Prozess gegen Testfahrer verloren

Gerichts-Urteil: Team Sauber droht Totalschaden

Guido van der Garde
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Guido van der Garde hat den Prozess gegen das Team Sauber gewonnen.

Melbourne - Sauber versinkt nach dem verlorenen Prozess gegen den ehemaligen Testfahrer Giedo van der Garde im Chaos. Sogar die Existenz des Schweizer Traditionsrennstalls steht auf dem Spiel.

Juristischer Totalschaden, Cockpit-Posse, Existenznöte: Der Traditionsrennstall Sauber droht unmittelbar vor dem Saisonstart in der Formel 1 völlig gegen die Wand zu fahren. Das Schweizer Team ist am Donnerstag vor dem Obersten Gerichtshof in Melbourne mit seiner Berufung gescheitert und muss nun alles unternehmen, damit der ehemalige Testfahrer Giedo van der Garde wie vertraglich zugesichert beim Auftaktrennen in Australien (Sonntag, 6.00 Uhr/RTL und Sky) fahren kann.

Ansonsten droht Sauber im schlimmsten Fall sogar die Beschlagnahmung der Rennautos. Dies hätte finanziell unabsehbare Folgen und könnte das Aus Saubers nach 22 Jahren in der Formel 1 bedeuten. „Wir haben in dieser Anhörung im Interesse der Gerechtigkeit entschieden“, sagten die Richter in ihrer Urteilsbegründung und stürzten Sauber damit ins völlige Chaos.

Denn: Mit der erfolgreichen Klage van der Gardes haben nun drei Piloten einen rechtlichen Anspruch, in Melbourne zu fahren. Es gibt aber nur zwei Autos. Sollte Sauber einen der beiden nominierten Stammfahrer Felipe Nasr (22, Brasilien) oder Marcus Ericsson (24, Schweden) düpieren, droht ebenfalls Ungemach. Die beiden Paydriver haben das von der Pleite bedrohte Team mit ihrer Mitgift mittels Sponsoren in Höhe von rund 40 Millionen Euro in den vergangenen Wochen erst am Leben erhalten und könnten Sauber ebenfalls verklagen, sollten sie in Australien plötzlich nicht fahren dürfen.

Am Donnerstag überschlugen sich die Ereignisse in diesem traurigen Theater förmlich. Die Richter brachen die Verhandlung sogar sauer ab und wiesen Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn an, bis Freitagmorgen 10.30 Uhr Ortszeit alle Schritte zu organisieren, um van der Gardes Recht auf ein Cockpit durchzusetzen. Das Gericht verlangte sogar, eine Besitzstandliste mit den im Fahrerlager vorhandenen Eigentum einzureichen. Damit droht dem Team nur zwei Stunden (!) vor dem Beginn des ersten freien Trainings zum Grand Prix die Pfändung seiner Boliden.

Van der Garde zog vor Gericht, weil ihm in der Vorsaison als Testfahrer ein Cockpit vertraglich zugesichert worden war. Ein Schiedsgericht in der Schweiz hatte ihm in diesem Fall bereits Recht gegeben, der Supreme Court in Melbourne bestätigte das Urteil am Mittwoch. Sauber wollte sich zu dem Ausgang der Berufung zunächst nicht äußern.

Wie um die Verwirrung komplett zu machen, wurde zudem bekannt, dass van der Garde im Moment nicht im Besitz der nötigen Superlizenz ist. Diese hatte der Niederländer erst am Mittwoch und damit wohl zu spät beantragt. Das Prozedere zur Vergabe des Dokuments beim Weltverband FIA benötigt im Normalfall rund zwei Wochen. Die FIA könnte van der Garde den Formel-1-Führerschein allerdings im Eilverfahren ausstellen. Dies gilt aber als unwahrscheinlich. „Unsere Sicherheitsabteilung in Genf behandelt den Fall“, sagte Renndirektor Charlie Whiting lapidar.

Normalerweise beantragen die Rennställe die Lizenz für ihre Piloten, Sauber hat das im Falle van der Garde aber natürlich nicht gemacht - nur für die von ihnen als Stammfahrer nominierten Nasr und Ericsson. Van der Gardes Anwälte beschuldigen Kaltenborn, das Verfahren absichtlich verschleppt zu haben, und wollen sie deshalb verklagen.

Bei der in diesem Ausmaß in der Formel 1 noch nie dagewesene Posse ist kein Ende in Sicht. Sollte van der Garde auf Grund der fehlenden Superlizenz hier in Melbourne nicht fahren dürfen, kann der 29-Jährige vor dem nächsten Rennen in Malaysia (29. März) erneut vor Gericht ziehen. Bis dahin dürfte er auch wieder im Besitz des so genannten Formel-1-Führerscheins sein. Aber dann könnte Sauber auch schon nicht mehr existieren.

SID

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