Interview über Rückkehr, Basketballer und neue Halle

Hoeneß im tz-Interview: Meine Pläne mit den Bayern

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Uli Hoeneß stellt sich im November zur Wahl des Bayern-Präsidenten.

München - Uli Hoeneß spricht exklusiv in der tz über seine Pläne mit den Basketballern des FC Bayern, den neuen Etat, die Hallenfrage und die zukünftige Gestaltung des Aufsichtsrats.

Seit Anfang August ist es offiziell: Uli Hoeneß wird sich im November zur Wahl um das Amt des FCB-Präsidenten stellen. Schon jetzt ist er in viele Abläufe im Verein wieder involviert. Auch und vor allem bei seinem Herzensprojekt: dem FC Bayern Basketball. Im Sommer versprach er Basketball – im Falle einer Wiederwahl – „so zu pushen, wie es der Basketball verdient hat“. Die tz traf Hoeneß zum ersten Interview seit seiner Rückkehr in seinem Büro an der Säbener Straße und sprach mit ihm über seine Pläne mit den Münchner Korbjägern, den neuen Etat, die Hallenfrage und die zukünftige Gestaltung des Aufsichtsrats.

Herr Hoeneß, wie beurteilen Sie die Entwicklung des FC Bayern Basketball in den vergangenen zwei Jahren?

Hoeneß: Eigentlich möchte ich gar nicht viel über die Vergangenheit sprechen. Das ist nicht meine Absicht. Durch meinen Weggang vor gut zwei Jahren ist keine einfache Situation entstanden, weil ich das Projekt sehr stark mitgetragen habe. Ich finde, dass Karl Hopfner, Rudi Schels sowie die übrigen Verantwortlichen das gut geregelt haben. Wir sind 2014 noch Deutscher Meister geworden, in einer Zeit, in der ich nicht mehr aktiv sein konnte. Dass danach die Bamberger Antwort kam, war zu erwarten. Michael Stoschek (Aufsichtsratsvorsitzender von Brose Bamberg, d. Red.) hatte bereits im Vorfeld immer wieder erklärt, dass er das Feld nicht einfach so räumen würde. Wir konnten uns dennoch solide unter den besten vier Teams der Liga etablieren. Darauf können wir jetzt aufbauen.

In der Sommerpause gab es einige Veränderungen im Kader. Inwiefern waren Sie in diese Entscheidungen involviert?

Hoeneß: Ich habe diese Veränderungen beratend begleitet. Die Geschäftsführer Marko Pesic, Volker Stix und ich hatten schon immer ein sehr gutes Verhältnis. Ich habe versucht zu helfen, hauptsächlich, was das Sponsoring angeht. Wir konnten einige neue Sponsoren gewinnen. Mir war aber gleichzeitig sehr wichtig, nichts heimlich zu tun. Karl Hopfner, Rudi Schels und ich standen im regelmäßigen Austausch.

Das heißt, Sie haben bereits besprochen, wie es in Zukunft mit der Basketball-Abteilung weitergehen soll?

Hoeneß: Als ich meine Entscheidung, mich im November wieder zur Wahl um das Amt des Präsidenten zu stellen, getroffen hatte, habe ich auch bezüglich der Basketball-Abteilung mit Karl Hopfner und Rudi Schels Gespräche geführt. Ich habe gefragt, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn ich ab Oktober – ohne offizielle Funktion – hier aktiv werde. Die Antwort von Karl Hopfner lautete: „Warum nicht bereits im September?“ Es hätte einfach wenig Sinn gemacht, noch bis November zu warten, weil dann die relevanten Dinge – vor allem, was Investitionen angeht – bereits gelaufen sind. Auch Rudi Schels war einverstanden, dass ich schon jetzt aktiv eingreife. Wir haben bereits einiges erreicht und ich kann sagen, dass wir wieder angreifen werden und versuchen, die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen.

