"Dieses Wochenende hat alles gepasst"

Rosberg siegt in Brasilien vor Hamilton

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Nico Rosberg (Mitte) jubelt, links Lewis Hamilton, rechts Felipe Massa.

Sao Paulo - Im Titelrennen der Formel 1 darf Nico Rosberg doch noch einmal auf eine Wende hoffen. Mit seinem Sieg in Brasilien erhöhte er vor dem letzten WM-Lauf den Druck auf Spitzenreiter Lewis Hamilton.

Glücklich und abgekämpft genoss Nico Rosberg nach seinem Sieg im Millimeter-Duell mit Lewis Hamilton auf dem Podium die Samba-Klänge. Nervenstark hatte der Deutsche beim Großen Preis von Brasilien die Serie seines Mercedes-Teamkollegen gestoppt und doch noch einmal für etwas mehr Spannung beim Formel-1-Titelfinale gesorgt. „Ich bin sehr, sehr glücklich. So kann es weitergehen“, schwärmte Rosberg. Mit hauchdünnen 1,4 Sekunden Vorsprung holte er sich am Sonntag in São Paulo seinen fünften Erfolg in diesem Jahr und liegt vor dem letzten Rennen 17 Zähler hinter Hamilton. Weil in Abu Dhabi doppelte Punkte vergeben werden, wäre Rosberg bei einem Sieg doch noch Weltmeister, wenn Hamilton höchstens Dritter wird.

Nico Rosberg.

„Dieses Wochenende hat alles gepasst, ich konnte den Abstand auf Lewis immer kontrollieren“, bilanzierte Rosberg erleichtert. Für Mercedes war es bereits der elfte Doppelerfolg in diesem Jahr. Der bisherige Rekord von McLaren (10) aus der Saison 1988 ist jetzt Geschichte. „Es hat Riesenspaß gemacht, es war ein tolles Rennen“, gab sich Hamilton trotz seiner ersten Niederlage nach zuletzt fünf Siegen in Serie entspannt. „Wir können so stolz sein auf dieses Team“, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Im Schatten der erneut klar überlegenen Silberpfeile fuhr Williams-Pilot Felipe Massa bei seinem Heimrennen einen stürmisch bejubelten dritten Platz heraus. Titelverteidiger Sebastian Vettel, im Vorjahr noch Sieger in São Paulo, kam hinter McLaren-Routinier Jenson Button als Fünfter über die Ziellinie. „Schade, dass es nicht zum vierten Platz gereicht hat. Wir dachten, die McLaren wären in Reichweite“, sagte Vettel. Nico Hülkenberg sicherte sich in seinem Force India als Achter noch vier WM-Punkte. Sauber-Pilot Adrian Sutil ging als 16. erneut leer aus.

Doch am Ende ging es sowieso nur um das hauchdünne Duell zwischen den beiden Mercedes-Fahrern. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hatte schon vor dem Start überraschend deutlich Partei für Hamilton ergriffen. „Die meisten kennen Nico nicht. Deshalb wäre Lewis für den Sport der bessere Weltmeister“, sagte der Brite in einem Interview auf der offiziellen Homepage der Rennserie. Auf der Pole Position stand in São Paulo jedoch schon zum zehnten Mal in dieser Saison Rosberg. Der Deutsche erwischte wie vor Wochenfrist in Austin erneut den besseren Start als Hamilton und konnte Platz eins verteidigen.

Größter Verlierer auf den ersten Kilometern war Vorjahressieger Vettel, der nach einem Fahrfehler von Platz sechs auf Rang acht zurückfiel. „Ich habe das Auto verloren und hatte einfach keinen Schwung“, erklärte Vettel. Dort hatte der Hesse sofort seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo im Nacken und musste sich einiger Angriffe erwehren.

Schon nach sechs Runden startete der zu diesem Zeitpunkt drittplatzierte Massa den Reigen der Boxenstopps. Der Lokalmatador fuhr jedoch übereifrig zu schnell durch die Boxengasse und erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe. Problemlos lief es dagegen beim Spitzenduo. Rosberg holte sich als Erster frische Reifen und blieb hauchdünn vor Hamilton, der eine Runde später in die Box fuhr.

