Vor Rennen in Singapur

FIA rudert zurück: Funkverbot wieder entschärft

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Der Automobil-Weltverband FIA hat seine Regeln zum Boxenfunk kurz vor dem Rennen in Singapur wieder entschärft.

Singapur - Chaos in der Formel 1: Wenige Stunden vor dem ersten freien Training zum Großen Preis von Singapur hat der Automobil-Weltverband FIA seine erst vor wenigen Tagen aufgestellten Boxenfunk-Regeln entschärft.

Verstehen Sie Formel 1? Die besten Fahrer der Welt jetten um den Globus, die Teams bewegen Hunderte Millionen Euro, man nennt sich Königsklasse des Motorsports - und dann werden mitten in der Saison Verbote aufgestellt, nur um diese nach massiven Protesten sofort wieder zu entschärfen, bevor sie überhaupt greifen können. Die Farce um die Boxenfunk-Regeln lässt den Formel-1-Zirkus mal wieder im schlechtesten Licht erscheinen.

Bernie Ecclestone hatte den Stein persönlich ins Rollen gebracht. „Ich habe es in Gang gebracht. Die Fahrer sollten wissen, was falsch und was richtig ist“, sagte der Formel-1-Boss in Singapur: „Sie brauchen niemanden am Kommandostand, der ihnen sagt, was sie tun sollen. Die Fahrer müssen die Autos ohne Hilfe fahren.“

Soweit die Idee. Doch was der Automobil-Weltverband FIA dann daraus machte, war, wie sich in Singapur schnell herausstellte, mit heißer Nadel gestrickt und wenig durchdacht. Dass die Fahrer angesichts der Flut der Funksprüche und der detaillierten Informationen zuletzt wie ferngesteuert wirkten und sowohl sie als auch die Teams ein vitales Interesse daran haben, diesen Eindruck zu verwischen, war durchaus nachvollziehbar.

Doch so entscheidende Einschnitte in den Ablauf auf der Rennstrecke von heute auf morgen umzusetzen ist auch in der Hightech-Sportart Formel 1 schlicht unmöglich und mit erheblichen Risiken verbunden. „Die Problematik liegt darin, dass die Autos in diesem Jahr sehr kompliziert sind. Das können wir unmöglich im Auge behalten“, sagte Weltmeister Sebastian Vettel und brachte damit die Problematik auf den Punkt.

Zumal Red Bull neben Toro Rosso, Force India, Williams und Lotus zu den fünf Teams gehört, die in dieser Saison Lenkräder mit kleinen Displays benutzen, auf denen die von den Fahrern zusätzlich benötigten Informationen nur unzureichend dargestellt werden könnten.

Nach einer stundenlangen Diskussion des Formel-1-Sicherheitsdelegierten Charlie Whiting mit den Teams in Singapur wurden deshalb alle sicherheitsrelevanten Verbote wieder zurückgenommen, weiter nicht erlaubt bleiben dagegen Tipps für die Fahrer. Alle ursprünglich aufgestellten Verbote sollen aber mit Beginn der Saison 2015 greifen.

Informationen über den Spritverbrauch, den Bremsverschleiß und den Ladezustand der Batterie dürfen den Fahrern in den letzten sechs Rennen der Saison somit weiterhin mitgeteilt werden. Damit werden Vettel und Co. entscheidend entlastet.

„Wir werden noch mehr Bälle in der Luft haben, die wir fangen müssen“, hatte Mercedes-Pilot Lewis Hamilton schon gemutmaßt. Jetzt kann er sich im Titelkampf mit seinem Silberpfeil-Kollegen Nico Rosberg, der bereits fleißig „Nachhilfe“ im Simulator genommen hatte, wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Auto fahren.

Einer, den die ganze Diskussion erwartungsgemäß kalt gelassen hatte, war der „Iceman“ Kimi Räikkönen. „In meinem Fall sprechen wir offensichtlich nicht viel über Funk“, sagte der redefaule Ferrari-Finne. Sein Funkspruch „Lasst mich in Ruhe, ich weiß, was ich tue“ aus Lotus-Zeiten ist legendär. Den hatte damals auch jeder verstanden.

SID

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