"Würden 50 Millionen helfen?"

Ecclestone redet erstmals vor Gericht

Bernie Ecclestone
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Bernie Ecclestone vor Gericht.

München - Monatelang hat Formel-1-Boss Ecclestone nur zugehört. Im Bestechungsprozess vor dem Landgericht München ließ der 83-Jährige lieber seine Anwälte reden. Am 18. Verhandlungstag ergriff er selbst das Wort.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat sich nach monatelangem Schweigen im Münchner Bestechungsprozess erstmals selbst zu Wort gemeldet. In einer ausführlichen Aussage begründete der 83-Jährige seine Millionenzahlung an den ehemaligen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky am Dienstag mit bedrohlichen Äußerungen des Bankers. Gribkowsky habe immer wieder Anspielungen gemacht, dass er dem britischen Finanzamt belastende Informationen liefern könnte.

Ecclestone fürchtete nach eigenen Angaben eine hohe Steuernachzahlung. „Ich hätte nicht annähernd das Geld gehabt, um die Steuerforderung von zwei Milliarden Pfund zu begleichen. Ich wäre dann im Alter von 76 Jahren bankrott gewesen und ohne eine Armbanduhr.“ Um Gribkowsky zufriedenzustellen, habe er ihm deshalb Geld überwiesen - auf dessen Wunsch ohne Namensnennung.

Bislang hatte Ecclestone vor Gericht nur zum Prozessauftakt eine schriftliche Erklärung zu den Anklagevorwürfen abgegeben, die er von seinen Anwälten vorlesen ließ, und seitdem geschwiegen. Die Erklärung habe er aber nicht allein verfasst, schränkte Ecclestone ein. Am 18. Verhandlungstag schilderte er den Richtern lieber noch einmal in eigenen Worten, wie es zu der Geldzahlung an Gribkowsky kam.

Der Banker hatte damals die Aufgabe, die Formel-1-Mehrheit der Bayerischen Landesbank zu verkaufen und traf dabei immer wieder auf Ecclestone. Irgendwann ging es zwischen den beiden Männern aber nicht mehr nur um die Formel 1. Gribkowsky habe davon gesprochen, ins Immobiliengeschäft einzusteigen, erzählte Ecclestone. „Dann fing er damit an, ich könne sein Partner sein in einem Immobiliengeschäft oder ihm Geld leihen.“ Das allein war für den Milliardär Ecclestone nicht überraschend. „Was Gribkowsky mit mir gemacht hat, das kenne ich von vielen anderen Menschen auch. Leute beknien mich dauernd, ob ich ihnen Geld leihen könnte.“

Aber Gribkowsky soll einen Schritt weiter gegangen sein und darauf angespielt haben, dass Ecclestone immer noch mit seiner Familienstiftung Bambino verbunden sei, was steuerliche Konsequenzen hätte haben können. „Da bin ich dann etwas nervös geworden.“ Sein Vertrauter und Rechtsberater Stephen Mullens habe ihm geraten: „Du musst den Kerl los werden. Zahl ihn aus“, erinnerte sich der Angeklagte. „Und deshalb fragte ich Gribkowsky: Wieviel brauchst Du denn? Übertreib's aber nicht. Würden 50 Millionen Dir helfen, dass alles zu tun, was du tun willst? Das sagte ich in der Hoffnung, dass es ihn stillhalten würde.“ Das Wort „Erpressung“ benutzte Ecclestone absichtlich nicht. Das gehe ihm zu weit, für das, was passiert sei. „Denn das ist ja ein sehr schwerer Vorwurf.“

Die Staatsanwälte haben Ecclestone bislang nicht geglaubt und gehen davon aus, dass er Gribkowsky Geld gezahlt hat, um damit Einfluss auf die Auswahl des Käufers für die Formel 1 zu nehmen. Die Anklage wertet dies als Bestechung eines Amtsträgers, weil die BayernLB im Staatsbesitz ist. Der ehemalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) nährte allerdings Zweifel daran, dass dies für Ecclestone erkennbar war. „Die Landesbank ist aufgetreten wie jede andere Geschäftsbank auch“, sagte er als Zeuge. Sie habe es im Geschäftsverkehr nicht wie einen Altar vor sich hergetragen, dass sie im Staatsbesitz ist. Für ihn sei es daher verwunderlich, dass Gribkowsky in der Anklage als Amtsträger gesehen werde.

Nach dem Strafgesetz wird die Bestechung von Beamten und anderen Amtsträgern besonders hart bestraft. Sollte das Gericht von diesem Vorwurf abrücken, würde sich der mögliche Strafrahmen für Ecclestone deutlich reduzieren.

dpa

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