1899-Manager: Europa League mit Begeisterung annehmen

Alexander Rosen ist der Manager der TSG 1899 Hoffenheim. Foto: Daniel Maurer
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Alexander Rosen ist der Manager der TSG 1899 Hoffenheim. Foto: Daniel Maurer

Mit knapp 36 Jahren ist Alexander Rosen der jüngste Manager in der Fußball-Bundesliga. Dennoch würde er allenfalls an der Play Station 1 mit seinen Profis mithalten können - "wenn sich irgendeiner dazu herablassen würde".

Sinsheim (dpa) - Am 2. April ist das Duo Markus Gisdol/Alexander Rosen bei 1899 Hoffenheim zwei Jahre im Amt - und die Kraichgauer dürfen als Tabellensiebte auf einen Europa-League-Platz hoffen.

Die erstmalige Teilnahme am internationalen Geschäft wäre ein Bonus, ist aber kein Muss. "Wir haben nicht den Anspruch, in die Top 6 rein zu müssen", sagte Rosen, mit 35 Jahren jüngster Manager der Liga, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Er habe auch bei einem Abgang seiner Stars Kevin Volland oder Roberto Firmino keine Angst, dass Trainer Gisdol "seine Tasche packt und vom Hof fährt".

Herr Rosen, 2010 haben sie noch selbst gespielt. Heute sind sie der jüngste Bundesliga-Manager, jetzt aber schon zwei Jahre dabei. Erkennen Sie sich in der heutigen Spielergeneration noch wieder? Alexander Rosen: Ich kann sehr wohl etwas mit ihr anfangen - und trotzdem ist sie anders als zu meiner aktiven Zeit. Wir erleben ja die erste Generation, die komplett durch die Neuen Medien geprägt ist. Als ich mein Elternhaus mit 19 verlassen habe und zu Eintracht Frankfurt gegangen bin, hatten wir noch nicht einmal alle ein Handy und ich besaß so einen Prügel, mit dem man theoretisch auch hätte Tischtennis spielen könnte. Können Sie sich mit ihren Profis an der Play Stadion messen? Rosen: Wenn sich irgendeiner dazu herablassen würde, dann vielleicht noch an der Play Station 1 oder am C64 (lacht). Zusammen mit Markus Gisdol haben Sie den Reset-Knopf gedrückt, wie sie selbst einmal sagen: zurück zur alten Hoffenheimer Philosophie. Wie weit sind Sie mit ihrem Projekt? Rosen: Wir sehen unsere Arbeit nicht als Projekt, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Und dabei sind wir heute weiter als wir das im April 2013 erwartet konnten. Wir profitieren natürlich unglaublich von der ersten Liga, das hat uns nochmal einen richtigen Kick gegeben...

... nachdem sie vor knapp zwei Jahren so gut wie abgestiegen waren.

