"Formel verrückt" statt "Formel Vettel"

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Sebastian Vettel.

Barcelona - Was geht da in der Formel 1 ab? Bei jedem Rennen ein neuer Sieger, jetzt in Spanien in Pastor Maldonado ein absoluter Außenseiter vorn. Im Titelrennen zeichnet sich kein Favorit ab.

„Formel verrückt“ statt „Formel Vettel“ - und „Formel Schumi“ ist längst glorreiche Vergangenheit: So kreuz und quer wie in dieser Saison ging es in der Königsklasse seit langem nicht mehr zu. Fünf verschiedene Sieger, sechs Titelkandidaten, und keiner weiß, wie es weitergeht. Beim Grand-Prix-Klassiker in Monte Carlo in zwei Wochen könnte es den nächsten kapitalen Knaller geben. Selbst die Rennfahrer sind ratlos angesichts des Durcheinanders.

„Es ist für alle im Moment schwierig, alles zu verstehen, was hier passiert“, stöhnte Titelverteidiger Sebastian Vettel nach seinem ernüchternden sechsten Platz beim Großen Preis von Spanien. „Williams war vor drei Wochen nirgends, nun fahren sie uns allen um die Ohren.“ Der heimliche Barcelona-Sieger Fernando Alonso beurteilte die Lage ähnlich: „Man weiß nicht, ob man gewinnt oder überhaupt in den Punkten landet. Das ist schon eine komische Situation. Es ist sehr kompliziert, die WM zu interpretieren.“

Angesichts des ebenso verrückten wie überraschenden Saisonverlaufs spricht vieles dafür, dass es bis auf weiteres bei einem engen und unkalkulierbaren Titelrennen bleibt. Eine Dominanz wie durch den Deutschen im Vorjahr zeichnet sich derzeit nicht ab. Vettel ist mit seinem technisch kastrierten Red Bull nicht in der Lage, erneut vorneweg zu preschen. Das Verbot des angeblasenen Diffusors schwächt ihn und seinen RB8 mehr als ursprünglich gedacht. Aber auch das hochgehandelte McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button, Ferrari-Fahrer Alonso oder Rückkehrer Kimi Räikkönen im bärenstarken Lotus können sich nicht absetzen.

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„Es ist schwierig, wenn es ständig auf und ab geht“, urteilte Vettel. Der zweifache Champion liegt nur dank einer besseren Platzierung vor dem punktgleichen Doppel-Weltmeister Alonso (beide 61) an der WM-Spitze. Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner ein kleiner Trost für das unbefriedigende Abschneiden auf dem Circuit de Catalunya: „Wir führen immer noch beide Weltmeisterschaften an.“

Aber nur dank Pastor Maldonados Schützenhilfe. Eigentlich müsste sich Vettel beim Williams-Kollegen zutiefst bedanken. Der Venezolaner verhinderte mit seinem sensationellen Sieg, dass die Pleite für den Heppenheimer noch deprimierender ausfiel und er und Red Bull die WM-Führung verloren.

Derweil reiben sich vor allem die roten Rivalen die Hände. „Der zweite Platz fühlt sich wie ein Sieg an. Wir haben sehr viele Punkte auf die Red Bulls und McLaren wettgemacht“, jubelte der Spanier Alonso, auch wenn er den beeindruckend fahrenden Außenseiter Maldonado ausgerechnet bei seinem Heimrennen nicht mehr vom ersten Platz verdrängen konnte. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali konstatierte angesichts des deutlichen Aufwärtstrends zufrieden: „Trotz aller unserer Schwierigkeiten zu Saisonbeginn führt Alonso die WM gemeinsam mit dem Titelverteidiger an: Das gibt allen im Team einen Riesenschub.“

Aber auch Hamilton (53 Punkte), Räikkönen (49), Mark Webber im zweiten Red Bull (48) und Button (45) liegen weiter gut im WM-Rennen. Der vom letzten Platz gestartete Hamilton sammelte nach einer brillanten Aufholjagd als Achter noch vier Punkte. Hätte der Brite seine Pole-Position nicht durch Disqualifikation verloren, wäre ihm der Sieg wohl nicht zu nehmen gewesen. Entsprechend entspannt stellte der McLaren-Mann fest: „Ich liege nur acht Punkte hinter dem Spitzenduo.“

Michael Schumacher steht dagegen in der WM-Tabelle so weit hinten wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Der Rekord-Champion aus Kerpen belegt nach drei Ausfällen und zwei zehnten Plätzen mit mageren zwei Zählern nur abgeschlagen Platz 18. Es zeichnet sich ab, dass der Mercedes-Pilot auch im dritten Jahr seit seinem Comeback keinerlei Rolle bei der Titelvergabe spielen wird.

Wegen seiner Zurücksetzung um fünf Startplätze beim Großen Preis von Monaco droht Schumacher dort der nächste Reinfall. „Ich will in Monte Carlo attackieren“, kündigte er trotz der jüngsten Rückschläge kämpferisch an. Vielleicht wird es ja der letzte Auftritt des einstigen Grand-Prix-Königs im Fürstentum an der Cote d'Azur - eine Fortsetzung seiner Karriere über diese Saison hinaus ist völlig offen.

dpa

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