"Unglaublich, wie eng es zugeht"

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Lewis Hamilton mit seiner Nicole und seiner Montreal-Trophäe

Montreal - Sebastian Vettel war nah dran, doch zum Sieg beim Großen Preis von Kanada reichte es wieder nicht. Dennoch freute sich der Weltmeister über wichtige Punkte. Sieger Lewis Hamilton ist verdutzt über den engen WM-Kampf.

Weltmeister Sebastian Vettel hatte es nach dem erneut verpassten ersten Kanada-Triumph ganz eilig, Rekordchampion Michael Schumacher sogar schon vor Ende des Rennens seinen Koffer gepackt. Während dem Altmeister der fünfte Ausfall im siebten Rennen die Laune mächtig verhagelt hatte, konnte Vettel mit „wichtigen Punkten“ für Platz vier noch leben. Seine schnelle „Flucht“ aus Montreal schon zwei Stunden nach dem Rennen war schon vorher geplant, denn schon am Montag wurde der Red-Bull-Pilot in New York gebraucht.

Neben dem Dreh eines Musikvideos für einen Sponsor stand für Vettel vor allem eine Premiere auf dem Programm. Mit einem Straßenauto sollte der Champion als erster Fahrer den neuen Stadtkurs vor der Skyline von Manhattan in New Jersey umrunden, bevor dann noch ein Besuch bei US-Star-Talker und Motorsport-Fan David Letterman geplant war. „Darauf freue ich mich ganz besonders“, sagte Vettel, für den die späte Taktikänderung zu einem zweiten Reifenwechsel nötig und richtig war.

„Vor dem Stopp war ich drei Sekunden hinter Fernando Alonso, letzten Endes sind wir vor ihm ins Ziel gekommen“, sagte Vettel über seinen vierten Platz: „Wir konnten immerhin wichtige Punkte sammeln und so wie es aussieht, ist man auch wirklich auf jeden einzelnen angewiesen.“

Denn die Formel 1, die in Lewis Hamilton ihren siebten Sieger im siebten Rennen erlebte, ist spannend und ausgeglichen wie nie zuvor. Die ersten Vier der Gesamtwertung - McLaren-Pilot Hamilton (88 Punkte), Ferrari-Mann Alonso (86), Vettel (85) und dessen Red-Bull-Kollegen Mark Webber (79) - trennen gerade einmal sieben Punkte. Selbst Mercedes-Pilot Nico Rosberg könnte bei 21 Zählern Rückstand mit einem Sieg beim nächsten Rennen in Valencia (24. Juni) theoretisch sogar auf Platz eins springen.

„Es ist unglaublich, wie eng es zugeht. Wir haben einen Sieg und 25 Punkte geholt, doch mein Vorsprung beträgt gerade einmal zwei Zähler. Ich denke, so wird es auch bis zum Jahresende bleiben. Das zeigt, wie wichtig die Konstanz ist“, sagte Hamilton, der sich allerdings wünschen würde, dass es bei sieben verschiedenen Siegern in dieser verrückten Saison bleiben möge.

Doch nicht nur der Franzose Romain Grosjean (Lotus) und der Mexikaner Sergio Perez (Sauber), die in Montreal als Zweiter und Dritter schon jeweils zum zweiten Mal in diesem Jahr auf das Siegerpodest fuhren, sind weitere Sieg-Kandidaten. Auch Grosjeans Teamkollege Kimi Räikkönen (Finnland), der Brasilianer Felipe Massa im zweiten Ferrari oder Schumacher könnten an einem perfekten Tag ganz vorne landen. Die bisher meisten Sieger in einem Jahr hatte es 1982 gegeben, als in 16 Rennen gleich elf verschiedene Fahrer vorne waren. Damals holte Nico Rosbergs Vater Keke mit nur einem GP-Sieg den WM-Titel.

„In diesem Jahr braucht man sicher mehr als einen Sieg“, meinte Alonso, der vielleicht auch deshalb versucht hatte, aggressiv mit der Ein-Stopp-Strategie auf Sieg zu fahren. „Wir waren in der Lage, das Rennen zu gewinnen“, zog der Spanier, der mit stark nachlassenden Reifen ohne den zweiten Wechsel in den letzten Runden noch vom zwischenzeitlichen ersten auf den fünften Platz durchgereicht worden war, trotz des Verlustes der WM-Führung ein positives Fazit.

In den italienischen Medien hagelte es aber gleich wieder Kritik für die Scuderia. „Ferrari verschwendet alles! Ein selbstmörderisches Rennen in Montreal“, schrieb Tuttosport. „Ferrari, was für ein Fehler!“, klagte Il Messaggero. Wie Alonso schaute aber auch Vettel auf die positiven Aspekte. „Wir haben auf jeden Fall viel gelernt und nehmen das hoffentlich mit in die nächsten Rennen“, meinte der Weltmeister.

sid

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