Hamilton vs. Vettel vs. Rosberg: Psychospielchen

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Die Stars der Formel 1: Nico Rosberg (v.l.), Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Foto: Diego Azubel

Zwei Formel-1-Alphatiere haben die Psychospielchen schon erfolgreich gemeistert: Titelverteidiger Lewis Hamilton und Vierfach-Champion Sebastian Vettel. Nico Rosberg allerdings noch nicht.

Sakhir (dpa) - Sebastian Vettel ignorierte Teamanweisungen. Lewis Hamilton durchlief im Debütjahr die Psychospielchen-Schule im giftigen Duell mit Fernando Alonso.

Ob auf oder neben der Strecke stellten beide mit Nachdruck klar, warum sie in der Formel 1 sind: Um zu siegen und Weltmeister zu werden. Keine leichte Aufgabe in einem Sport, bei dem die Fahrer mit ihren Teamkollegen auch noch um die WM der Konstrukteure wetteifern. Nico Rosberg muss die Nerven bewahren.

Die Akte HAMILTON

Er wirkt gestärkter denn je. Die Erfahrung macht's: 2007, in seinem Einstiegsjahr, wurde Hamilton bereits auf zig harte Proben gestellt. Alonso, als zweimaliger Weltmeister zu McLaren gewechselt, tat sich mehr als schwer gegen den Rookie. Der Zoff eskalierte, als der stolze Spanier den Briten in Ungarn bei einem Boxenstopp ausbremste. Am Ende wurden beide Vizeweltmeister, Kimi Räikkönen, in einem Ferrari, jubelte. Hamilton erholte sich davon und wurde im Jahr darauf Weltmeister.

Hamilton teilt sein Glück, teilt sein Pech, privat und beruflich über die sozialen Netzwerke mit seinen Fans. 2012 twitterte er aus Verärgerung über ein verlorenes Quali-Duell gegen Jenson Button auch ein Foto der Telemetriedaten - ein absoluter Affront gegenüber seinem damaligen McLaren-Team.

Litt er unter der Trennung von Ex-Freundin Nicole Scherzinger, drohte das oft auch seine Leistung zu beeinflussen. Seit er bei Mercedes ist, hat sich der mittlerweile 30-Jährige offensichtlich in jeder Hinsicht gefunden. Selbst das aktuelle Beziehungsaus macht ihm äußerlich nichts aus. Die Vorwürfe Rosbergs in China lächelte Hamilton weg. Er hält Rosberg schlichtweg nicht für ehrgeizig genug. Mehr Provokation geht eigentlich nicht.

Die Akte VETTEL

Vettel sieht man an, wie es auf der Strecke und mit seinen Chancen aussieht. Als es sportlich im vergangenen Jahr bei Red Bull nicht lief, stand ihm der Frust ins Gesicht geschrieben, klare Worte inklusive. Als viermaliger Weltmeister schmeckt ihm Verlieren genauso wenig wie in seiner Anfangszeit. Die Nummer 1 verdiente sich der Heppenheimer durch Resultate. Notfalls aber auch anders.

Im Teamduell mit seinem damaligen Red-Bull-Parter Mark Webber rauschte Vettel dem Australier beim Rennen 2010 in der Türkei in den Wagen. Beide mussten zum Rapport. Das Verhältnis der beiden war aber nachhaltig gestört. Als Webber in Silverstone siegte, funkte er an die Box: "Nicht schlecht für eine Nummer 2."

Vettel widersetzte sich auch mal einer klaren Teamweisung. In Malaysia sollte er 2013 hinter Webber bleiben, der dem Sieg entgegenfuhr. Vettel überholte und gewann. Er entschuldigte sich zunächst. Ein paar Tage später stellte der mittlerweile 27 Jahre alte Vettel klar: Er sei schließlich in der Formel 1 um zu gewinnen. Kompromisslos auf der Strecke, wie bei seinem hochriskanten Manöver 2012 gegen Alonso in Monza, als er den Spanier bei Höchstgeschwindigkeit ins Gras drängt. "Jetzt ist es genug", konterte Alonso damals.

Die Akte ROSBERG

Galt bei seinem Wechsel von Williams zu Mercedes als das neue Zugpferd der Silberpfeile. Doch dann bekam er den siebenmaligen Weltmeister Michael Schumacher an seine Seite. Rosberg meisterte das Duell in den drei Jahren (2010 bis einschließlich 2012) mit Bravour. Nach Schumacher kam Hamilton. Und auch das so ersehnte wettbewerbsfähige Auto, sprich ein Wagen für Siege und Titel.

Rosberg, geboren in Wiesbaden, reklamierte keine Sonderrechte für sich in dem deutschen Werksrennstall. Er will einen fairen Zweikampf unter gleichen Voraussetzungen. Der 29-Jährige hält auf der Strecke dagegen. Den Vorwurf, dass er manchmal doch nicht kompromisslos genug ist, kann er nicht immer entkräften.

Als er vom Team einmal die Order bekommt, hinter Hamilton zu bleiben, gehorchte er. Als die beiden Teamrivalen in Spa-Francorchamps mit ihren Wagen aneinandergeraten, ist es Rosberg, der öffentlich die Schuld auf sich nimmt. Als er in Shanghai am Fahrstil und der Taktik von Hamilton verzweifelt, lässt er seinem Frust nachher freien Lauf und wirft dem Briten Absicht vor.

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