Rücktrittsgerüchte um Ex-Weltmeister

Fernando Alonso: Zwischen Räuberpistole und halber Wahrheit

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Fernando Alonso bei den Tests in Barcelona.

Barcelona - Am Dienstag verselbstständigten sich Gerüchte um einen Ad-hoc-Rücktritt von Fernando Alonso. Der Ex-Weltmeister bekräftigte offiziell zwar, weitermachen zu wollen, ließ sich aber mit zweideutigen Aussagen eine Hintertür offen.

Es war ziemlich eng im Motorhome von McLaren-Honda, einen solchen Rummel um seine Person hatte Fernando Alonso schon lange nicht mehr erlebt. Schnell nahm er die Brisanz aus der Situation, wohl auch, um die Heerschar an Medienvertretern möglichst rasch loszuwerden. „Natürlich werde ich weiter Formel 1 fahren“, sagte der zweimalige Formel-1-Weltmeister, und ein kaum erkennbares Lächeln lag auf seinen Lippen: „Dieses Jahr und nächstes auch. Denn solange läuft mein Vertrag.“

Fernando Alonso in seinem neuen McLaren.

In der Enge des Motorhomes sollte sich Alonso nach seiner ersten Ausfahrt bei den Formel-1-Tests in Barcelona also über seine Zukunft äußern. Immerhin hatten die Londoner Times und etliche weitere Medien am Dienstag sehr offen mit einem möglichen jähen Ende der nicht gerade ungetrübten Ehe zwischen dem stolzen Spanier und dem 2015 im sportlichen Misserfolg dümpelnden McLaren-Team spekuliert. Die These: Sollte sich der 2016er McLaren erneut als langsames Pannen-Auto erweisen, dürfe Alonso gemäß einer Vereinbarung seinen sofortigen Rücktritt erklären.

Alonso bei Gerüchten gelassen

Was der Spanier, den nicht wenige Experten noch immer für den besten Fahrer im Feld halten, letztlich zu verkünden hatte, war zwar auf den ersten Blick eine Beruhigungspille, doch ein Ende machte er den Spekulationen mit seinen zweideutigen Aussagen nicht so richtig. Er sei es halt gewohnt, mit Gerüchten wie diesen zu leben, sagte Alonso gelassen: „Wahrscheinlich war die Pause ein bisschen zu lang für einige Journalisten.“

Routiniert und stereotyp lobte er dann die Fortschritte des neuen Autos. Er habe „keine Zweifel“ gehabt, dass „wir mehr Standfestigkeit haben würden als letztes Jahr“. Allerdings, legte er bissig nach, sei das ja auch „nicht besonders schwierig“ gewesen. Vor Jahresfrist hatte ihm der defektanfällige Honda-Motor an den ersten drei Testtagen zusammen nur 45 Runden erlaubt, nun waren es an einem einzigen Tag immerhin schon 119. Er sei jedoch, führte Alonso weiter aus, „nicht bereit, um die Welt zu reisen, ins Auto zu springen und ein bisschen Spaß zu haben. Ich will gewinnen.“

Formel-1-Saison 2016: Das sind alle Teams und Fahrer

Potenzial sieht er in erster Linie im Bereich des Chassis, das „bei den Europa-Rennen eines der besten im Feld sein könnte“ - an den Honda-Motor will er derartige Hoffnungen öffentlich nicht knüpfen. Dabei hatten die Japaner am Dienstag bekannt gegeben, ihren viel gescholtenen Sportchef Yasuhisa Arai zum 1. April auszutauschen und somit den Weg in eine bessere Zukunft freizuräumen.

Die Rücktrittsgerüchte um Alonso hatte übrigens ein englisches Wettbüro in die Welt gesetzt und auch gleich eine 3:1-Quote darauf angeboten, dass der Spanier die Saison 2016 nicht zu Ende fährt. Auf die Frage, ob er selbst diese Wette platzieren würde, antwortete Alonso: „Vielleicht sollte ich - ich weiß aber noch nicht, in welche Richtung.“

sid

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