Formel-1-Finale in Abu Dhabi

Rosbergs Traum geplatzt: Hamilton ist Weltmeister

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Lewis Hamilton (r.) ist Weltmeister. Nico Rosberg hat das Nachsehen.

Abu Dhabi - Mercedes-Pilot Lewis Hamilton ist zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister.

Nico Rosbergs Titel-Traum ist beim WM-Triumph von Lewis Hamilton wie eine Seifenblase geplatzt. Ein verschlafener Start und ein stotternder Silberpfeil beim Showdown in Abu Dhabi raubten dem Wiesbadener jede Chance, nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel als dritter Deutscher Formel-1-Weltmeister zu werden. 32 Jahre, nachdem sein Vater Keke sich zum König gekrönt hatte, blieb dem 29-Jährigen nur die Rolle des Geschlagenen.

„Das bedeutet mir mehr als der erste Titel“, sagte ein sichtlich bewegter Hamilton, der sich bei seinem Team und seiner Familie bedankte: „Das ist der größte Tag in meinem Leben. Nico hat über das ganze Jahr einen großen Kampf geliefert, es tut mir leid, das sein Auto nicht funktionierte und er nicht kämpfen konnte.“ Rosberg wirkte frustriert, aber gefasst: „Dienstag geht“s ja schon wieder ins Auto, Lust hab ich jetzt nicht, aber ich kann noch einiges lernen für nächstes Jahr.„

Die kleinen Psycho-Spielchen, die elfte Pole Position der Saison - genutzt hat es alles nichts. Am Ende fehlten Rosberg im Rennen schlicht und einfach die Mittel, um aus eigener Kraft zum Titel zu fahren. Hamilton, der mit elf Saisonsiegen zum erfolgreichsten britischen Formel-1-Fahrer (33 Karriere-Erfolge) der Geschichte avancierte, fuhr nervenstark und fehlerfrei zu seinem zweiten Titel nach dem Triumph 2008 im McLaren-Mercedes, und einer der ersten Gratulanten kam aus dem englischen Königshaus. `Du bist eine absolute Legende“, sagte Prinz Harry via Boxenfunk. Felipe Massa (Brasilien) belegte im Williams Rang zwei vor seinem finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas.

Rosberg kroch mit seinen gravierenden Motorenproblemen letztlich nur noch über die Strecke, wurde überrundet und landete nur auf Rang 14. Das Team wollte ihn in die Box holen, doch so wollte Rosberg die Saison nicht beenden: „Ich will das hier zu Ende bringen“, funkte er in seinen Helm.

Der entthronte Champion Sebastian Vettel musste in seinem Abschiedsrennen nach 15 Jahren bei Red Bull wegen eines irregulären Frontflügels wie sein Teamkollege Daniel Ricciardo (Australien) aus der Boxengasse starten, dazu mit einem alten Motor. Am Ende reichte es für den Heppenheimer, der für drei Jahre bei Ferrari unterschrieben hat, zu Platz acht. Bei der Scuderia löst Vettel den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso ab, dessen Wechsel zu McLaren der abgedankte spanische König Juan Carlos höchstpersönlich in Abu Dhabi ausplauderte. Alonso belegte Rang neun.

Nico Hülkenberg, der auch in der kommenden Saison für Force India fahren wird, holte als Sechster noch einmal WM-Punkte, während Adrian Sutil, der sein Cockpit bei Sauber verloren hat, als 16. erneut leer ausging.

Hilflos musste Rosberg beim Start mitansehen, wie Hamilton vor ihm Richtung erste Kurve schoss. Alle Pläne waren bereits innerhalb weniger Meter über den Haufen geworfen worden, zumal auch Bottas, auf dessen Schützenhilfe Rosberg gehofft hatte, überhaupt nicht vom Fleck kam und bis auf den achten Rang zurückfiel. Hamilton setzte sich an der Spitze ab und war schnell aus dem DRS-Fenster. In dieser Konstellation war es für Rosberg unmöglich, entscheidenden Boden auf den Teamkollegen gutzumachen.

Ein erster Versuch, zu Hamilton aufzuschließen, war die Verlängerung des ersten Stints. Rosberg blieb auf den Supersoft-Reifen einfach länger auf der Strecke, hoffte so, nach dem Boxenstopp näher dran zu sein. Doch beide Crews arbeiteten schnell und fehlerlos, kein Fahrer konnte sich letztlich einen Vorteil erarbeiten. Hinter den Silberpfeilen hielt allein Massa im Williams halbwegs mit, die restliche Konkurrenz spielte im Kampf um die Podestplätze zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Rolle.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch pflügten derweil die beiden Red-Bull-Piloten durchs Feld. „Red Bull verleiht ja Flügel, deshalb haben wir jetzt neue dran“, hatte Vettel den Start aus der Boxengasse wegen des irregulären Frontflügels vor dem Rennen ironisch kommentiert.

Für Rosberg kam nach rund einem Drittel der Renndistanz vom Kommandostand die Ansage für eine neue Taktik: „Halte den Abstand zu Lewis im Rahmen. Wir planen, länger als er draußen zu bleiben.“ Rosberg selbst machte sich dann aber einen Strich durch die Rechnung, als er in der 23. Runde von der Strecke abkam und dabei gleich mehrere Sekunden verlor. Wenig später funkte er an die Box: „Ich verliere Motorpower.“

Während Massa ihm auf den Pelz rückte, diskutierte Rosberg mit seinem Team. „Es ist nicht nur das ERS, das nicht funktioniert. Bitte untersucht das jetzt“, forderte er - doch es war zu spät. Massa schnappte sich den Silberpfeil wenige Kurven später völlig problemlos. „Es geht erstmal nur darum, dass er überlebt ohne den Hybridantrieb“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Lotus-Pilot Pastor Maldonado (Venezuela) sorgte bei Rennhalbzeit für den heißesten Auftritt des Wochenendes, als sein Heck Feuer fing und er den brennenden Boliden am Streckenrand abstellen musste.

Hamilton fiel nach seinem zweiten Boxenstopp kurzfristig hinter Rosberg zurück, doch der konnte keine Gegenwehr leisten, als der Engländer ihn problemlos überholte. „Haltet mich einfach so sicher wie möglich in den Top 5 oder 6, was immer nötig ist“, funkte Rosberg, wohl wissend, dass ihm bei einem möglichen Ausfall von Hamilton Rang fünf zum Titel reichen würde. Wenig später zog auch Bottas an Rosberg vorbei, der damit auf Rang vier zurückfiel.

In der Folgezeit schimpfte Rosberg immer wieder über die Situation („Das Gaspedal macht, was es will“), kämpfte aber um jede Sekunde. Doch sein Auto schien am Ende fast stehen zu bleiben, und Rosberg wurde immer weiter nach hinten durchgereicht.

sid

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