Deutscher fühlt sich beim Shanghai-GP gebremst

Neuer Zoff zwischen Rosberg und Hamilton

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Bricht zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg eine neue Eiszeit aus?

Shanghai - Lewis Hamilton hat den Großen Preis von China gewonnen. Danach war Stallrivale Nico Rosberg ziemlich angefressen. Der Zweitplatzierte fühlte sich vom Engländer ungerecht behandelt.

Nach der erneuten bitteren Pleite gegen seinen Stallrivalen Lewis Hamilton platzte dem sonst so besonnenen Nico Rosberg erstmals in aller Öffentlichkeit der Kragen. „Es ist interessant, von dir zu hören, Lewis, dass du nur an dich selbst gedacht hast. Das hat mein Rennen negativ beeinflusst“, blaffte Rosberg den Engländer bei der Pressekonferenz in Shanghai an und eröffnete damit eine neue Episode im „Krieg der Sterne“.

Weltmeister Hamilton siegte beim Großen Preis von China und baute seine Führung in der WM-Wertung aus, Mercedes-Kollege Rosberg wurde vor Sebastian Vettel im Ferrari zwar Zweiter, konnte sich darüber aber kein bisschen freuen und war stattdessen auf 180. „Ich musste langsamer fahren als nötig“, sagte der Wiesbadener: „Da habe ich von der Strategie her einiges verloren.“ Hamilton fuhr ihm an der Spitze zu langsam, er selbst konnte ihn aber wegen des dann höheren Reifenverschleißes nicht überholen und bekam durch das reduzierte Tempo von hinten selbst Druck von Vettel.

„Mich ärgert das sehr, denn so habe ich wichtige Rennzeit verloren“, sagte Rosberg: „In den letzten Runden ging dann nichts mehr, weil die Reifen abgebaut hatten.“ Hamilton, der überlegen seinen zweiten Saisonsieg feierte, hatte nur ein Grinsen dafür übrig und sagte: „Mein Job ist es nicht, nach Nicos Rennen zu schauen. Nico hätte versuchen können vorbeizufahren. Das hat er nicht gemacht.“ In der WM-Wertung führt Hamilton nach drei Rennen nun mit 68 Punkten vor Vettel (55) und Rosberg (51).

Nach dem Sieg von Vettel vor zwei Wochen in Malaysia hatten die erstarkten Silberpfeile das Rennen vor den Toren der chinesischen Millionen-Metropole von der ersten Runde an im Griff. Ferrari um Vettel und den viertplatzierten Kimi Räikkönen hatte der Übermacht der erstarkten Silberpfeile nichts entgegenzusetzen. „Wir sind sehr glücklich über den Abstand zu Ferrari und darüber, dass wir sie wieder schlagen konnten“, sagte Rosberg.

Eigentlich hätte es ein entspannter Doppelsieg für Mercedes werden können, doch schon während des Rennens eskalierte der Streit über den Boxenfunk. „Wenn Lewis weiter so langsam fährt, stecke ich in seinem Windschatten fest und ruiniere meine Reifen“, funkte Rosberg an die Box. Anschließend wurde Hamilton mit einem ungewöhnlichen Funkspruch aufgefordert, das Tempo zu erhöhen. „Lewis, gib ein bisschen mehr Gas“, lautete die Anweisung.

Schlitzohr Hamilton war sich im Ziel keiner Schuld bewusst, allerdings ist es dem zweimaligen Weltmeister durchaus zuzutrauen, dass er mit einem ähnlichen Szenario spekuliert und es erzwungen hat. Sein Sieg war aber auch so ungefährdet, schließlich dominierte der Polesetter das gesamte Wochenende nach Belieben und bleibt der große Favorit auf die Weltmeisterschaft.

Mercedes muss in dieser Form keinen Gegner fürchten und kann sich unter anderem durch interne Streitereien wohl nur selbst schlagen. Das musste auch Vettel anerkennen, der in seinem dritten Rennen für Ferrari zum dritten Mal das Podest erreichte. „Dieses Podium ist wieder ein großer Erfolg für uns. Wir haben versucht, Mercedes unter Druck zu setzen, doch am Ende waren sie zu schnell. Trotzdem haben wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte der viermalige Weltmeister.

Bei der Pressekonferenz saß der 27-Jährige Heppenheimer direkt daneben, als Rosberg Hamilton öffentlich Egoismus vorwarf. Vettel schien ebenso überrascht über die verbale Attacke wie viele Experten. Eigentlich ist Rosberg ein Medienprofi und hat sich immer im Griff, doch in dieser Saison kriegt er gegen den bärenstarken Hamilton auch sportlich keinen Stich. In drei Rennen holte Hamilton dreimal die Pole und hängte Rosberg auch jedes Mal im Rennen ab.

Den nächsten Showdown gibt es schon am kommenden Wochenende in Bahrain. Und vielleicht stellt sich Hamilton ja dann auch wieder gerade auf seinen Startplatz und schneidet seinem Nebenmann nicht schon mit dem ersten Tritt aufs Gas die Ideallinie ab. So wie in Shanghai.

SID

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