Das Saisonziel…

Hoeneß: Sicherlich! Ob das bereits in dieser Spielzeit funktioniert, wird man abwarten müssen. Schließlich haben einige Teams große Ambitionen. Ich denke, die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass sich Basketball in München etablieren lässt. Das Ziel muss sein, dass die Leute sagen: „Das, was im Audi Dome geschieht, ist spektakulär, da muss ich hin!“ Und das erreicht man am besten durch sportliche Leistungen. Daran arbeiten wir.

„Wenn Bedarf ist, werde ich neue Geldquellen auftun“

Haben Sie dieses Ziel bei der Zusammenstellung des neuen Kaders verfolgt?

Uli Hoeneß mit tz-Reporterin Lena Meyer in seinem Büro in der Säbener Straße.

Hoeneß: Ja, wir haben großen Wert darauf gelegt, dass wir Spieler verpflichten, die attraktiven Basketball spielen. Wir wollten Spieler, die für den Verein brennen, die alles geben. Das Team soll den Zuschauern ein Wow-Gefühl vermitteln. Ich denke, das ist uns mit den Verpflichtungen der neuen Spieler gelungen. Marko Pesic und seine Leute haben da das richtige Händchen. Wenn die Saison losgeht und sich aber herausstellen sollte, dass noch Bedarf da ist, dann werde ich sicherlich Geldquellen auftun, um die Mannschaft noch zu verstärken. Das wird meine Aufgabe sein.

In den vergangenen zwei Jahren wurde immer wieder ein Kopf der Mannschaft vermisst. Dieser Platz ist noch offen. Es soll noch ein Aufbauspieler verpflichtet werden.

Hoeneß: Richtig, da ist Marko Pesic gefragt. Mein Netzwerk im Basketball ist – was den Spielermarkt angeht – natürlich nicht mit dem im Fußball zu vergleichen. Marko weiß, dass wir – wenn er einen geeigneten Spieler präsentiert – alles dafür tun werden, um die finanziellen Möglichkeiten zu schaffen. Es liegt nicht am Geld, es liegt an ihm. Er ist also ein Stück weit unter Druck, uns einen Spieler zu offerieren, der diese Fähigkeiten hat.

Das klingt, als sei der Etat insgesamt deutlich gestiegen. Kann es der FCB finanziell nun mit den Bambergern aufnehmen?

Hoeneß: Da kann man schwer Vergleiche ziehen. Es wird weiterhin so bleiben, dass kein Geld vom Fußball in die Basketballabteilung fließt. Aber es ist uns – wie gesagt – gelungen, einige neue Sponsoren zu gewinnen. Wobei man bedenken muss, dass Michael Stoschek in Bamberg allein hinter der Mannschaft steht. Wenn er sich morgens entscheidet, noch mehr zu investieren, kann er das tun – ohne jemanden zu fragen.

Die Verträge vieler Zugänge sind langfristig angelegt. Sie haben immer betont, dass Ihnen das wichtig ist.

Hoeneß: Ich habe schon immer versucht, die Basketball-Abteilung des FC Bayern ein wenig anders zu führen, als es bei vielen anderen Vereinen der Fall ist. Wenn man ständig Spieler austauscht, kann kein Verhältnis der Fans zu der Mannschaft entstehen. Mir gefällt es nicht, Verträge nur für einige Wochen abzuschließen. Das Ziel muss sein, dass ein Dauerkartenbesitzer beim Kauf seiner Karte in etwa weiß, wie die Mannschaft zum Ende der Saison aussehen wird. Das hat was mit Glaubwürdigkeit zu tun.

Pesic als Berater? "Das werden wir sehen"

Im Sommer ist Svetislav Pesic als Trainer zurückgetreten, Sasa Djordjevic kam. Eine gute Entscheidung?

