Von wegen falsche Neun

Scholl: "Thomas Müller ist eine wilde 13"

+
Mehmet Scholl.

Salvador - Was für ein WM-Start – und was für ein schnelles Ende einer ganz speziellen Taktikdiskussion, die einigen schon auf die Nerven ging. Zum Beispiel Mehmet Scholl, und der brachte es dann auch mal wieder auf den Punkt.

 „Thomas Müller ist keine falsche Neun, sondern die wilde 13! Er ist genial, torgefährlich, unorthodox, weltklasse!“

Dahinter steckte die Frage, wo Joachim Löw seinen Stürmer auf dem Feld hinbeorderte: Direkt in die Spitze, als hängende Spitze oder wohin auch immer. Für den Trainer ist das natürlich eminent wichtig, die Fans erfreute gestern aber vor allem dies: die WM-Tore sechs, sieben und acht für den oberbayrischen Wirbelwind. Und das im erst siebten WM-Spiel. Scholl: „Müller ist ein Phänomen, ein Spieler, um den uns die Welt beneidet. Er ist erst 25, da kommt noch einiges nach!“

Bilder und Einzelkritik: Drei Mal Note 1 für die Deutschen

Bilder und Einzelkritik: Drei Mal Note 1 für die Deutschen

Das gilt hoffentlich auch für die gesamte deutsche Mannschaft bei dieser WM, aber nach diesem Auftritt sollten sich die Fans erst mal keine großen Sorgen machen. Zu gut ist die Stimmung, zu stark das Wir-Gefühl des Teams. „Wir wissen, dass unser Spiel funktioniert. Alle haben gearbeitet, auch bei dieser Hitze. Und in der vollen Sonne war das unglaublich – da haben wir auch gesehen, dass wir alle Spieler brauchen“, sagte Kapitän Philipp Lahm nach der Partie.

Wir – das neue alte Lieblingswort der Jogi-Jünger. Auch Jerome Boateng, der Cristiano Ronaldo mit seiner Dauerpräsenz auf dessen Schuhspitzen die Tränen ins Gesicht trieb, sprach nur im Plural. „Wir haben alle gekämpft, jeder hat dem anderen den Rücken freigehalten, das war eine tolle Teamleistung. Das hat alles gut geklappt, wir haben die Angriffe zu Ende gespielt, und dann kommt so was zustande.“

Aber was neben dem Torfestival Mut macht, ist die Entwicklung der Mannschaft, sagte Mehmet Scholl bei seiner Analyse in der ARD. „Das war ein beeindruckender Auftritt – und zwar auch in der zweiten Hälfte. Da stand es schon 3:0. Und sie lernen – immer weiter und auf einem Topniveau. Denn da haben sie weiter gegen den Ball gearbeitet – aber wenn sie ihn hatten, dann haben sie Kräfte gespart. So gewinnt man Spiele und so spielt man in einem Turnier. Das war wieder der Hochgeschwindigkeitsfußball, den wir lieben. Und dazu eine Entwicklung in der Mannschaft.“

Pressestimmen: "Müller 3 - Portugal 0"

Pressestimmen: "Verloren, Playboy"

Richtig beseelt sah auch Bundespräsident Joachim Gauck aus. Der bejubelte das 4:0 in Budapest, wo er auf einem Festakt der friedlichen Revolution in Osteuropa vor 25 Jahren gedachte. „Das war ein schöner Start. Herzlichen Glückwunsch an Thomas Müller und gute Besserung für Mats Hummels“, ließ er übermitteln.

Vielleicht schickte Gauck die betreffende SMS ja direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich nach dem Spiel in die Kabine der Spieler aufmachte, um zu gratulieren (siehe Seite 25). Und wenn es dann langsam Richtung Finalspiele geht, dann wird sicher auch das Staatsoberhaupt in Brasilien mitjubeln. Mit Jogi Löw, Philipp Lahm, Angela und Thomas Müller, der wilden 13…

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Mehr zum Thema:

Kommentare