Staatsanwaltschaft hat zugestimmt

Gericht berät über Ecclestones 100-Mio.-Deal

Bernie Ecclestone
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Bernie Ecclestone.

München - Jetzt ist es offiziell: Staatsanwaltschaft und Verteidigung von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone haben sich auf die Einstellung des Korruptionsprozesses geeinigt. Jetzt muss nur noch das Gericht zustimmen. Doch das nimmt sich für seine Entscheidung lange Zeit.

Die Frage von Richter Peter Noll an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist knapp: "Bleibt's dabei?" "Ja, Herr Vorsitzender", übersetzt die Dolmetscherin die Antwort. Es soll bei der mit den Staatsanwälten ausgehandelten Einstellung seines Prozesses bleiben. Die Einigung sieht vor, dass Ecclestone 100 Millionen Dollar an den Staat zahlt und dafür das Münchner Landgericht als freier Mann verlassen darf. Für ihn gilt dann auch weiter die Unschuldsvermutung. Doch einen Haken gibt es noch: Auch die Richter um Peter Noll müssen dem Handel zustimmen.

Knapp trägt Staatsanwalt Christian Weiß vor, warum sich die Ankläger auf das Geschäft mit dem 83-Jährigen Briten eingelassen haben: Ecclestone sei alt, der Prozess belastend für ihn, außerdem habe er bei der Aufklärung des Falles geholfen, indem er die Zahlungen zugegeben hat. Nur so konnte der Ex-Landesbankvorstand Gerhard Gribkowsky, der 44 Millionen Dollar von Ecclestone angenommen hatte, zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt werden. Ecclestone selbst lasse sich nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung wohl nicht nachweisen, dass er wusste, dass er mit Gribkowsky einen sogenannten Amtsträger besticht. Doch einige Argumente der Staatsanwälte klingen regelrecht absurd: So wird zu seinen Gunsten gewertet, dass er den Käufer für die Formel 1 vermittelt habe. In der Anklage hatte man Ecclestone genau das vorgeworfen, dass er einen für sich genehmen Käufer vermittelt habe.

Doch wie viel Geld hat Ecclestone eigentlich? Sind die 100 Millionen Dollar als Geldauflage für das Geschäft angemessen? Streng beugt sich Richter Noll über Steuerunterlagen von Ecclestone. "Wären die Mittel denn überhaupt in der angemessenen Zeit flüssig zu machen?", fragt er. "Yes", sagt Ecclestone. Es heiße doch immer, dass er Milliardär sei, das gehe aus den Unterlagen nicht hervor, stellt Noll fest. "Ich möchte dazu nicht unbedingt etwas sagen", antwortet Ecclestone. "Die Zahlungsfrist von einer Woche wäre einzuhalten?", hakt der Richter nach. "Das wäre realisierbar", sagt Ecclestones Anwalt Sven Thomas. Dann zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Ungewöhnlich lange, gut dreieinhalb Stunden wollen sich die Richter Zeit nehmen. Erst um 13 Uhr soll es eine Entscheidung geben.

Vor dem Saal erklärt auch Anwalt Thomas noch einmal, warum Ecclestone bereit ist, so viel Geld zu bezahlen: "Die Hände der Justiz können überaus klebrig sein", sagt er. "Da gehen Jahre eines Lebens vorbei, die man geschäftlich nutzen könnte." Von einem "Freikaufen" könne keine Rede sein. Es handle sich um einen ganz normalen Vorgang, er selbst habe schon mehr als 1000 solcher Einstellungen für Mandanten erreicht. "Das ist kein Paragraf, der nur für die Großen dieser Welt gilt", stellt Thomas klar. "Das einzige, was außergewöhnlich ist, ist die Höhe der Geldauflage."

Kurz vor Prozessbeginn hatte Anwalt Thomas der britischen Zeitung "Independent" noch ein Interview gegeben. Darin äußert er auch einen Vorschlag, was man mit dem vielen Geld anstellen könnte: zum Beispiel eine bayerische Rennstrecke bauen. Das sei nur ein Scherz gewesen, beteuert Thomas später im Münchner Gericht. "Ich schlage doch nicht ernsthaft vor, eine Rennstrecke um Neuschwanstein zu bauen."

Philipp Vetter

Philipp Vetter

Philipp Vetter

E-Mail:philipp.vetter@merkur.de

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