Motorenfrage geklärt

Red Bull fährt mit TAG - Renault-Werksteam zurück

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Daniel Ricciardo wird 2016 mit einem TAG-Aggregat im Red Bull an den Start gehen.

Hamburg - Mit der Übernahme von Lotus kehrt Renault als Werksteam in die Formel 1 zurück. Red Bull wird auch weiter von den Franzosen angetrieben, nennt seinen Motor aber anders. 

Vier Männer in weißen Kitteln, alle sehr konzentriert, alle blicken gebannt auf einen Formel-1-Wagen: Doch in dem Red Bull fehlt das Wesentliche, der Motor. Aber das ändert sich jetzt. „Schweizer Ingenieurskunst füllt die Lücke in der kommenden Saison“, schreibt der Brauserennstall unter das Foto bei Twitter und gibt bekannt. Red Bull fährt in der kommenden Saison mit TAG-Antrieben.

„TAG Heuer ist eine Ikone der Formel 1 und wir sind sehr glücklich, dass wir mit dieser Marke zusammenarbeiten können“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Natürlich wird die Marke, die vor allem für ihre Uhren bekannt ist, die komplizierte Antriebseinheit inklusive Energie-Rückgewinnungssystem nicht selber bauen. Die Basis für den Motor liefert weiter Renault.

Doch weil die Franzosen mit der Übernahme von Lotus ein spektakuläres Comeback als Werksteam feiern werden, benennt Red Bull aus Marketing-Gründen den Namen des Motors einfach um. Und so ganz vertraut das Ex-Team von Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel Renault nach der abgelaufenen Pleiten-Saison, die fast zum Formel-1-Ausstieg geführt hätte, natürlich auch nicht. Der Antrieb für 2016 wird in der privaten Motorenschmiede Ilmor weiterentwickelt.

„Wir sind auch sehr zufrieden, dass sich Renault dazu entschlossen hat, dem Formel-1-Sport treu zu bleiben“, sagte Horner und holte zum Seitenhieb aus: „Ihre Zusammenarbeit mit der Firma Ilmor gibt uns Vertrauen in die Zukunft.“ Die Zusammenarbeit ist zunächst auf ein Jahr beschränkt, für 2017 ist bei Red Bull weiter alles offen. Red Bulls Schwesterteam Toro Rosso fährt 2016 wohl mit alten Ferrari-Antrieben.

Bereits in den 80er Jahren wurden Motoren in der Formel 1 nach TAG benannt. Die Firma hatte bei Porsche Turbo-Antriebe finanziert, mit denen Niki Lauda und Alain Prost im McLaren zu fünf WM-Titeln fuhren. Lauda wurde 1984 mit dem „TAG made by Porsche“ Weltmeister, Prost holte die Titel 1985 und 1986. Zudem gewann McLaren 1984 und 1985 den Konstrukteurs-Titel.

Wenige Stunden vor der Red-Bull-Bekanntgabe hatte Renault endlich den Kauf von Lotus perfekt gemacht. Neben Mercedes und Ferrari wird im März in Melbourne also ein drittes Werksteam an den Start gehen. Und die Franzosen wollen unbedingt an die alten Erfolge anknüpfen. „Unser Ziel ist es zu gewinnen, auch wenn es ein bisschen dauern wird“, sagte Renault-Chef Carlos Ghosn. 2005 und 2006 hatte Fernando Alonso für die Marke die Titel in der Fahrer- und Hersteller-WM geholt.

Bis 2009 war Renault schon einmal als Werksteam vertreten, zur Saison 2010 wurden zunächst 75 Prozent der Team-Anteile an eine Investmentgesellschaft verkauft, die in der Folge den Lotus-Rennstall aufbaute. Ein Jahr später wechselten auch die restlichen 25 Prozent den Besitzer. Renault war seither nur noch als Motorenlieferant tätig.

Nach vier Konstrukteurs- und vier Fahrertiteln mit Sebastian Vettel und Red Bull (2010 bis 2013) verlor Renault mit der Einführung der Turbo-Hybrid-Motoren 2014 allerdings den Anschluss an die Konkurrenten Mercedes und Ferrari und erntete heftige Kritik. „Wir hatten zwei Möglichkeiten: Ganz zurückkommen oder die Formel 1 ganz verlassen“, sagte Ghosn. Gespräche mit den Formel-1-Bossen hätten „das Vertrauen gegeben, die neue Herausforderung anzunehmen“.

SID

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