Rosen: Wir wollten dann zunächst "nur" eine sorgenfreie Saison spielen, daraus wurde eine sorgenfreie, spektakuläre Spielzeit 2013/14. In dieser Spielzeit wollten wir für mehr Balance und Konstanz sorgen und den Kader umstrukturieren. Beides haben wir geschafft und dafür unterm Strich lediglich sechs Millionen investiert - rund 18 Millionen haben wir ausgegeben, zwölf Millionen eingenommen. Stillstand ist Rückschritt heißt es ja so oft. Der nächste Schritt müsste in Hoffenheim logischerweise die Teilnahme am internationalen Geschäft sein. Spätestens nächste Saison? Rosen: Das sehe ich nicht so und die Frage ist doch: Wie definiert man Stillstand überhaupt auf diesem hohen Niveau? Muss ein nächster Schritt zwangsläufig ein Sprung in der Tabelle sein? Ist es denn nicht schon ein großer Erfolg, wenn wir es schaffen, an unserem Standort, der speziell und einmalig ist, auch weiterhin eine gute Rolle als anerkanntes und stabiles Mitglied einer der drei Top-Ligen der Welt zu spielen? Wir spüren, dass wir auf allen Ebenen noch viel Potenzial haben. Wir haben nicht den Anspruch, in die Top 6 rein zu müssen. Wenn man die Höhe der Lizenzspieler-Etats bei diesen Clubs betrachtet, dann sind wir mehr als einen Schritt davon entfernt. Was würde der erstmalige Sprung ins internationale Geschäft bedeuten? Rosen: Wenn wir einmal die Europa League erreichen, dann würden wir das mit Begeisterung annehmen - wann auch immer das sein sollte. Was dahinter steht, wäre für uns als Club ein Stück weit Neuland. Bestimmt gäbe es dann für uns anzustellende Überlegungen im Hinblick auf Kadergröße, Trainings- und Belastungssteuerung, Reisen, etc. Aber ich bin mir sicher, dass wir sehr schnell sehr gut vorbereitet wären. Haben Sie die Hoffnung, dass von ihren Kronjuwelen Kevin Volland und Roberto Firmino wenigstens noch einer nächste Saison in Hoffenheim spielt? Rosen: Diese Frage ist ja mittlerweile fast schon ein Klassiker. Fakt ist: Die beiden Jungs sind immer noch da! Der Zeitpunkt wird irgendwann kommen, dass Spieler dieser Qualität den Verein wechseln - allein schon durch auslaufende Verträge und Ansprüche der Spieler, durch eine entsprechende Angebotslage und die wirtschaftliche Verantwortung, die wir haben. Wann das sein wird, ist derzeit nicht zu beurteilen. Ich kann nur sagen, dass wir auch danach hier weitermachen und daran arbeiten werden, das aufzufangen. Es gab mit Ralf Rangnick auch schon mal einen Trainer bei der TSG, der ist gegangen, weil mit Luiz Gustavo ein ganz wichtiger Spieler abgegeben wurde. Könnte Markus Gisdol im Fall Volland oder Firmino ähnlich reagieren? Rosen: Ich kann nichts zu den detaillierten Hintergründen seinerzeit sagen, aber ich habe keine Angst, dass Markus Gisdol in so einem Fall seine Tasche packt und vom Hof fährt. Wir verschließen uns nicht der Realität und außer Bayern München gibt es keinen Club in der Liga, der nicht mit diesen Vorgängen konfrontiert ist. Ausgerechnet Rangnick hat jetzt als Sportdirektor bei RB Leipzig Gisdol als Trainer beim ambitionierten Zweitligisten ins Gespräch gebracht. Sind Sie noch sicher, dass er seinen Vertrag bis 2016 in Hoffenheim erfüllt? Rosen: Markus wurde vor unserem Heimspiel gegen den HSV gefragt, ob er davon ausgeht, dass er nächstes Jahr hier noch Trainer ist – die Antwort war ein Ja. Er will derzeit keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Mein Wunsch, möglichst lange mit ihm zusammenzuarbeiten, ist - unabhängig von unserm Vertrauensverhältnis - unverändert: Fachlich kann ich mir keinen besseren Coach hier vorstellen. Natürlich ist es immer mühsam, sich mit derartigen Gerüchten befassen zu müssen, aber wie Markus ja ebenfalls bestätigt hat, war es für ihn kein Thema. Wie wird die Schlagzeile heißen, wenn eines Tages in der Bundesliga Hoffenheim gegen Leipzig antritt? Rosen: Tradition trifft Bundesliga-Neuling (lacht).

ZUR PERSON: Alexander Rosen, geboren am 10. April 1979 in Augsburg, war Profi unter anderem bei Eintracht Frankfurt, FC Augsburg, 1. FC Saarbrücken und Stuttgarter Kickers. Bei Follo FK in Norwegen spielte er - und arbeitete als Assistent der Geschäftsführung. Das war sein Einstieg ins Managergeschäft. 2010 übernahm er die Leitung des Nachwuchszentrums bei 1899 Hoffenheim, am 2. April 2013 stieg er zum Leiter Profifußball auf.

Kader 1899 Hoffenheim mit Porträts

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