profi. Doch die Vergleiche stören Nick Johnson nicht. Im Gegenteil, die Verwandtschaft hat ihn beflügelt. „Für mich war damit immer klar, dass Basketball das ist, was ich machen will“, sagt er.

Und so gesehen schreckt ihn auch die Aufgabe in München nicht. Aber es ist ja auch nicht so, dass Johnson, der sich dem europäischen Basketball aus Collegezeiten nahe fühlt, das zuletzt zunehmend besser funktionierende Bayern-Spiel neu erfinden müsste. Den Verantwortlichen würde es schon genügen, wenn er durch seine Präsenz seine Teamkollegen besser macht. Dass er das Zeug dazu hat, davon ist Djordjevic schon lange überzeugt. Der Bayern-Coach hatte Johnson in einem zweistündigen Telefonat von den Münchner Vorzügen zu überzeugen versucht, noch ehe der sich im Sommer – trotz ansehnlicher Vorstellungen letztlich vergeblich – im Vorbereitungscamp der Orlando Magic versuchte. „Er könnte einer der Topspieler in Europa werden, wenn er sich auf das europäische Spiel einläßt“, sagt Djordjevic.

Sportchef Marko Pesic hat inzwischen so seine Ahnung, warum Johnson der Wunschkandidat war. Man habe einen Mann gesucht, der sich mit den Kreativspielern Reggie Redding, Alex Renfroe und Anton Gavel ergänzt. Und in der Tat: „Johnson hat den Körper von Anton, den Instinkt von Alex und den Kopf von Reggie. Er ist eine Mischung aus allen dreien“, befindet Pesic. „Und er ist ein guter Junge. Das ist es, was am Wichtigsten ist.“

Bleibt nur die Frage, wann Nick Johnson seine Qualitäten zum ersten Mal im Bayern-Trikot zeigen darf. Der bekennende Fußball- und Lewandowski-Fan würde es am liebsten schon am Sonntag im BBL-Gipfel in Bamberg tun, denn: „Was gibt es schöneres als ein Debüt gegen den Titelverteidiger.“

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