F1-Impresario im Krisengespräch

Ecclestone: Hockenheim wackelt auch 2016!

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F1-Zampano Bernie Ecclestone.

Kuala Lumpur - Bernie Ecclestone (84) bat vor dem Malaysia-Grand-Prix zur Gesprächsrunde mit ausgewählten Journalisten. Auch die tz war dabei.

Ecclestone sieht müde aus, abgekämpft. Es fällt ihm schwer, weiter den Kämpfer zu verkörpern, der er immer noch so gerne wäre. Doch Alter und das ständige Löschen von Bränden haben den „Feuerwehrmann der Königsklasse, – wie er sich am liebsten bezeichnet – zum Krieger mit stumpfen Waffen gemacht. Grund: Er sieht die Probleme der Formel 1 sehr wohl, doch ändern kann er sie nicht ohne Mehrheiten von FIA, Veranstaltern und Teams. Das scheitert aber in den meisten Fällen am Eigeninteresse der verschiedenen Parteien.

Herr Ecclestone, sind Sie frustriert, dass Sie nicht mehr so handeln können, wie Sie wollen?

Bernie Ecclestone: Nein, nicht frustriert, eher enttäuscht.

Was ist das Enttäuschende?

Bernie Ecclestone: Wir brauchen dringend neue Regeln, neue Motoren. Dazu müssen aber die Teams zustimmen. Sie stimmen aber nur dann zu, wenn es ihre eigenen Interessen nicht beschädigt. Ich kann sie sogar verstehen. Wenn ich Mercedes wäre, würde ich auch nicht sagen, die aktuelle Motorregel ist Müll. Sie haben den Erfolg schließlich verdient, weil sie den mit Abstand besten Job gemacht haben.

Red Bull droht mit Ausstieg, wenn die Formel 1 nicht mehr spannender wird. Nehmen sie solche Drohungen ernst? Red Bull hat schließlich einen Vertrag unterschrieben, der sie bis 2020 verpflichtet, an der Formel 1 teilzunehmen?

Bernie Ecclestone: Es gab auch früher schon Beispiele, dass Teams oder Hersteller ausgestiegen sind, obwohl sie einen Vertrag hatten. Wenn einer nicht mehr dabei sein will, kann man ihn schlecht dazu zwingen.

Sie wollen wieder eine einfachere Formel 1. Am liebsten mit Einheitsmotor und Einheitschassis. Dann würden sie einem Engagement von VW beispielsweise oder Audi sicher kritisch entgegenstehen?

Bernie Ecclestone: Nein überhaupt nicht. Ich habe immer offene Türen für neue Leute.

Ist die Absage des Großen Preises von Deutschland ein Warnschuss für alle Rennen in Europa? Beispielsweise für Monza?

Bernie Ecclestone: Auch Monza könnte es treffen. Was Deutschland betrifft, kann ich Folgendes nicht verstehen: Für Olympische Spiele, die Schwimm-WM oder die Leichtathletik-WM geben sie auch eine Menge Geld aus. Für die Formel 1 aber nicht.

Heißt das, die Formel 1 wird immer mehr in Länder gehen müssen, in denen der Staat aus Prestigegründen die Antrittsgelder (immer zweistellige Millionensummen) auf den Tisch legt. Wie es in China der Fall ist, in Russland, Bahrain, Abu Dhabi oder nächstes Jahr in Aserbaidschan?

Der Hockenheimring: Hier sollte 2016 wieder die Formel 1 gastieren. Doch klappt das wirklich?

Bernie Ecclestone: Nein, das heißt das nicht unbedingt. Es muss doch in Deutschland möglich sein, 100.000 Tickets zu verkaufen. Vor allen Dingen, wo ich dem deutschen Staat doch schon mit einer Subvention von 100 Millionen Dollar unter die Armen gegriffen habe (Ecclestone grinst: Er meint die Strafe, die ihm das Gericht in München 2014 wegen Beamtenbestechung aufgebrummt hat).

Können Sie denn das Rennen in Deutschland 2016 garantieren?

Bernie Ecclestone: Nein, kann ich nicht. Ich kann eigentlich gar kein Rennen garantieren. Ich habe nämlich im Laufe der Zeit gelernt, dass Verträge oft nichts wert sind.

Zum Sport: Sind Sie mit Lewis Hamilton als Weltmeister zufrieden?

Bernie Ecclestone: Ja, er repräsentiert unseren Sport besser als jeder andere. Die meisten Fahrer glauben nämlich immer noch, ihr Job wäre mit dem reinen Autofahren getan. Lewis sagt immer, was er denkt. Er geht auch gern mal auf den roten Teppich oder trägt dieses Bild von Andy Warhol um den Hals. Lewis ist ein perfekter Botschafter für die Formel 1!

Ist er auch der beste Fahrer? Wer würde denn auf dem von Ihnen gewünschten Einheitsauto gewinnen?

Bernie Ecclestone: Schwierige Frage. Ich glaube aber, dass Hamilton, Alonso und Vettel es unter sich ausmachen würden.“

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