Auch kein Grand Prix am Nürburgring

Nürburgring-Absage: Kein Grand Prix in Deutschland?

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Die Ampel am Nürburgring zeigt rot: Dieses Jahr wird hier kein Rennen stattfinden.

Nürburg - Die Formel 1 wird nach jetzigem Stand in diesem Jahr einen Bogen um Deutschland machen. Weder am Hockenheimring noch am wird es ein Rennen geben.

Die Hoffnungen auf ein Formel-1-Rennen in diesem Jahr in Deutschland sind auf den Nullpunkt gesunken. Der Nürburgring, im Terminkalender der Königsklasse offizieller Ausrichter des für den 19. Juli geplanten Großen Preises von Deutschland, verkündete am Donnerstag seinen Rückzug. „Aus zeitlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen“ würde es zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr machen, das Rennen auszutragen, teilte Sprecher Pietro Nuvoloni dem Sport-Informations-Dienst (SID) mit.

Hockenheimring sagt bereits am Dienstag ab

Bereits am Dienstag hatte der Hockenheimring, der seit Wochen als mögliche Alternative im Gespräch war, erklärt, dass er nicht mehr an die Ausrichtung glaube. „Ich rechne nicht mehr damit, dass der Grand Prix in diesem Jahr auf dem Hockenheimring stattfindet. Die Frist ist eigentlich abgelaufen“, hatte Geschäftsführer Georg Seiler dem SID gesagt.

Seiler betonte zwar: „Wir lieben die Formel 1.“ Er stellte aber auch klar: nicht um jeden Preis. „Ohne finanzielle Unterstützung sind uns die Hände gebunden“, sagte der Streckenchef. Bis zuletzt hatte Seiler darauf spekuliert, dass sich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone dazu durchringt, die finanziellen Risiken zu übernehmen - was zumindest bis Dienstag nicht der Fall gewesen war. Ein Hintertürchen ließ sich Seiler allerdings noch offen: „Wenn Herr Ecclestone morgen anrufen würde, hätten wir eine neue Situation. Aber daran glaube ich nicht.“

Keine Einigung mit Ecclestone

Der Nürburgring hatte laut Nuvoloni Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ein „sehr detailliertes und nachgebessertes“ Angebot unterbreitet und in diesem auch die Bereitschaft unterstrichen, einen möglichen überschaubaren finanziellen Verlust zu tragen. Weil bis dato keine Einigung erzielt werden konnte, hat der Nürburgring von sich aus nun „das Zeitfenster geschlossen“. „Wir bedauern das sehr“, erklärte Nuvoloni.

Ecclestone hatte angesichts der Unsicherheiten um den deutschen Grand Prix in der zurückliegenden Woche das Rennen für „im Moment tot“ erklärt. Vor dem Saisonauftakt in Australien hatte er versichert: „Es wird keinen Ersatz geben, wenn es nicht stattfindet.“ Zugleich hatte Ecclestone gegenüber einem anderen Medium erklärt: „Das Rennen in Deutschland ist für die Formel 1 sehr wichtig, wir wollen Deutschland nicht verlieren.“

Zum ersten Mal seit über 50 Jahren kein Grand Prix in Deutschland?

Die beiden deutschen Traditionsstrecken haben mit den schwindenden Zuschauerzahlen zu kämpfen. Das Rennen 2014 hat auf dem Hockenheimring aufgrund des geringen Interesses ein Minus von 2, 5 Millionen Euro eingefahren. Am Rennsonntag waren gerade einmal 52. 000 Zuschauer an die Strecke gekommen.

Sollte nicht in letzter Sekunde noch ein „Motorsport-Wunder“ passieren, wäre es das erste Mal seit 1960, dass kein Grand Prix in Deutschland stattfindet. Für das ausgefallene Rennen würde es keine Ersatzveranstaltung geben, die Saison würde damit noch 19 WM-Läufe umfassen.

So besteht in dem von vielen konträren wirtschaftlichen und politischen Interessen geprägten Hick-Hack noch eine minimale Chance. Sollte Ecclestone als Vertreter des Rechteeigners CVC zu finanziellen Zugeständnissen bereit sein, könnte es doch noch zu einem Gastspiel der ebenfalls kriselnden Königsklasse des Motorsports in Deutschland kommen. Am Freitag trifft sich der Weltrat des Internationalen Automobilverbands FIA in Genf zu seiner nächsten Sitzung. Dort dürfte das Deutschland-Rennen ein Thema sein.

dpa/SID

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