Red Bull droht beim Heimrennen Fiasko

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Christian Horner warnt vor einem schmachvollen Abschneiden beim Rennen in Spielberg. Foto: Valdrin Xhemaj

Red Bull rollt nur noch hinterher. Statt wie einst zu den glorreichen Vettel-Zeiten WM-Titel und Siege in Serie zu holen, fällt das Formel-1-Team des österreichischen Getränkemilliardärs Mateschitz primär durch Dauerzoff auf. Beim Heimrennen droht die nächste Pleite.

Spielberg (dpa) - Kein Sieg, keine Pole-Position, nicht einmal ein Podestplatz: Die Bilanz des Red-Bull-Teams nach sieben Saisonrennen ist niederschmetternd. Und beim Heim-Grand-Prix auf dem konzerneigenen Red Bull Ring bei Spielberg droht dem einstigen Formel-1-Serienweltmeister sogar ein Fiasko.

"Wir müssen damit rechnen, dass wir in der letzten Reihe stehen und dann auch noch Zeitstrafen kassieren, wenn es die Fahrer von der Rundenzeit her nicht in die Top Ten schaffen", wies Teamchef Christian Horner vorsorglich auf ein drohendes schmachvolles Abschneiden hin.

Voraussichtlich setzt der Rennstall beim Großen Preis von Österreich in beiden, zumindest aber in einem Boliden bereits den fünften Motor ein. Dies hätte in der Startaufstellung am Sonntag eine Strafversetzung um zehn Plätze nach hinten zur Folge, weil für die gesamte Saison nur vier Triebwerke erlaubt sind.

Die Simulation habe ergeben, dass Red Bull beim WM-Lauf auf der Berg-und-Tal-Strecke in der Steiermark wegen des Renault-Antriebs noch mehr Zeit verliere als zuletzt in Kanada, sagte Horner: "Deshalb ergibt ein taktischer Motorenwechsel dort am meisten Sinn." Berater Helmut Marko, der stets am stärksten gegen den französischen Partner stichelt, stellte frustriert fest: "Spielberg ist für uns noch schwieriger. Das Rausbeschleunigen aus den engen Kurven und dann relativ lange Geraden, das ist das Ärgste, was uns passieren kann."

Damit räumten die beiden Führungskräfte ein, dass Red Bull beim Heimspiel so oder so keine Chance auf ein achtbares Ergebnis hätte. Schließlich reichte es Daniil Kwjat zuletzt in Montreal mit Rang neun nur zu zwei Pünktchen, Daniel Ricciardo ging leer aus. Die Hoffnungen liegen auf dem Hungaroring, der dem RB 11 eher liegen sollte. Marko bleibt indes skeptisch: "Ich rechne erst zum Saisonschluss damit, dass wir wieder aufs Podium fahren können."

Der leistungsschwache Renault-Turbo sorgt in dieser Saison für Dauerquerelen zwischen den einstigen Traumpartnern. Als Sebastian Vettel zwischen 2010 und 2013 viermal Weltmeister wurde, war die österreichisch-französische Kombination das Nonplusultra.

Davon kann keine Rede mehr sein. Der rasante Abstieg deutete sich schon 2014 in Vettels letztem Jahr bei den "Roten Bullen" an: Während der deutsche Superstar sieglos blieb, glückten Ricciardo immerhin drei Erfolge gegen das dominierende Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Im WM-Kampf war Red Bull zwar ohne Chance, holte aber wenigstens Rang zwei der Teamwertung.

Dieses Jahr kommt es noch dicker: Ricciardo und Kwjat fahren hinterher, das Team ist ins Mittelfeld abgerutscht. Angeblich weist der Renault-Sechszylinder 70 PS weniger als der Mercedes-Motor auf.

Aber auch das Chassis ist keineswegs WM-würdig. "Die meisten anderen Teams, wenn nicht alle, haben einen Schritt nach vorn gemacht - sowohl beim Chassis, als auch bei den Antriebseinheiten", erklärte Ricciardo der österreichischen Nachrichtenagentur APA. "Wir haben auf beiden Seiten nicht viel gefunden. Es ist eine Art Stillstand."

Der Australier hat große Titelambitionen und deutete an, dass er nicht ewig Aufbauarbeit leisten wolle. Gerüchte, Ricciardo könnte bei Ferrari Kimi Räikkönen als Vettels Teamkollege ablösen, wies Marko zurück: "Er wird 2016 sicher für uns fahren." Zu anderen Gerüchten schwieg der gewiefte Taktiker. Angeblich erwägt Red Bull künftig den Kauf von Ferrari-Motoren. Der Vertrag mit Renault gilt bis Ende 2016. Aber auch die Franzosen haben schon mehrfach einen Ausstieg oder den erneuten Aufbau eines komplett eigenen Teams angedeutet.

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