Nächster Kraftakt

Ecclestone: Jetzt geht es ums Vermächtnis

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Bernie Ecclestone.

London - Der Alltag hat Bernie Ecclestone wieder. Sorgen aber hat der Formel-1-Chef auch nach dem Ende seines Schmiergeld-Prozesses genug. In der Rennserie gibt es eine Reihe von Brandherden.

Dem Gefängnis ist Bernie Ecclestone entronnen, jetzt kämpft er um sein Vermächtnis in der Formel 1. Auch nach der Einstellung des Bestechungsprozesses in München türmt sich ein wahrer Problemberg vor dem streitbaren Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse. Und es stellt sich mehr denn je die Frage: Hat der 83-Jährige noch genug Kraft und die richtigen Antworten, um die Rennserie in eine krisenfeste Zukunft zu führen? Zumindest Ecclestone ist davon überzeugt. „Jetzt kann ich wieder tun, was ich am besten kann: die Formel 1 lenken“, betonte der Brite.

Schon ein paar Stunden nach seinem Abschied aus dem Münchner Landgericht saß der PS-Zampano wieder in seinem Büro am Londoner Hyde Park. Ecclestone muss nacharbeiten, die wöchentlichen Reisen nach Bayern haben ihn belastet. „Ich habe an den Wochenenden arbeiten müssen, um das aufzuholen, was ich während der Woche nicht geschafft habe“, sagte er der britischen Nachrichtenagentur PA. „Drei weitere Monate, das wäre schlecht gewesen.“

Also zahlt Ecclestone die Rekordsumme von 100 Millionen Dollar, umgerechnet 75 Millionen Euro, um sich nach Darstellung seines Anwalts Sven Thomas endlich wieder voll und ganz seinem Kerngeschäft widmen zu können. Nach mehr als 40 Jahren als Steuermann der Formel 1 weiß „Mr. E“, dass die Zweifel der vergangenen Monate seine Position ins Wanken gebracht haben. „Im Fall der Debatte über seine künftige Rolle in der Formel 1 sind die Akten keinesfalls geschlossen“, urteilte der „Guardian“.

Ecclestone muss beweisen, dass er die akuten Brandherde löschen kann. Da ist die Sorge um schwindende Zuschauerzahlen an einigen Strecken und vor dem Fernseher. Hinzu kommen die quälenden Debatten über die leiseren Turbo-Motoren und das sich ständig ändernde Regelwerk, die vom oft spektakulären Renn-Geschehen ablenken. Weil Ecclestone zudem bislang kein Interesse an einem tragfähigen Konzept für den Umgang mit den sozialen Netzwerken zeigte, fürchten die Teams um ihre Attraktivität für Fans und Sponsoren.

Für Kopfschütteln sorgte die Idee des Formel-1-Bosses, den überführten Renn-Betrüger Flavio Briatore in eine Kommission zur Verbesserung der Grand-Prix-Show zu berufen. Auf der Jagd nach frischen Einnahmen führt Ecclestone seinen Vollgas-Zirkus nun auch nach Russland und Aserbaidschan und riskiert damit weitere Schäden für das Image der Rennserie. Für den einstigen Gebrauchtwagenhändler zählt nur eins: Profitmaximierung für den Rechte-Inhaber CVC.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche haben erkennen lassen, dass sie diese Linie langfristig für gefährlich halten. Zetsche drängte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bei der Vermarktung der Formel 1 auf „Veränderungen und Entwicklungen“ und brachte die Berufung weiterer Entscheidungsträger neben Ecclestone ins Gespräch. Montezemolo forderte in einem Brief an CVC-Vorstand Donald Mackenzie einen Strategie-Gipfel.

Nur: Wie weit reicht Ecclestones Horizont noch? Wie groß ist sein Wille, die Macht zu teilen und geordnet zu übergeben? Im Alter von bald 84 Jahren sind seine Tage gezählt. Sein letzter großer Kraftakt könnte der seit längerem angedachte Börsengang der Formel 1 werden, der wohl auch wegen der Anklage gegen ihn auf Eis gelegt wurde. Mit einem weiteren Milliardenregen könnte Ecclestone seinen Arbeitgeber CVC und die internen Kritiker wieder ruhig stellen. Geld - das ist für Bernard Charles Ecclestone seit jeher die passende Antwort auf die zentralen Fragen.

dpa

Ecclestone: Bilder vom letzten Prozesstag

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