Hoeneß: Svetislav Pesic war durch die beiden Operationen nicht in der Lage, die Vorbereitung, die bei einer neu zusammengestellten Mannschaft elementar ist, gut zu gestalten. Er hätte frühestens im Oktober oder November zur Mannschaft zurückkehren können. Als sich das herauskristallisiert hat, hat er von sich auch gesagt, dass er sein Amt abgeben möchte. Das haben alle Verantwortlichen verstanden und respektiert.

Wird er in Zukunft eine beratende Funktion erhalten?

Hoeneß: Das werden wir sehen. Wenn er ganz gesund ist, werden wir uns zusammensetzen und darüber sprechen. Eines ist jedenfalls klar: Svetislav und der Verein haben das Verhältnis in bestem Einverständnis beendet. Es gab keine Streitigkeiten, keine Animositäten. Ich persönlich muss sagen, dass ich Svetislav auf ewig dankbar bin. Als wir ihn 2012 verpflichtet haben, war die Mannschaft am Tiefpunkt, die Basketball-Abteilung beinahe ein Trümmerhaufen. Er hat uns aus dieser Situation gebracht und sogar die Meisterschaft gewonnen. Und nun kommt eine neue Ära mit einem neuen, jungen Trainer, der bereits mehrfach bewiesen hat, dass er sein Metier beherrscht. Wir werden sehen, wohin es geht.

Gibt es – neben der Meisterschaft – weitere Vorgaben?

Hoeneß: Nein, Vorgaben gibt es nicht. Ich wehre mich auch im Fußball gegen Aussagen wie: „Das Triple muss nun geholt werden.“ Mir ist wichtig, dass die Spieler eine Vision haben. Sie müssen jeden Tag ins Training gehen und genau vor Augen haben, wohin sie wollen. Außerdem ist es mir immer ein Anliegen, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Die Spieler sollen sich wohl und aufgehoben fühlen. Zu diesem Zweck werden wir auch einige Umbauarbeiten im Audi Dome vornehmen und zum Beispiel dafür sorgen, dass die Kabinen verschönert werden.

Das heißt, die Frage nach einer neuen Halle ist wirklich komplett vom Tisch?

Hoeneß: Diese Entscheidung wurde Anfang des Jahres so getroffen und das respektiere ich. Wie sich das Ganze dann nach den Wahlen darstellt, das werden wir sehen. Wenn sich neue Möglichkeiten ergeben, die den Verein weiterbringen, dann muss man meiner Meinung nach alle Optionen überprüfen.

"Dann wird es wieder so sein, wie es früher auch war"

Wie wird es in der Vereinsspitze nach den Wahlen weitergehen? In welcher Funktion würden Sie für die FC Bayern Basketball GmbH verantwortlich sein?

Hoeneß: Als Präsident ist man ja auch automatisch im Aufsichtsrat. Und dieser ist neben der Geschäftsführung auch für die GmbH verantwortlich. Es kann gut sein, dass es dann neben mir auch einen Kollegen gibt, der sich hauptsächlich um Basketball kümmern wird. Dann wird es wieder so sein, wie es früher auch war. Meiner Meinung nach muss man kein Amt haben, um Einfluss zu nehmen. Es ist vielmehr eine Frage des Vertrauens zwischen den handelnden Personen. Ich wünsche mir, dass wir ein Präsidium haben werden, das sehr homogen zusammenarbeitet. Und da ist es völlig wurscht, wer welche Position nach außen hin vertritt. Bei Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und mir war es früher auch so: Wir waren zu dritt verantwortlich, und wenn einer nicht konnte, ist der andere gegangen. So stelle ich mir das auch im Basketball vor. Die Geschäftsführer Marko Pesic und Volker Stix sind die Profis, das Präsidium und der Aufsichtsrat werden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mir sind kurze Wege wichtig. Wir werden – auch innerhalb von 24 Stunden – eine Sitzung anberaumen, wenn es beispielsweise um die Verpflichtung eines neuen Spielers geht. Wie gesagt, mit Michael Stoschek haben wir einen Konkurrenten, der bei Investitionen gar niemanden fragen muss.

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