Formel 1

Zoff zwischen Nürburgring und Hockenheim

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Möglicherweise gastiert die Formel 1 ab 2015 für fünf Jahre wieder jährlich am Nürburgring.

Koblenz - Das Knallen der Korken am Nürburgring ließ die Betreiber in Hockenheim vor Wut schäumen. Zwischen den Ausrichtern der traditionsreichen Formel-1-Rennen ist am Dienstag ein handfester Streit entbrannt.

Drei Monate nach dem Erwerb des Kurses vermeldete die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) ein grundsätzliches Übereinkommen mit Promoter Bernie Ecclestone, den Deutschland-Grand-Prix der Motorsport-Königsklasse ab 2015 für mindestens fünf Jahre in der Eifel stattfinden zu lassen.

In Baden-Württemberg löste die Bekanntgabe des angeblichen Deals Wut und blankes Entsetzen aus. „Es ist eine Frechheit, dass diese Pressemitteilung herausgegeben wurde. Es gibt in der Formel 1 ein ungeschriebenes Gesetzt, das besagt: Kein Versand von Pressemitteilungen, wenn man sich im Verhandlungszustand befindet“, sagte Hockenheim-Geschäftsführer Georg Seiler dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Das ist rufschädigend. Erst geht man pleite zu Lasten des Steuerzahlers, und nun macht man Millionenverträge.“

Zuletzt fand das Rennen im jährlichen Wechsel zwischen dem Nürburgring und Hockenheim statt. Dort pocht man darauf, auch 2016 und 2018 die vertraglich zugesicherten Rennen auszutragen. „Wir freuen uns auf den Grand Prix von Hockenheim“, sagte Seiler, demzufolge Ecclestone nicht die Möglichkeit habe, den Kontrakt aufzulösen. Seiler betonte, er sehe den Briten als fairen Partner und habe keinen Grund, das anders zu sehen: „Er kann und will den Vertrag nicht kündigen.“

Ganz so einfach scheint die Lage jedoch nicht zu sein, denn Ecclestone ließ dem Fachmagazin „auto motor und sport“ ausrichten: „Es spricht nichts gegen Hockenheim, außer dass es den Anschein hat, dass unsere Freunde in Hockenheim nicht in der Lage sind, unsere Bedingungen zu erfüllen.“ Deswegen habe man einen Spezialvertrag gemacht: „Aber auf dieser Basis können wir nicht ewig weitermachen.“

Laut „auto motor und sport“ gibt es Klauseln, nach denen der bestehende Vertrag kündbar ist, sobald ein Veranstalter bessere Konditionen anbietet. „Wenn wir mit dem Nürburgring ein langfristiges Abkommen abschließen, dann ist es das Beste den bestehenden Vertrag zu beenden und bereits 2015 mit dem neuen zu beginnen“, sagte Ecclestone.

Zuvor hatten die Nürburgring-Betreiber um Hauptgesellschafter Robertino Wild bereits von der Einigung mit Ecclestone geschwärmt. „Beide Parteien sind davon überzeugt, dass dieser Weg für alle an der Veranstaltung Beteiligten deutliche Vorteile und einen Mehrwert erbringt. So haben Fans und Zuschauer Gewissheit, wo und wann das Highlight in der Königsklasse des Motorsports stattfindet“, hieß es in der Capricorn-Mitteilung.

Zudem würden sich für Sponsoren und Geschäftspartner optimale und langfristige Planungsmöglichkeiten ergeben: „Damit ist eine dauerhafte Bindung der Formel 1 am Nürburgring möglich und in greifbarer Nähe.“ Beabsichtigt sei eine dauerhafte Partnerschaft über die fünf Jahre hinaus. Für die Finanzierung kündigte Capricorn ein „neues Modell“ an, das eine ausgeglichene Gewinnverteilung vorsieht.

Der Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn hatte den insolventen Nürburgring im März für rund 102 Millionen Euro gekauft und sich gleich in seinem ersten öffentlichen Statement zur Formel 1 in der Eifel bekannt.

Die Formel 1 war seit Anfang der 50er Jahre fester Bestandteil des Nürburgrings. Bis zu Niki Laudas verheerendem Feuerunfall am 1. August 1976 fuhr die Formel 1 auf der 22,8 Kilometer langen Nordschleife, danach kehrte die Königsklasse der Eifel bis zur Fertigstellung des neuen Grand-Prix-Kurses 1984 den Rücken.

1985 fand der Große Preis von Deutschland dann noch einmal auf dem Nürburgring statt, ehe er 1986 für zunächst 20 Jahre nach Hockenheim umzog. 2007 gab es einen Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring, seit 2008 findet der Große Preis von Deutschland im jährlich wechselnden Rhythmus in Hockenheim und in der Eifel statt. Zuletzt gastierte die Formel 1 im Jahr 2013 auf dem Nürburgring, Vettel gewann erstmals den Großen Preis von Deutschland.

Von Emanuel Reinke und Jörn Schweichler

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