Feier mit Familie und Kollegen

Die wilde Nacht des Party-Weltmeisters

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Nico Rosberg wird nach seiner WM-Triumph-Fahrt gefeiert.

Abu Dhabi - Nico Rosberg ist Weltmeister in der Formel 1. Und so feierte er auch nach dem größten Erfolg seiner Karriere. Die wilde Nacht des Mercedes-Piloten.

Wahre Größe zeigt sich manchmal auch im Moment des Sieges. Nach dem zweiten Platz in Abu Dhabi, der Nico Rosberg zum Titel reichte, brachen bei dem Deutschen alle Mauern und Dämme. Immer wieder kullerten bei den Siegerinterviews Tränen, immer wieder schüttelte er seinen Kopf. Es war eine Mischung aus Ungläubigkeit und Stolz, am Ende nicht nur Hamilton, sondern seine eigenen Selbstzweifel besiegt zu haben, im entscheidenden Moment dem immensen Druck standhalten zu können.

Spätestens in der Amber Lounge des Golfclubs Yas Links fiel jeglicher Druck vom neuen Weltmeister ab. Zusammen mit Frau Vivian, seiner Familie und acht Freunden, die aus der ganzen Welt eingeflogen waren, ließ es Rosberg bis in die frühen Morgenstunden krachen. Mit ihm feierten einige andere Formel-1-Piloten, unter anderem Jenson Button und Felipe Massa. Der Brasilianer griff zu fortgeschrittener Zeit sogar zum Mikrofon und tobte sich am DJ-Pult aus.

Rosberg denkt an Schumacher

Vor Rosbergs erstem PR-Auftritt als Weltmeister in Malaysia dachte der 31-Jährige in seiner Triumphnacht auch an Michael Schumacher. „Ich hoffe, dass er es mitbekommt, dass ich hier gewonnen habe. Er hat auch einen Anteil an diesem Erfolg“, zollte der aus dem Schatten seines Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton getretene Deutsche dem Rekordchampion Respekt. „Er war drei Jahre hier, hat drei Jahre gepusht, dass das Team vorankommt. Es war ein sehr interessantes Erlebnis, mit Sicherheit habe ich von diesem Erlebnis einiges auf den Weg mitgenommen“, beschrieb Rosberg den Wirkungsgrad Schumachers.

Nach 21 Rennen, acht Siegen und einem acht Monate langen nervenzerreissenden Kampf mit dem scheinbar unbezwingbaren Vollgastier Hamilton und seinen eigenen Nerven zersprengte Rosberg den Panzer stoischer Ruhe, den er sich selbst auferlegt hatte: „Für mich war es das Beste eine Wand um mich aufzubauen und von Rennen zu Rennen zu denken. Wenn du an das große Ganze denkst, macht dich das nur nervös und verrückt.“

Sebastian Vettel, der Rosberg nach dem Rennen artig und aufrichtig gratulierte und für ein Siegerselfie posierte, hatte in der abgelaufenen Saison wenig zu lachen. Nach seinen und Schumachers Erfolgen, erlebte die Formel 1 in Deutschland ein kleines Loch, der Hockenheimring steht vor dem Aus und wird vermutlich aus dem Kalender gestrichen. „Vielleicht ändert sich in Zukunft ja etwas“, meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Es wäre großartig, wenn Nico die Leidenschaft neu entfachen könnte.“ Für’s Erste darf Nico Rosberg aber einfach nur stolz auf seine Leistung sein.

Pressestimmen zu Rosberg

Khaleej Times: „Hamilton gewann die Schlacht, Rosberg aber den Krieg.“

The Guardian: „Rosbergs erster Titel war ein klassischer Sieg für den fleißigen, hartnäckigen Wettkämpfer über einen talentierteren Gegner. Es war der Triumph des Retrievers über den Windhund, der Schildkröte über den Hasen.“

Corriere dello Sport: „Rosberg – der normale König. Wie eine Elfe unter den Giganten.“

Die Presse: „Wie der Vater so der Sohn.“

Neue Zürcher Zeitung: „Rosberg hat Hamilton entthront, auf dem Podest in Abu Dhabi gaben sich die beiden Mercedes-Rivalen brav die Hand, umarmten sich sogar. Doch die beiden werden sich auch künftig nichts schenken, das ist die Botschaft der letzten, entscheidenden Runden auf der Wüsteninsel Yas.“

The Times: „Champion Nico Rosberg tritt aus Hamiltons Schatten. Als es drauf ankam, hatte der Junge mit dem Spitznamen Britney Nerven aus Stahl.“

Ralf Bach

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