Ein paar Führungskilometer sammelte zum ersten Mal in dieser Saison Force-India-Pilot Hülkenberg, der sich eine andere Reifenstrategie zurechtgelegt hatte. In Runde 14 aber war das Vergnügen schon wieder vorbei, Rosberg holte sich mühelos Platz eins zurück. Aber Hamilton konnte der 29-Jährige nicht so einfach abschütteln. Zwei Sekunden lagen zwischen den Silberpfeilen, der britische WM-Spitzenreiter wollte nicht auf Nummer sicher gehen und sich mit Rang zwei begnügen.

Beinah hätte Hamilton dieses Risiko teuer bezahlt. Als Rosberg zum zweiten Reifenwechsel an die Box fuhr, setzte der Weltmeister von 2008 bei der Aufholjagd alles auf eine Karte und rutschte in Kurve eins von der Strecke. Hamilton konnte sein Auto gerade noch abfangen und weiterfahren, hatte nun aber sieben Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen. „Sorry, Jungs“, entschuldigte er sich via Funk bei seiner Crew. „Bleib ruhig“, lautete die Antwort.

Die Schlussphase des Rennens wurde dann endgültig zum packenden Duell der beiden Silberpfeil-Stars. Rosberg musste auf den letzten Runden seine ganze Fahrkunst aufbieten, um seinen Stallkollegen hinter sich zu halten. Doch der gebürtige Wiesbadener erlaubte sich keinen Fehler und hatte anders als so oft in diesem Jahr diesmal am Ende die Fahrzeugspitze hauchdünn vorn. „Das wird ihm Auftrieb geben“, befand Mercedes-Chefaufseher Niki Lauda mit Blick auf das Saisonfinale in zwei Wochen.

Weltmeister-Rechenschieber: Rosberg muss auf Hilfe hoffen

Nach Nico Rosbergs Sieg in Brasilien ist die Ausgangslage für das Formel-1-Finale in Abu Dhabi klar. Lewis Hamilton startet mit 334 Punkten ins letzte Saisonrennen und hat damit 17 Zähler Vorsprung auf seinen Mercedes-Teamkollegen Rosberg. Allerdings werden in Abu Dhabi erstmals doppelte Punkte vergeben. Die Weltmeister-Mathematik:

Lewis Hamilton wird Weltmeister, wenn

- er in Abu Dhabi gewinnt oder Zweiter wird - er vor Rosberg ins Ziel kommt - er nicht ins Ziel kommt, aber Rosberg höchstens Sechster wird

Nico Rosberg wird Weltmeister, wenn

- er gewinnt und Hamilton höchstens Dritter wird - er Zweiter wird und Hamilton höchstens Sechster - er Dritter wird und Hamilton höchstens Siebter - er Vierter wird und Hamilton höchstens Neunter - er Fünfter wird und Hamilton höchstens Zehnter

dpa

Grand Prix von Brasilien (71 Runden à 4,309 km/305,909 km), in São Paulo:

1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:30:02,555 Std. (Schnitt: 203,843 km/h); 2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 1,457 Sek.; 3. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 41,031; 4. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 48,658; 5. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 51,420; 6. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 1:01,906 Min.; 7. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 1:03,730; 8. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1:03,934; 9. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes + 1:10,085; 10. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 1 Runde; 11. Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso + 1 Runde; 12. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus + 1 Runde; 13. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1 Runde; 14. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 1 Runde; 15. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1 Runde; 16. Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber + 1 Runde

Ausfälle: Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull (40. Runde); Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (64. Runde)

Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:13,555 Min. Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:10,023 Min.

Fahrer-Wertung nach 18 von 19 Rennen: 1. Lewis Hamilton 334 2. Nico Rosberg 317 3. Daniel Ricciardo 214 4. Sebastian Vettel 159 5. Fernando Alonso 157 6. Valtteri Bottas 156 7. Jenson Button 106 8. Felipe Massa 98 9. Nico Hülkenberg 80 10. Kevin Magnussen 55 11. Kimi Räikkönen 53 12. Sergio Perez 47 13. Jean-Eric Vergne 22 14. Romain Grosjean 8 15. Daniil Kwjat 8 16. Pastor Maldonado 2 17. Jules Bianchi 2

Team-Wertung nach 18 von 19 Rennen: 1. Mercedes 651 2. Red Bull 373 3. Williams 254 4. Ferrari 210 5. McLaren Mercedes 161 6. Force India 127 7. Toro Rosso 30 8. Lotus 10 9. Marussia 2

Nächstes Rennen: GP Abu Dhabi am 23. November in Abu Dhabi

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