Klappt's in Baku mit dem ersten Sieg?

Vettel als Optimist: Lieber Animateur statt Sisyphus

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Sebastian Vettel bleibt optimistisch.

Baku - In Kanada kam Sebastian Vettel seinem ersten Saisonsieg näher denn je. Trotz eines erneuten Strategiefehlers seiner Crew glaubt der Ferrari-Star beim Großen Preis von Europa auf dem neuen Kurs in Baku ganz fest an die Erlösung.

Wäre Sebastian Vettel kein so positiv gestimmter Mensch, er würde seine Zeit bei Ferrari womöglich als Sisyphusarbeit abstempeln. Immer wieder machte sich der viermalige Formel-1-Weltmeister in dieser Saison berechtigte Hoffnungen auf einen Sieg, stets kam etwas dazwischen. In Bahrain ein Motorschaden, in China und Russland "Torpedo" Daniil Kwjat, in Australien und zuletzt in Kanada eine falsche Strategie seiner Crew.

Doch Vettel ist und bleibt Optimist, womöglich der größte unter den 22 Piloten der Motorsport-Königsklasse. Und so wird der 28-jährige Hesse nicht müde, immer wieder neu Anlauf zu nehmen, um seinen metaphorischen Felsen doch auf den Gipfel und sich selbst auf das oberste Treppchen zu befördern. Denn der Heppenheimer glaubt nicht an Schicksal - er orientiert sich an der Stärke seines Ferrari. Und die nimmt zu.

"Wir hatten ein super Wochenende, alle Verbesserungen haben sich bewährt", sagte Vettel zufrieden nach seinem zweiten Platz in Montreal: "Das Auto hat prima funktioniert, wir konnten Mercedes in Atem halten. Für mich überwiegt absolut das Positive." Kein Wunder: Erstmals in dieser Saison war Vettel in Training, Qualifying und Rennen absolut konkurrenzfähig.

Stimmung bei Ferrari hat sich gedreht

Mit einer etwas gewagteren Taktik wäre er dem siegreichen Weltmeister Lewis Hamilton (England/Mercedes) nicht nur am Start davon gezogen. Doch das spielte für Vettel im Ziel schon keine große Rolle mehr. Entscheidend sei gewesen, "dass wir den Fans zeigen konnten, dass wirklich Potenzial in diesem Auto steckt. Daran wollen wir nächstes Wochenende anknüpfen."

Die Stimmung bei Ferrari hat sich in jedem Fall gedreht, nicht zuletzt der umstrittene Teamchef Maurizio Arrivabene wittert Morgenluft. "Wir haben gezeigt, dass der Ferrari Muskeln hat", sagte der für seine bildhafte Sprache bekannte Italiener.

Der neue, kleinere und offensichtlich noch stärkere Turbolader soll den Ferrari SF 16-H bei der Premiere des Großen Preis von Europa in Baku (Sonntag, 15 Uhr/RTL und Sky) noch weiter nach vorne bringen. Der Stadtkurs in der aserbaidschanischen Hauptstadt ist die große Unbekannte im diesjährigen Kalender.

Lange, schnelle Geraden wechseln sich mit regelrechten Nadelöhren von weniger als acht Metern Breite entlang der historischen Stadtmauer ab. Die knapp sechs Kilometer lange Strecke bietet damit einen radikalen Kontrast, den man im Kalender ansonsten vergeblich sucht.

Die vielen Fragezeichen bieten naturgemäß Chancen für die Herausforderer des strauchelnden WM-Führenden Nico Rosberg (116 Punkte) sowie von Hamilton (107), der nach zwei Siegen in Folge das Momentum auf seiner Seite hat. Vettel aber ist als WM-Dritter mit 78 Punkten wieder härtester Verfolger der beiden Mercedes, die sich in Montréal erneut beharkten.

Vettel höchstselbst, der zuletzt öffentlich mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2020 kokettierte, ist der Animateur der neuen Euphorie. "Schreibt mal etwas Positives über Ferrari! Da arbeiten sich viele Menschen den Rücken bucklig, Tag und Nacht", sagte er am Sonntag einem nörgelnden italienischen Journalisten.

Die Presse im Ferrari-Land gehorchte. Die Gazzetta dello Sport, Italiens Sportblatt Nummer eins, schwärmte von der "besten Leistung Ferraris in diesem Jahr". Der Schritt nach vorn sei "unbestreitbar", der ersehnte Sieg "keine Fata Morgana mehr". Im kargen und heißen Aserbaidschan könnte die Probe aufs Exempel folgen.

sid

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