"Spiegel" macht Vertragsentwurf publik

Warner-Deal: FC Bayern gerät in den Strudel der WM-Affäre

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Bälle, Taschen, WM-Tickets, mehrere Bayern-Trainingslager: Hat sich damit Jack Warner seine Stimme bei der WM-Vergabe kaufen lassen?

München - Neue Details des brisanten "Beckenbauer-Dokuments", das den DFB in der WM-Affäre 2006 schwer belastet hat, bringen auch die Bayern und Sponsor Adidas in den Dunstkreis des Skandals.

Laut des vom damaligen WM-Organisationschef Franz Beckenbauer und Ex-FIFA-Funktionär Jack Warner (Trinidad/Tobago) unterschriebenen Vertragsentwurfs, der mutmaßlich nie umgesetzt wurde, sollte der FC Bayern Trainingslager in der Karibik zusichern - mutmaßlich als Gegenleistung für Warners Stimme bei der WM-Vergabe. Beckenbauer war zur fraglichen Zeit (2000) Bayern-Präsident.

Die Bayern 2007 im Trainingslager in Dubai. Laut "Spiegel" waren  Übungscamps in Karibik Teil des wohl nie umgesetzten Deals mit Jack Warner.

„Die Bayern hätten jedes Jahr ein dreiwöchiges Trainingslager gemeinsam mit einem Team aus dem amerikanisch-karibischen Verband CONCACAF durchführen müssen“, schreibt der Spiegel. Warner war damals CONCACAF-Chef. Der DFB sollte zudem Fußbälle, Taschen und Schuhe seines Ausrüsters adidas im Wert von vier Millionen Dollar in die Karibik schicken. Warner persönlich hätte außerdem Zugriff auf 1000 WM-Tickets bekommen, auch von einem 240.000-Dollar-Deal mit einer „Kontaktperson“ ist die Rede.

Der "Spiegel" veröffentlichte jetzt alle Inhalte des geplanten Deals mit dem inzwischen lebenslang gesperrten Funktionär aus Trinidad und Tobago. Datiert ist er auf den 2. Juli 2000 - vier Tage vor der Vergabe der WM 2006, bei der sich Deutschland am Ende knapp gegen Südafrika durchsetzte. Das Auftauchen dieses Dokuments war Anfang November einer der Gründe dafür, warum Wolfgang Niersbach als Präsident des DFB zurücktrat.

"Das muss man so werten"

Als das brisante Papier im November entdeckt worden war, ging selbst der DFB von einem möglichen Bestechungsversuch aus. "Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist", sagte damals Ligapräsident und DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball.

Rechnung für Nationalfähnchen

Obwohl der Vertrag nach bisherigen Erkenntnissen nie Gültigkeit erlangt, stieß man beim DFB nach dem Bericht des "Spiegels" nun auf eine Rechnung für Nationalfähnchen von Trinidad und Tobago und eine weitere für den Druck von Eintrittskarten für ein WM-Qualifikationsspiel gegen Panama. Beide Rechnungen würden aus der Zeit der Entscheidung für die WM in Deutschland im Jahr 2000 stammen.

Warner, heute 72 Jahre alt, war 21 Jahre lang Präsident des Kontinentalverbands für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF). 2011 musste er zurücktreten, weil er während der Präsidentschaftskandidatur von Bin Hammam der Bestechung überführt wurde. Im September 2015 wurde er lebenslang gesperrt.

Beckenbauer hatte kürzlich in einem SZ-Interview von einem Treffen mit Warner im Vorfeld der WM-Vergabe erzählt: "Jack Warner hat gesagt: Ihr habt noch nie was für CONCACAF getan, für meinen Verband. Noch nie (...) Deswegen hat er zu uns ja gesagt: Meine Stimme, die kriegt ihr nicht. Das wussten wir auch."

sid/dpa

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