Nach Absage der Veranstalter

Ecclestone: Keine Garantie für deutschen Grand Prix

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Bernie Ecclestone kann bislang kein grünes Licht für ein Rennen in Deutschland geben.

Sepang - Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kann keine Garantie für einen Großen Preis von Deutschland im kommenden Jahr geben.

Kaum hat der Weltverband den Großen Preis von Deutschland für diese Saison abgesagt, vermeidet Chefvermarkter Bernie Ecclestone eine Garantie für Formel-1-Lauf im kommenden Jahr. „Ich kann das Rennen für 2016 in Hockenheim nicht bestätigen“, sagte der Brite am Freitag am Rand des Großen Preises von Malaysia in Sepang. Das gelte für alle Rennen, fügte er etwas abschwächend hinzu.

Keine Rolle spielt es für ihn in diesem Zusammenhang, dass die Hockenheimring GmbH noch einen Vertrag für zwei WM-Läufe in den Jahren 2016 und 2018 hat. „Das macht keinen Unterschied“, betonte er. „Eine Menge Leute haben Verträge.“

Der Internationale Automobil-Verband FIA hatte den für den 19. Juli geplanten deutschen Grand Prix vor eine Woche abgesagt. Weder der eigentliche Veranstalter Nürburgring noch Ersatzkandidat Hockenheimring hatten sich aus finanziellen Gründen in der Lage gesehen, den Lauf zu organisieren.

"Vielleicht verlange ich zu viel"

„Geld ist das Problem“, gab der geschäftstüchtige Grand-Prix-Boss als Grund für das endgültige Scheitern der langwierigen Verhandlungen an. Selbst ein Angebot von Mercedes in letzter Minute „in signifikanter Höhe“, wie das Weltmeister-Team damals mitgeteilt hatte, hatte nicht zu einem Sinneswandel gereicht.

„Vielleicht verlange ich zu viel“, räumte Ecclestone nun verschmitzt ein. Der lokale Veranstalter muss an den Rechteinhaber CVC Antrittsgebühren in zweistelliger Millionenhöhe bezahlen. Angeblich schwankt die Summe je nach Vertrag zwischen 12 und 20 Millionen. Der 84 Jahre alte Formel-1-Allmächtige rechtfertigte die Gebühr, weil „die Teams 62 Prozent des Profits“ erhielten.

Mit typisch britischem Humor versicherte Ecclestone zudem, er habe im letzten Jahr mit 100 Millionen Dollar bereits genügend Geld in Deutschland investiert. Er spielte damit auf seine Strafe im Korruptionsprozess um die BayernLB im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1-Rechte an.

Harsche Worte an die deutschen Veranstalter

Kritik übte Ecclestone an den Verantwortlichen des Nürburgrings. Diese hätten viel Geld unnötig ausgegeben. Und allgemein polterte er: „Es ist lustig, wie die Leute Geld in Dinge wie Olympia, Schwimm-WM, Leichtathletik-EM und Gott weiß wofür alles noch pumpen, um das Land zu pushen.“

Noch vor wenigen Jahren seien 100 000 zahlende Zuschauer zu den Rennen in Deutschland geströmt, „jetzt sind es noch 50 000“. Dafür trügen die Streckenbetreiber die Schuld, wies Ecclestone jegliche Verantwortung von sich.

Wenig Gefallen fand Ecclestone auch an den Auftritten von Sebastian Vettel nach seinen vier WM-Triumphen. „Seb hat nicht den richtigen Job gemacht. Lewis macht einen besseren Job“, strich er heraus, dass der aktuelle Champion Lewis Hamilton im Gegensatz zu Vettel die Öffentlichkeit nicht scheut und Glamour und Glitzer genießt.

Ein dickes Lob gab es für Mercedes, obwohl die Konkurrenz wegen der Dominanz der Silberpfeile vehement auf Regeländerungen zu ihren Gunsten pocht. „Mercedes hat einen super Job gemacht: Bester Motor, bestes Chassis, bestes Team“, schwärmte er.

Nürburgring sieht Formel 1 in der Pflicht

Die Veranstalter am Nürburgring sehen die Zukunft der Formel 1 in Deutschland auch langfristig gefährdet. „Ich denke, dass es grundsätzlich möglich ist, die Formel 1 in Deutschland zu veranstalten. Aber nicht zu den jetzigen Rahmenbedingungen“, sagte Carsten Schumacher, Geschäftsführer der Capricorn Nürburgring GmbH, am Freitag dem SID.

Einen großen Teil der Verantwortung trage dabei die Königsklasse selbst, die angesichts der Antrittsgagen in Millionenhöhe von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone derzeit zu wenig liefere. „Der Sport muss attraktiv genug sein, um wieder 80.000 Leute an die Strecke zu holen“, sagte Schumacher: „Wenn das wieder der Fall ist, kann man auch die aufgerufenen Antrittsgebühren refinanzieren.“

Gefordert seien daher „alle Stakeholder. Ich halte es nicht für legitim, die Verantwortung allein den Veranstaltern aufzubürden. So wird es nicht funktionieren.“

dpa

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