Erneute Regeländerung

Formel 1 schafft technische Hilfen für die Fahrer ab

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Die Piloten in der Formel 1 sollen wieder mehr Verantwortung tragen.

Spa - Nach heftiger Kritik an "ferngesteuerten" Piloten werden ab dem Rennen in Spa die Starthilfen für die Fahrer gestrichen. Einige befürchten nun Chaos auf den ersten Metern.

Den deutlichsten Satz zum Thema sprach mal wieder Bernie Ecclestone. Seine Formel 1 gelte „mittlerweile als Serie, in der man auch dressierte Affen ins Auto setzen kann“, sagte der Chefpromoter kürzlich, die Boliden seien „fast ferngesteuert“.

Ab dem Großen Preis von Belgien am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) gibt die Hightech-Serie daher freiwillig einen Teil ihrer technischen Errungenschaften auf, nicht nur die Fans wollten es so: Für einen schnellen Start sind die Fahrer von nun an wieder selbst verantwortlich, die elektronischen Hilfen an der Ampel sind ab sofort verboten.

„Damit drehen wir erstmals die Technologie zum Wohle des Entertainments runter“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, „die Piloten sollen wieder mehr Verantwortung tragen.“ Was selbstverständlich klingt in der Königsklasse des Motorsports - die Fahrer bewegen die Autos - ist durchaus ein großer Schritt für die Formel 1. Im Zuge der heftigen Kritik an Langeweile in der Rennserie hatten die Macher das neue Startreglement vor wenigen Wochen im Eilverfahren durchgesetzt. In der kommenden Saison sollen weitere Technikhilfen schrittweise abgeschafft werden.

Zunächst fällt nun aber der voreingestellte Start weg, die Fahrer müssen wieder mehr tun als reagieren und Gas geben. „Es ist wie beim Kavalierstart mit dem Golf an der Ampel: Ich muss den Punkt finden, wo die Kupplung greift, wo mit dosiertem Gas begonnen wird“, erklärt RTL-Experte Christian Danner im Gespräch mit dem SID: „Und genau das wurde im Formel-1-Auto per Zuruf der Ingenieure immer ganz exakt voreingestellt, die können den genauen Punkt mithilfe der Telemetrie-Daten ermitteln.“

Auch unter Berücksichtigung von Reifen- und Kupplungstemperatur sowie vom Grip auf der Strecke müssen die Fahrer den optimalen Schleifpunkt nun also selbst finden. Wolff begrüßt den Schritt, hält aber auch Chaos zum Rennstart für möglich. „Bringt es uns nie gekannte Abwechslung am Start oder nie gekanntes Drama?“, sagte er bei autosport.com: „Vielleicht müssen wir uns das noch einmal anschauen. Niemand von uns will völlig unvorhersehbare Starts, die das Qualifying entwerten.“

Die meisten Hauptdarsteller halten solche Szenarien allerdings für übertrieben. „Ich verstehe nicht ganz, was wir zu erreichen versuchen“, sagt etwa Ferrari-Pilot Sebastian Vettel: „Ich denke nicht, dass es viel ändern wird. Es gibt eine Menge schlaue Menschen in der Formel 1, die Fahrer sollten in der Lage sein, viele Dinge zu machen.“ Auch Danner glaubt nicht an chaotische Szenen am Sonntagmittag: „Die hatten wochenlang Zeit, um zu üben und zu testen. Ich würde mich sehr wundern, wenn die Teams das nicht im Griff hätten.“

Grundsätzlich hält der frühere Formel-1-Pilot die Maßnahme für richtig, allerdings auch für einen Tropfen auf den heißen Stein. „Meiner Meinung nach sollten sie die Telemetrie komplett verbieten. Einfach alles. Weil das die Eigenverantwortung des Fahrers dramatisch erhöht“, sagt Danner. Das Problem sei aber immer dasselbe: „Die Formel 1 versucht sich auch im kleinsten Detail an Perfektion. Wenn aber jedes Viertelgrad der Auspufftemperatur noch nachjustiert werden kann - was hat der Zuschauer davon?“

SID

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