Hamilton siegt und holt auf

Rosberg-Verbremser kostet ihn Sieg in Monza

Lewis Hamilton, Nico Rosberg
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In Monza wurde Nico Rosberg zweiter hinter Teamkollege Lewis Hamilton

Monza - Es lief alles für Rosberg - bis er sich zweimal verbremste. Der Deutsche entschuldigt sich bei seiner Crew. Der Mercedes-Rivale macht Boden gut im bitterbösen Duell um die WM-Krone.

Nico Rosberg entschuldigte sich bei seinem Team, für seinen siegreichen Teamrivalen hatte der deutsche WM-Spitzenreiter immerhin ein paar Lobesworte parat. Zwei kapitale Fahrfehler kosteten dem gebürtigen Wiesbadener am Sonntag den Sieg beim Europa-Finale der Formel 1. Im ersten Rennen nach dem vermeintlichen Nichtangriffspakt der beiden Dauer-Duellanten jubelte dafür Lewis Hamilton vor seinem deutschen Mercedes-Rivalen. Dritter wurde am Sonntag in Monza beim Großen Preis von Italien auf dem Hochgeschwindigkeitskurs Felipe Massa im Williams.

„Es tut mir leid für meine Jungs“, sagte Rosberg noch via Boxenfunk. Bei der Siegerzeremonie stieß er nur höchst verhalten mit Hamilton an, der vor dem Nachtrennen in zwei Wochen in Singapur den Rückstand auf 22 Punkte im Klassement verkürzte. „Lewis ist heute ein tolles Rennen gefahren, er hat es verdient“, sagte Rosberg, ehe er auf fließendem Italienisch den zigtausenden Fans auf der Start- und Zielgeraden dankte. So wie der überglückliche Hamilton: „Grazie a tutti.“

Hamilton war von Pole nach technischen Problemen beim Start auf Rang vier zurückgefallen und hatte sich einmal mehr nach vorne gekämpft. Durch Rosbergs Patzer fiel ein hartes Duell mit dem Deutschen aus - zur Freude ihres Vorgesetzten. „Die Art Adrenalinschübe brauchen wir nicht mehr“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel verpasste im Red Bull als Sechster klar seinen dritten Podestrang in dieser Saison. Überholt wurde er kurz vor Schluss von seinem zuletzt zweimal nacheinander siegreichen Teamkollegen Daniel Ricciardo und verlor seinen fünften Rang: „Es war nicht ganz ideal. Ich denke, wir waren etwas zu aggressiv mit unserer Strategie. Es war mehr drin.“ Nicht so für Fernando Alonso im Ferrari: Der zweimalige Weltmeister schied nach etwas über der halben Renndistanz aus.

In der WM-Wertung verkürzte Hamilton (216) mit seinem sechsten Saisonsieg und seinem 28. Karriereerfolg den Rückstand auf Rosberg (238) um sieben Punkte auf 22 Zähler. Rechnerisch könnte er den viermaligen Saisongewinner damit schon beim nächsten Grand Prix in zwei Wochen in Singapur von der Spitze verdrängen.

Dass Rosberg die erste Schikane zum Verhängnis werden würde - wenn auch erst später im Rennen -, kam überraschend. In der Box verfolgte der Technische Direktor von Mercedes, Paddy Lowe, das Erlöschen der Roten Ampeln beim Start mit sorgenvoller Miene. Allerdings kam es anders, als viele gedacht und manche befürchtet hatten: Rosberg und Hamilton konnten sich in der engen Rechts-Links-Kurvenkombination gar nicht in die Quere kommen.

Wie Rosberg beim folgenreichen Rennen in Spa kam diesmal an Pole-Mann Hamilton kaum vom Fleck weg. Rosberg zog locker vorbei, auch Massa, Hamilton reihte sich nach der Schikane nur noch auf Rang vier ein. Direkt dahinter schon Vettel, der von Platz acht gestartet war. Der Qualifikations-Dritte Valtteri Bottas wurde im zweiten Williams zunächst bis auf Rang zehn durchgereicht. Besser hätte es für Rosberg also also nicht laufen können: Der kompromisslose Teamrivale auf gehöriger Distanz, das gefürchtete Williams-Duo auseinandergerissen.

In Runde neun von 53 Umläufen auf dem 5,793 Kilometer Kurs des Autodromo Nazionale di Monza verbremste sich Rosberg vor der Schikane aber das erste Mal und verlor einiges von seinem Vorsprung auf Hamilton. In Runde zehn schnappte sich der Brite Massa und rückte auf Rang zwei vor. In der Hamilton-Box applaudierten die Mechaniker. Der Rückstand auf Rosberg schmolz und das Versprechen des gebürtigen Wiesbadeners hätte doch noch wahr werden können. „Ich bin sicher, ihr werdet ein spannendes Duell sehen“, hatte er vor dem Start gesagt.

Denn eines war vor dem 13. Saisonlauf auch klar: Hamiton musste Boden gut machen, Rosberg konnte verteidigen. Das seit Saisonbeginn hochexplosive Teamduell hatte zuletzt in Spa seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, als Rosberg mit seinem Frontflügel einen Hinterreifen von Hamilton aufgeschlitzt hatte. Die Konsequenz: Passiert es noch einmal, gibt es drakonische Strafen. Kriegt das Team die beiden Streithähne gar nicht in den Griff, muss einer gehen.

Bis zur Rennhälfte der insgesamt 306,720 Kilometer in Monza konnte sich Hamilton zunächst nicht mehr entscheidend seinem deutschen Widersacher nähern. Zu groß war auch die Gefahr, die Reifen vor dem einzigen Wechsel zu ramponieren. Dann der Reifenwechsel: Zuerst kam Rosberg rein. Keine Probleme. Eine Runde später war Hamilton dran. Auch die Crew des Briten leistet sich keinen Fehler. Um vor Rosberg aber in die erste Kurve einzubiegen, reicht es aber nicht.

Er solle sich im Windschatten von Rosberg halten, bekam Hamilton gefunkt. Brauchte der 29-Jährige aber gar nicht lange: Rosberg verpasste nach Bremsproblemen erneut die Schikane, fuhr durch den Notausgang zurück auf die Strecke - hinter Hamilton. Am Kommandostand konnte sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen.

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dpa

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