"Wie zu alten Kart-Zeiten"

Funkstille verschärft Titelkampf in der Formel 1

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Lewis Hamilton (vorne) kämpft gegen Nico Rosberg (hinten) um den F1-Titel.

Singapur - Der „Krieg der Sterne“ geht beim Nachtrennen in Singapur in die nächste Runde. Die neuen Boxenfunk-Regeln könnten das Duell zwischen WM-Spitzenreiter Nico Rosberg und Verfolger Lewis Hamilton entscheidend beeinflussen.

Verschärfung durch Funkstille: Die neuen Boxenfunk-Regeln bringen vor dem Großen Preis von Singapur (Sonntag, 14.00 Uhr/RTL und Sky) neue Brisanz in den Titelkampf zwischen den Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Beim spektakulären Nachtrennen in der Glitzer-Metropole sind die beiden Silberpfeil-Piloten mehr denn je auf sich allein gestellt - und freuen sich darauf.

„Ich denke, es ist der richtige Weg: Pures Racing“, sagte Rosberg in Singapur. Und auch sein ehemaliger Kart-Kumpel Hamilton fühlt sich wohl bei dem Gedanken an weniger Funkverkehr. „Ich mag es, dass wir uns wieder selbst überlassen sind. Wie zu alten Kart-Tagen. Es ist also der Schritt zurück, es wieder auf die altmodische Art zu machen“, sagte Hamilton dem englischen Sender Sky Sport News.

Wer letztlich davon profitiert, dass nicht mehr jede Kleinigkeit von der Box aus gemanaget wird, wird sich noch zeigen. Rosberg jedenfalls war schon wieder fleißig und setzte sich im englischen Brackley in den Simulator, „weil man sich so viel mehr merken muss“.

Grundsätzlich aber findet auch der Wiesbadener die neuen Regeln, die unter anderem codierte Botschaften, detaillierte Informationen über die Sektorenzeiten der Konkurrenz oder den Kraftstoffverbrauch verbieten, gut. „Es kann sehr interessant werden. Zuletzt hatten wir 100 Prozent Kommunikation, jetzt dürfen sie mir nur noch 20 Prozent davon mitteilen. Es ist also ein großer Unterschied.“

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, mit 166 Punkten einziger ernsthafter Verfolger von Rosberg (238) und Hamilton (216), nimmt die ganze Geschichte auf die gewohnt lockere, australische Art: „Wir werden alle falsch abbiegen und in die Mauer krachen.“

Der dreimalige Saisonsieger hat also weiter gut lachen, ganz im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. Der muss inzwischen über sich lesen, dass er mit geschätzten 20 Millionen Euro Jahresverdienst zu teuer geworden ist. Kein Sieg, dazu in 13 Rennen nur zweimal besser als „Schnäppchen“ Ricciardo (1,5 Millionen).

„Herr Vettel ist einer unserer teuersten Posten. Und wenn wir ihn nicht optimal nutzen können, ist das schlecht“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko der Bild: „Unser wertvollstes Mitglied kann sein Potenzial nicht ausnutzen, weil wir ihm nicht das beste Auto geben.“

Die Regel-Änderungen der Formel 1

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Für Singapur kündigt sich zumindest eine Verbesserung an: Vettel bekommt ein neues Chassis. „Es geht einfach darum, wie wohl man sich im Auto fühlt und wie gut man die Reifen nutzen kann“, so Vettel.

Die neuen Boxenfunk-Regeln sieht der 27-Jährige eher kritisch: „Bei manchen Dingen war es ein bisschen Kindergarten, es entstand der Eindruck, dass man fremdgesteuert ist. Aber die Problematik liegt darin, dass die Autos in diesem Jahr sehr kompliziert sind. Das können wir unmöglich im Auge behalten“, sagte der Heppenheimer, der zuletzt dreimal in Folge beim Nachtrennen triumphiert hatte.

Ein möglicher vierter Sieg beim vielleicht härtesten Rennen der Saison führt aber nur über die in diesem Jahr alles dominierenden Silberpfeile, die mit einer Veränderung der Getriebeübersetzung einen weiteren Joker aus der Tasche ziehen.

Auch wenn Rosberg und Hamilton jetzt im Zweifelsfall ganz allein entscheiden müssen, welcher Gang für welche Kurve der Richtige ist. Denn im Funk herrscht diesbezüglich Stille.

SID

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